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Winnie Puuh
Winnie Puuh
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: Winnie Puuh (2011)


"Zeit aufzuwachen" – mahnt am Anfang des Films der Erzähler, denn schließlich hat Winnie Puuh heute noch etwas Wichtiges zu tun. Aber der Bär von sehr geringem Verstand kuschelt sich lieber in sein Bett, bis ihn ein fürchterliches Magengrummeln doch aufweckt. Dringend braucht er einen Topf Honig, doch seine eigenen Vorräte sind leer. Also macht er sich auf den Weg zu seinen Freunden und erfährt, dass I-Ah seinen Schwanz verloren hat. Er muss ihm natürlich helfen und steckt schon wieder mittendrin in den nächsten Abenteuern.

Nachdem Winnie Puuh in den letzten Filmen nur eine Nebenfigur war, sind Stephen J. Anderson und Don Hall pünktlich zu dem 85. Geburtstag des Bären wieder näher zu dem Originalcharakter zurückgekehrt. Denn bei all den "großen Abenteuern", die Ferkel, Tigger und selbst das Heffalump erlebt haben, ist fast in Vergessenheit geraten, woher Winnie Puuh eigentlich stammt: Im Jahr 1926 brachte Alan Alexander Milne ein Buch mit Geschichten heraus, die er sich für seinen Sohn Christopher Robin ausgedacht hatte. Die Hauptfiguren waren dessen Stofftiere, darunter auch Edward Bär, den alle nur Winnie the Pooh bzw. in deutscher Sprache Pu der Bär nennen. In dem neuen Film heißt er nun einfach Winnie Puuh, aber schon die erste Sequenz erinnert an seine Herkunft. Bevor der Erzähler den Bären weckt, besucht die Kamera ein Kinderzimmer und gleitet über die dort versammelten, nur allzu bekannten Stofftiere. Auch innerhalb des Films wird häufig an das Buch erinnert, zwischen den Figuren und dem Buchtext findet eine regelrechte Interaktion statt. So landet Winnie Puuh auf einem Absatz aus dem Buch, versucht sich an den Buchstaben festzuhalten, die sich aber auflösen. Er fällt – und kommentiert das Geschehen damit, dass der Absatz "ruhig länger sein könnte". Später werden er und seine Freunde sogar durch Buchstaben aus einer misslichen Lage gerettet. Dieses Spiel zwischen Erzählung und Film, zwischen Worten und Bildern ist liebevoll inszeniert und würdigt den Ursprung dieser wunderbaren Figuren. Vielleicht bekommt dadurch ja auch der ein oder andere kleinere Zuschauer Lust, mal einen Blick in das Buch zu werfen.

Auch die Bilder orientieren sich an den Originalillustrationen von Ernest H. Shepard, so dass die Figuren ihren ursprünglichen Charme wieder näher kommen. Sie repräsentieren die verschiedensten Typen. Winnie Puuhs bester Freund ist Ferkel, stets ein wenig überängstlich, dagegen ist Tigger fast schon hyperaktiv zu nennen. Der Esel I-Ah ist fraglos depressiv. Am erwachsensten ist wohl die Eule, die aber in ihrer gnadenlosen Selbstüberschätzung auch die Verwirrung stiftet, die in ein großes Abenteuer mündet. Das ist eine weitere charmante Idee des Films: Dass ausgerechnet der Charakter, der den Erwachsenen am ähnlichsten ist, am Ende als Dummer dasteht.

Die liebenswürdige und charmante Inszenierung macht den Film zu einer mit 69 Minuten zudem sehr kurzweiligen Unterhaltung. Gerade Kinder im Vorschulalter werden sich gut amüsieren, aber auch erwachsene Zuschauer werden durch den nostalgischen Charme und mitunter feinen Humor gut unterhalten. Dabei darf auch nicht vergessen werden, dass Winnie Puuh zwar als "dummer, alter Bär" von Christopher Robin angesprochen wird, aber häufig hintersinnige und ehrliche Lebensweisheiten äußert.

Am Ende des Films kehren die Zuschauer dann wieder in das Kinderzimmer zurück. Den dort versammelten Stofftieren sind die erlebten Abenteuer noch anzusehen – aber auch die Kinozuschauer werden den Saal zufrieden verlassen. Denn bei diesem Film ist selbst der Abspann noch sehenswert.

Fazit: "Winnie Puuh" ist ein ungemein charmanter Film, der mit 69 Minuten recht kurz ausgefallen ist. Er bietet gute Unterhaltung für die ganze Familie und überzeugt mit liebevoll gezeichneten Figuren, feinem Humor und nostalgischem Charme.




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