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Fallwurf Böhme
Fallwurf Böhme
© Basis-Film

Kritik: Fallwurf Böhme (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Stoff, dem sich der Regisseur Heinz Brinkmann hier widmet, lässt eine hochdramatische Sportlerdoku vermuten, doch wer die Filme Brinkmanns kennt, weiß, dass der Filmemacher kein Mann fürs Reißerische und Aufgeregte ist. So erweist sich auch "Fallwurf Böhme" als eher nüchterne, aber selten langweilige Angelegenheit.

Anhand von Talking-Head-Sequenzen mit Böhme, guten Freunden und ehemaligen Sportkollegen sowie einer großen Auswahl an Archivmaterial breitet Brinkmann das Leben des gefallenen DDR-Stars noch einmal auf. Während die Interviews konventionell bleiben, präsentiert sich die Collage aus historischen Filmaufnahmen, Privatfotos und Blicken in Böhmes Tagebuch als humorvoll und verspielt montiert. Mit Hilfe von Bierdosen werden da etwa Spielzüge erläutert oder zwischen den Tagebuchseiten entspinnt sich die Existenzkrise eines jungen Frauenhelden.

Überhaupt nimmt das Privatleben Wolfgang Böhmes eine wichtige Rolle in diesem Dokumentarfilm ein, der damit nicht bloß für Hanndball-Begeisterte interessant sein dürfte. "Fallwurf Böhme" zeigt ohne Pathos, aber dafür umso eindringlicher, wie Sport und Privates im Sinne der DDR-Politik instrumentalisiert wurden und welche schwerwiegenden Konsequenzen das für das Individuum hatte. Einschätzungen von Historikern und Auszüge aus Stasi-Protokollen ergänzen das bisweilen etwas bunte Potpourri um gesellschaftliche Kontexte und verbinden die Episoden um Jungsträume, Doping und das Linkshänderdasein zu einem meist stimmigen Ganzen.

Fazit: Heinz Brinkmanns nüchterner und dennoch humorvoll inszenierter Dokumentarfilm widmet sich einigen Facetten aus dem bunten Leben des Wolfgang Böhme. Vor allem in der Verknüpfung von Politik, Sport und Privatleben erweist sich der Film als stimmiges Porträt.





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