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UFO In Her Eyes
UFO In Her Eyes
© Pandora Film © boxfish films

Kritik: UFO In Her Eyes (2012)


Die Arbeiterin Kowk Yun (Shi Ke) ist schon Ende Dreißig, aber immer noch nicht verheiratet. Stattdessen trifft sie sich heimlich mit dem verheirateten Dorflehrer (Z. Lan). Nach einem Stelldichein hört sie auf einmal ein eigenartiges Geräusch und bemerkt einen seltsamen Kristall. Sie blickt hindurch – und glaubt ein großes silbernes Ding zu sehen. Dann verliert sie das Bewusstsein. Als sie wieder erwacht, sieht sie einen Fremden (Udo Kier), der am Bein verletzt ist. Sie nimmt ihn mit in ihr Haus und versorgt ihn, dann ist er plötzlich verschwunden. Pflichtbewusst unterrichtet sie die Dorfvorsteherin Chief Chang (Mandy Zhang) von den Ereignissen, diese leitet die Informationen wiederum an höhere Stellen weiter. Damit ist eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, die das Dorf Dreiköpfiger Vogel ins 21. Jahrhundert zwingt – mit einem UFO als Hauptattraktion.

In der Verfilmung ihres eigenen Romans "Ein Ufo, dachte sie" erzählt Xialu Guo die Geschichte eines Dorfes und einer einfachen Frau, die im Zeitalter der Globalisierung Veränderungen ausgesetzt sind, die sie kaum bewältigen können. Während sich die Dorfvorsteherin mit viel Freude den (persönlichen) Vorteilen des Fortschritts verschreibt und einen Fünf-Jahres-Plan entwickelt, der unter anderem den Nachbau der Oper von Sydney beinhaltet, wird Kwok Yun zunehmend unglücklicher. Im Fortschritt gibt es ebenso wenig Raum für ihre Träumereien wie in der Vergangenheit – und Klassengrenzen können weiterhin nicht überwunden werden.

Als Autorin und Regisseurin versteht sich Xialu Guo als Märchenerzählerin, gibt es in "UFO in her eyes" viele märchenhafte und surreale Momente, die dem Film mitunter betörend-entrückte, aber auch groteske Momente geben. Daneben arbeitet Xialu Guo sehr viel mit verschiedenen Perspektiven, die die verschiedenen Wahrnehmungsebenen ihres Films deutlich machen. Mal wird eine Szene aus Sicht eines Tieres gezeigt, die die Absurdität des Geschehens erkennen lässt, Kwok Yuns Perspektive verdeutlicht die Fremdsteuerung und zunehmende Verzweiflung des Einzelnen. Dann gibt es einen Beobachter, der von der Regierung geschickt wurde. Er greift niemals in die Handlung ein, sondern schaut nur zu. Daher ist er nicht im Bild zu sehen, sondern es färbt sich schwarzweiß und die Kamera übernimmt seine Perspektive. Neben den Gesichtern seiner Gesprächspartner geben Texttafeln Informationen zu Alter, Beruf und politischer Überzeugung.

In dem Beobachter wird der chinesische Überwachungsstaat deutlich, der hierzulande die Wahrnehmung von China überlagert. Doch zugleich lässt "UFO in her eyes" auch ein anderes Land erkennen. Ein Land, in dem die Dorfvorsteherin sich resolut dem Fortschritt verschreibt und mühelos die kapitalistischen Vorzüge genießt. Ein Land, in dem ein Fischer daran verzweifelt, dass er seinen See verliert. Und ein Land, in dem ein Dorflehrer von seiner Ehefrau tyrannisiert wird. Dabei sorgt Xiaolu Guo dafür, dass keine Perspektive allzu dominant wird. Allerdings ist es an manchen Stellen der Kakophonie ein wenig zu viel, so dass das Chaos zu groß und die Überzeichnung zu grotesk wird.

Im Mittelpunkt von "UFO in her eyes" stehen die Auswirkungen der Globalisierung auf die eigene Identität. Inmitten von Luxushotels und Touristenströmen werden Reisbauern in Seminare gelockt, in denen sie lernen, wie sie in fünf Schritten zum Millionär werden. Zugleich werden ihre Felder gnadenlos für Parkplätze und andere Bauten geopfert, selbst die Fischteiche verrotten. Dabei müssen sich die Bewohner entscheiden, auf welcher Seite sie stehen wollen – mit allen Konsequenzen. Und so steht am märchenhaften Ende dann auch folgerichtig die Frage, ob dies die Zukunft sei.

Fazit: "UFO in her eyes" wird aufgrund seiner Vielstimmigkeit gemischte Reaktionen auslösen. Aber der Film von Xialu Guo erlaubt einen anderen, einen gesellschaftskritischen Blick auf China und lässt die Folgen der Globalisierung auf die Gesellschaft erkennen.





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