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Kick Ass 2
Kick Ass 2
© Universal Pictures Germany

Kritik: Kick-Ass 2 (2013)


Wenn sich die Schurken als größer als die Realität herausstellen, befindet man sich meist in den fantastischen Gefilden der Comic-Welten. Um diese zu bekämpfen bedarf es selbstverständlich überlebensgroßer Helden. Geboren sind die Superhelden – Wesen mit außergewöhnlichen physischen oder psychischen Fähigkeiten. Die ersten und bekanntesten natürlich Superman und Batman; viele folgten: Spider-Man, Fantstic Four, Silver Surfer, bis die bunte literarische Fiktion von ihnen nur so überquoll.

Selbst eine Welt ohne Superwesen braucht jedoch Helden. Warum sich also nicht als Otto-Normal-Bürger selbst kostümieren und sich wie die geliebten Vorbilder aufmachen, um der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen? Das war die Idee hinter Mark Millars Comic-Reihe "Kick-Ass", die in der Folge auch ihren Weg in die Kinos fand. Darin entschließt sich Dave (Aaron Taylor-Johnson ), ein junger Highschool-Nerd, eines Tages einen giftgrünen Neoprenanzug überzustreifen, um für die Schwachen und Hilflosen einzutreten. Das geht nicht nur mächtig in die Hose, Dave muss auch erkennen, das dort draußen mit Hit Girl (Chloe Moretz) und Big Daddy (Nicholas Cage) bereits zwei maskierte Rächer unterwegs sind, die seiner Vorstellung von Superhelden weit mehr entsprechen, als er es jemals könnte.

"Kick-Ass 2" setzt ein, nachdem einige Jahre ins Land gezogen sind. Hit Girl versucht inzwischen mit dem Umlegen von Verbrechern aufzuhören, um ein normales Leben als junge Teenagerin zu führen. Und ein Teil von ihr scheint wirklich neugierig auf das alles, samt Pubertät und Hormonschüben, was eben so dazu gehört. Dave möchte das Kostüm indes nicht an den Nagel hängen und findet in Colonel Stars and Stripes (Jim Carrey) und der "Justice Forever"-Truppe bald Gleichgesinnte. Währenddessen rüstet ein alter Widersacher auf und schart einen Haufen finsterer Gesellen um sich, um Rache an Kick-Ass & Co. zu nehmen.

Bereits der Vorgänger spaltete die Gemüter. Für viele war das nichts als eine ausgemachte Geschmacklosigkeit. "Kick-Ass" barg unter der trashigen Oberfläche aus Superhelden-Satire samt Gewaltexzessen und boshaft-makaberen Gags allerdings noch eine ordentliche Portion harscher Gesellschaftskritik. Besonders das voyeuristische Verhalten der Vertreter der Web(jugend)kultur, die, während Menschen zu Schaden kommen, lieber mit dem Smartphone filmen um die Videos auf Youtube online zu stellen, wurde aufs Korn genommen. Darüber hinaus ging es allerdings auch um die medialen Mechanismen, die uns verleiten, beispielsweise während wir in der Sicherheit des Kinosessels sitzen, uns unreflektiert mit Figuren zu solidarisieren, die der Gerechtigkeit eigenmächtig auf die Sprünge verhelfen, indem sie blutig Selbstjustiz üben.

Die Fortsetzung nennt diese moralische Attitüde ebenfalls ihr eigen; was aber im ersten Teil noch ordentlich funktionierte und zum Nachdenken anregte, wirkt diesmal eher plump und oftmals enervierend pädagogisch. Bediente sich der Vorgänger zudem zahlreicher pop-kultureller Referenzen und nahm Anleihen bei vielen Genre-Werken um die Manipulation unserer Gefühle deutlich zu machen, lässt "Kick-Ass 2" das vielerorts missen und wirkt über weite Strecken eher wie ein beliebiger Coming-of-Age-Teenie-Film, in dem typische Probleme Heranwachsender in ewiger Litanei durchexerziert werden.

Von "Kick-Ass" zu "Kick-Ass 2" ging überdies ein Wechsel auf dem Regiestuhl vonstatten. Jeff Wadlow trat die Nachfolge von Matthew Vaughn an, der nun mit den großen Jungs ("X-Men: Erste Entscheidung") spielen durfte. Mit dem Wechsel des Regisseurs gelangte auch ein großes Studio hinter die Produktion. Das merkt man dem Film deutlich an, der wesentlich weichgespülter sowie mainstreamiger wirkt und weitaus weniger unbequem oder anarchisch rüberkommt, als es noch "Kick-Ass" war.

Mit Nicholas Cage und Mark Strong musste zudem gleich auf zwei charismatische Schauspieler verzichtet werden. Das kann ein Jim Carrey allein nicht kompensieren, auch wenn seine kranke Filmfigur, Colonel Stars and Stripes, viel Potenzial besitzt. Offensichtlich fehlte aber der Mut, das konsequent auszuschöpfen. Die größten Schwächen zeigen sich aber vor allem in puncto Tempo und Kreativität. Es braucht zu lange, bis das Geschehen an Fahrt gewinnt, und es mangelt deutlich an makaberem Witz, schrägen Einfällen und kruden Plotwendungen. "Kick-Ass 2" zeigt sich insgesamt viel zu wenig überraschend und erreicht nur selten die subversive Sogwirkung, die den Vorläufer noch ausmachte.

Fazit: Die Schlacht der Pseudo-Superhelden und der Schurken geht in "Kick-Ass 2" unverdrossen weiter. Auf die Dynamik und das Pointenfeuerwerk des Vorgängers muss jedoch verzichtet werden. Das Sequel ist deutlich zahmer und massentauglicher und macht deshalb auch nur halb so viel Spaß.





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