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Small World
Small World
© Majestic Filmverleih GmbH

Kritik: Small World (2010)


„Small World“ sagt Konrad Lang (Gérard Depardieu) gerne, wenn ihm ein Name nicht mehr einfällt. Und das passiert in letzter Zeit häufiger. Außerdem verlegt er seine Schlüssel und findet den Weg nach Hause nicht mehr. Er hat sogar versehentlich das Ferienhaus der Industriellenfamilie Senn abgebrannt, auf das er als Hausmeister eigentlich aufpassen sollte. Je weniger er sich allerdings in seiner Gegenwart zurechtfindet, desto deutlicher treten Erinnerungen aus seiner Kindheit zutage. Selbst Ereignisse, die er im Alter von vier Jahren erlebt hat, erscheinen präsenter als je zuvor. Und davor fürchtet sich die achtzigjährige Konzernchefin Elvira Senn(Françoise Fabian) – denn Konrad kennt eine Wahrheit, die sie geheim halten möchte.

Der Film „Small World“ von Bruno Chiche basiert auf dem gleichnamigen Buch von Martin Suter, einer spannenden und unterhaltsamen Mischung aus Familien-, Kriminal- und Medizinroman. Regisseur und Drehbuchautor Chiche konzentriert sich hingegen in seinem Film auf die Familiengeschichte und verlagert die Handlung nach Frankreich. Mit stimmungsvollen Bildern und ausgesuchten Details zeichnet er auf diese Weise das französische Großbürgertum, in dem die Familie Senn lebt. An der Spitze der Familie thront Elvira Senn und führt die Geschäfte der Familie mit eiserner Hand. Ihr Stiefsohn Thomas (Niels Arestrup), genannt Tomi, ist ein trinkender Lebemann, der sich auf Partys und mit wechselnden Frauen an seiner Seite hauptsächlich für sein Vergnügen interessiert. Daher ruhen Elviras Hoffnungen auf ihrem Enkel Philippe (Yannick Renier), der das Imperium seines Großvaters weiter führen soll. Philippes frisch angetraute Ehefrau Simone (Alexandra Maria Lara) ist eine stille Außenseiterin in der Familie. Doch seit Konrad bei ihrer Hochzeitsfeier zerstreut und uneingeladen erschienen ist, interessiert sie sich für ihn. Sie scheint zu spüren, dass er ebenso wie sie niemals zu dieser Familie gehören, sondern lediglich von ihr benutzt wird. Überraschend wollwollend von Elvira unterstützt, beginnt sie, sich immer mehr um Konrad zu kümmern – und ahnt schon bald, dass Konrad mehr über die Familiengeschichte weiß als Elvira recht ist.

Bruno Chiche inszeniert die Doppelbödigkeit der Familie Senn mit stimmungsvollen Bildern und hat vor allem eine gute Entscheidung getroffen, indem er Suters 324 Seiten langen Roman auf einen Aspekt der Handlung verdichtet und nach Frankreich verlagert hat. Aber leider verliert der Film gegen Ende an Spannung, weil die einzelnen Teile nicht gut erzählt sind. Ein Mordversuch ist schlecht eingeleitet, so dass von vorneherein keine Spannung entsteht. Auch Simone verlässt die Familie überraschend und ohne die Wahrheit vollständig zu erfahren. Daher kann die neben Konrad einzige positive Figur die Verwicklung nicht mehr klären. Chiche muss sich daher damit behelfen, eine Figur die vollständige Auflösung erzählen zu lassen. Hier sollten einem Film andere, bessere Mittel zur Verfügung stehen.

Glücklicherweise lässt Gérard Depardieu über die meisten Schwächen des Films hinwegsehen. Er ist als Konrad eine gelungene Besetzung und harmoniert überraschend gut mit Alexandra Maria Lara. Auch wenn man ihn zuletzt sehr häufig in der Rolle des tapsigen älteren Mannes gesehen hat - dank ihm überwiegt am Ende des Films der Eindruck, man sei gut unterhalten worden.

Fazit: Eine solide unterhaltende Literaturverfilmung, deren stimmiger Beginn und gute Schauspieler über das nicht ganz gelungene Ende hinwegtrösten.




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