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Plakat - The Help
Plakat - The Help
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: The Help (2010)


Jackson, Mississippi, Anfang der 1960er Jahre. 17 weiße Kinder hat das Hausmädchen Aibileen (Viola Davis) bereits großgezogen. Ihre Mutter war ein Hausmädchen, ihre Großmutter war eine Haussklavin. Nun kümmert sie sich um die Kinder wohlhabender weißer Familien, schenkt ihnen Zuneigung und muss erleben, wie sie genau wie ihre Eltern werden – und Afro-Amerikaner als Menschen zweiter Klasse ansehen. Lange Zeit hat Aibileen die Beleidigungen und Demütigungen des Alltags stumm heruntergeschluckt und sogar hingenommen, dass sie eine eigene Toilette bekommt, damit sie keine Krankheiten überträgt. Doch seit dem Tod ihres eigenen Sohnes hat sich etwas in ihr verändert, noch weiß sie nicht was.

Als Skeeter (Emma Stone) vom College in ihre Heimatstadt zurückkehrt, arbeitet Aibileen gerade bei Skeetes Freundin Charlotte (Allison Janney). Wie die anderen Kindheitsfreundinnen von Miss Skeeter ist Charlotte längst verheiratet und hat Kinder. Aber Skeeter will mehr von ihrem Leben. Sie träumt davon, Schriftstellerin zu werden, nimmt aber vorerst mit der Putzkolumne in der örtlichen Zeitung vorlieb. Da sie selbst keine Ahnung vom Putzen hat, greift sie auf die Hilfe von Aibileen zurück. Dann hat sie die Idee, für ein Buch afroamerikanische Hausmädchen zu interviewen. Sie will von ihnen die Wahrheit erfahren, will wissen, wie es ist, Kinder der weißen Oberschicht großzuziehen. Obwohl Aibileen weiß, dass es insbesondere in Jackson gefährlich ist, die Rassengrenzen infrage zu stellen, willigt Aibileen ein. Sie wird ihre Geschichte erzählen. Und auch ihre Freundin Minny (Octavia Spencer) macht mit.

Die Geschichte von drei Frauen, die im Kleinen etwas Großes in Gang setzen, bietet viel dramatisches Potential: Sie stellen sich mutig Konventionen und Gefahren, indem sie denen eine Stimme verleihen, die bislang nicht gehört wurden. Allerdings glättet Tate Taylor in "The Help" die Widerhaken dieser Geschichte und schreckt vor allzu viel Ernsthaftigkeit zurück. Dadurch wird Minnys "fürchterliche Tat" zu einem Running Gag, obwohl sie doch von großer Verzweiflung zeugt. Auch die Rollen von gut und böse sind allzu deutlich verteilt. Skeeters Freundin Hilly – gespielt von Bryce Dallas Howard – ist nicht einfach böse, sondern auch noch dumm. Dadurch wird sie der Lächerlichkeit preisgegeben, anstatt deutlich zu machen, dass sie von ihren rassistischen Ansichten überzeugt und gefährlich ist. Auch das Potential der herzzerreißenden Performance von Jessica Chastain als Celia nutzt Tate Taylor nicht aus. Celia ist eine arme weiße Sexbombe, die einen reichen Mann geheiratet hat. Nun lebt sie in Jackson, wird von den anderen Frauen ausgegrenzt und sieht Minnie als ihre natürliche Verbündete an. Sie ist auch ein Opfer der Gesellschaft, wenngleich sie im Gegensatz zu Minnie nicht um ihr Leben fürchten muss. Aber an ihrem Beispiel hätte deutlich werden können, wie das Leben zu dieser Zeit für manche weiße Frauen war – ohne deren Schicksale mit denen der Hausmädchen gleichzusetzen.

Insgesamt ist "The Help" ein Film über ein ernstes Thema, der nicht allzu ernst sein will. und er ist tatsächlich unterhaltsam. Das liegt vor allem an den formidablen Hauptdarstellerinnen. Auch wenn Emma Stone als hässliches Entlein nicht überzeugend besetzt ist, spielt sie Skeeter mit einer glaubwürdigen Mischung aus Naivität und Entschlossenheit. Octavia Spencer verkörpert Minny mit viel Kraft. Das Herz des Films ist indes Viola Davis als Aibileen. Ihr genügt ein Blick, um ihre Rolle mit viel Wärme auszustatten. Aibileens dramatische Geschichte wird durch den ruhigen, kalten Ton, in dem sie sie schildert, noch ergreifender – und zugleich wird ihre Stärke spürbar. Daher verwundet es wenig, dass seit dem US-Kinostart immer wieder über eine Oscar-Nominierung für Viola Davis gesprochen wird.

Fazit: "The Help" ist ein netter und unterhaltsamer Film, der ein wenig zu glatt und auch zu lang geraten ist. Aber Regisseur Tate Taylor erzählt eine anrührende Geschichte über Mut und die Kraft der Wahrheit. Und alleine die Performance von Viola Davis macht diesen Film sehenswert!




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