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Resturlaub - Hauptpakat
Resturlaub - Hauptpakat
© 2011 Sony Pictures Releasing GmbH

Kritik: Resturlaub (2010)


Tommy Jaud gehört zu den erfolgreichsten deutschen Autoren. Vielgescholten vom Feuilleton wegen Massenkompatibilität, geringen Anspruchs und einer Leserschaft, die aufgrund 'durchschnittlicher Intelligenz' leichte literarische Kost bevorzugt, verkaufen sich seine Bücher dennoch wie geschnitten Brot. Dass es dann nur noch ein kleiner Schritt bis zur Kinoadaption ist, ergibt sich fast von selbst. Nach "Vollidiot", in dem Oliver Pocher die Hauptrolle übernahm, gelangt nun die Verfilmung seines Bestsellers "Resturlaub" in die Kinos. In der Hauptrolle diesmal der beliebte Schauspieler Maximilian Brückner.

Es ist die Geschichte eines Mannes vor dem Kollaps. Eines Anfangdreißigers den plötzlich die Sinnkrise packt. Eigentlich ist die Welt von Peter 'Pitschi' Greulich in bester Ordnung: Er hat einen sicheren Job als Marketingleiter einer Traditionsbrauerei im oberfränkischen Bamberg und eine attraktive Freundin, die sich danach sehnt, dass die beiden alsbald heiraten und mit Häuslebaue und Kinderkriegen loslegen. Dieser Wunsch ist derzeit besonders virulent, da Pitschis bester Freund gerade im Begriff ist, selbst in den Stand der Ehe zu treten.

Insgeheim ängstigen Pitschi all diese Erwartungen an seine Person aber; und von der Ehe seines besten Freundes, der eine Frau zum Altar führen möchte, die sich wie eine Ente artikuliert, hält er schon mal gar nichts. Das stellt er dann auch mit Vehemenz während der Hochzeitsfeier unter Beweis, während der er sich nicht nur selber komplett blamiert, sondern auch die Braut beleidigt. Wiedergutmachen will er das mit einem gemeinsamen Urlaub auf Mallorca. Bereits im Flughafen packt ihn aber plötzlich die Panik. Um dem gemeinsamen Trip zu entgehen, inszeniert er in letzter Minute einen vermeintlichen Raubüberfall, in dem er sich auf der Toilette selbst blutig schlägt. Während alle anderen, inklusive seiner Freundin, in den Flieger steigen, will er noch bleiben, um alles zu regeln und anschließend nachreisen. Kaum sind alle verschwunden, kauft er sich aber ein One-Way-Ticket nach Buenos Aires, umso weit weg wie möglich von all dem Druck zu kommen.

Diesen Wunsch mögen schon viele mit Pitschi geteilt haben. Einfach mal allem entfliehen, seine Sterne neu ordnen, ein neues Leben beginnen. Dass man als Legitimation im Film allerdings schon mehr als den alltäglichen Wahnsinn bemühen muss, ist nicht weiter verwunderlich. In "Resturlaub" sind die Figuren nachvollziebarerweise überzeichnet. Das geht zuweilen sogar über die Schmerzgrenze: Warum sich beispielsweise Martina Hill, bekannt aus "Switch reloaded" und der "Heute Show", in die humoristischen Niederungen einer Frauenrolle begab, deren einzige karikatureske Funktion es ist, unverständlich zu quaken, will sich beim besten Willen nicht erschließen. Der andere Comedian an Bord, Dave Davies, der im TV meist den Klomann Motombo Umbokko gibt, macht zwar eine bessere Figur, wirkt in seiner Rolle als Pfarrer Bouba aber schon deshalb nicht besonders originell, da er im Prinzip den gleichen Dialekt und Duktus benutzt, wie in seiner Klomann-Rolle.

Mit Maximilian Brückner findet sich in der Hauptrolle diesmal glücklicherweise ein gestandener Schauspieler, der von Theater über TV (Tatort) bis zum Kino schon alles gemacht hat. Im Vergleich zu "Vollidiot" verleiht das dem Film schon beinahe eine Form von Wertigkeit. Darüber hinaus ist Pitschi keine krawalliger Prolet, sondern ein von Neurosen wie Existenzängsten geplagter Antiheld. Brückner müht sich nach Kräften aus dem Charakter einen Sympathen und Identifikationsfigur zu zeichnen, ganz gelingen will das allerdings nicht. Diverse Derbheiten mögen daran nicht völlig unschuldig sein: Ob wollüstiger Sex mit korpulenten Damen, Onanieren auf dem Klo oder mit Tabasco beschmierten Finger in den After gesteckt, um erektile Dysfunktionen zu beheben, all dies, ebenso wie reichlich Slapstick, ist Teil des komödiantischen Programms. Dass dafür Klischees und Sterotypien reichlich (über)strapaziert werden, braucht kaum zu verwundern.

Leugnen lässt sich zudem nicht, dass "Resturlaub" überwiegend ein Film für das männliche Klientel 30 plus ist, dass halbneurotisch durchs Leben wandelt, aus Angst davor die eigene Existenz könnte sich wie Rauch auflösen, sobald Ehe, Kinder und die (überhöhten) Anforderungen im Job ein Korsett aus Konventionen bilden, dem man nicht mehr entkommen kann. Darin spiegelt sich auch der nicht gerade verborgene Subtext des Films, der ihm vielleicht nicht gleich eine tiefere Dimension verleiht, zumindest aber einen kleinen philosophischen Anker, der oft bemüht, sicherlich einiges von einer Plattitüde hat. Erstaunlicherweise vermag das alles den Film aber nicht vollends aus der Bahn zu werfen. Dazu ist letzten Endes für zu viel kurzweilige Unterhaltung gesorgt und die Frequenz der Pointen, die sich zugegebenermaßen oft zu bereitwillig ankündigen, ist schlichtweg zu hoch.

Fazit: Lässt man sich auf "Resturlaub" und seine mitunter derb-platten Gags ein, ohne das alles intellektuell allzu nachhaltig zu hinterfragen, kann es tatsächlich sein, dass man am Ende locker-leicht unterhalten das Kino verlässt.





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