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Der letzte Exorzismus
Der letzte Exorzismus
© Kinowelt

Kritik: Der letzte Exorzismus (2010)


Es ist alles andere als leicht, heutzutage einen guten Horrorfilm zu produzieren. Der ursprüngliche Gruselfilm hat ohnehin schon lange ausgedient. Ob Vampire oder Werwölfe, heute muss alles stylisch und cool wirken. Das Resultat sind solche Streifen wie "Blade" oder "Underworld", die mit dem klassischen Genre nur noch wenig gemein haben. Der kürzliche Versuch noch einmal einen eher altbackenen Horrorfilm mit "Wolfman" zu inszenieren, erstickte ein wenig am lustlosen Abarbeiten an der berühmten Vorlage.

Ins Vakuum, dass mit dem Niedergang des klassischen Horrors einherging, stoßen nun stark geschmacksabhängige Filme des Slasher- und Tortoure-Subgenres, beispielsweise der "Saw"-Reihe, die von ihren strengen Kritikern gerne zu Gewaltpornos abqualifiziert werden. Ein Nischendasein führen hingegen kleine Independent-Produktionen, die das Horrorgeschehen in eine Fake- oder Spieldoku, mit subjektiver Kamera, transferieren. Nach "Blair Witch Projekt" dem spanischen Überraschungs-Hit "[REC]" und jüngst "Paranormal Activity" folgt nun in diesem Stil "Der letzte Exorzismus".

In einer Art Pseudodokumentation wird von Prediger Cotton Marcus (Patrick Fabian) berichtet, der sich besessener Menschen annimmt und ihnen Geister, Teufel und Dämonen austreibt. Natürlich nicht wirklich, denn der gute Prediger ist zwar ein gläubiger Diener Gottes, aber auch ein aufgeklärter Mann, der an solchen Humbug eigentlich nicht glaubt. Er weiß aber sehr wohl, dass für jene, die fest der Überzeugung sind, heimgesucht zu werden oder besessen zu sein, alles in ihren Köpfen überaus real wird.

Prediger Marcus Methode solcher Besessenheit Herr zu werden, liegt darin, das Spiel mitzumachen. Mit kleinen Tricks inszeniert er sogar selbst eine Gruselshow, um schlussendlich das Böse durch die Kraft des Glaubens zu vertreiben. Wenn der Besessene sieht, dass der Gottesmann den Dämon oder was auch immer, vertrieben hat, hört er auf zu glauben, dass er besessen ist und der Spuk (in seinem Kopf) hört ebenfalls auf – so zumindest die Theorie. Um das zu dokumentieren begleitet ihn eines Tages auf einer seiner Reisen ein Fernsehteam. Es geht in den Süden der USA. Die Farmerstochter Nell Sweetzer (Ashley Bell) soll von einem Dämon besessen sein, und ihr Vater ersucht den Prediger um Hilfe.

Der ländlich geprägte Süden ist vergleichsweise bildungsfern, äußerst christlich, aber auch von Aberglauben durchsetzt. Dementsprechend viel Argwohn schlägt dem Prediger samt Filmteam entgegen. Nell lebt auf einer kleinen Farm gemeinsam mit ihrem Vater und ihrem älteren Bruder. Die Mutter verstarbt vor einigen Jahren. Die drei scheinen einfache, gottesfürchtige Menschen zu sein. Der Prediger zieht seine Show ab, alles läuft, wie er das vorsah und anschließend zieht er nach getaner Arbeit samt Team wieder von dannen. Ein paar Stunden später klopft aber die Geheilte mitten an der Nacht an seine Hoteltür, ist völlig verstört und blutüberströmt. Auf einmal eröffnet sich damit eine Seite, welche die Geschichte in eine völlig andere Richtung lenken könnte.

"Blair Witch Projekt" spielte seinerzeit mit einem bescheidenen Budget von 60.000 Dollar weltweit knapp 250.000 Millionen Dollar ein. Dank eines sehr geschickten Marketings dachten eine große Zahl von Kinobesuchern, dass es sich tatsächlich um eine Dokumentation handele. Das wird bei "Der letzte Exorzismus" eindeutig nicht der Fall sein, da es von Beginn an klar ist, dass die Doku ein Fake ist. Damit kommt dieses zusätzliches Spannungsmoment nicht hinzu. Besonders gefällig ist dafür die unterschwellig eingewobene Religionskritik, die auf die Leichtgläubigkeit der Menschen und auf Scharlatane zielt, die sich psychisches Leid einfacher Menschen skrupellos zunutze machen.

Die Darsteller bringen das überzeugend rüber und lassen zudem ihre Filmfiguren wirklich authentisch erscheinen. Erfreulich mehrschichtig wirkt die Geschichte zusätzlich durch den eingewobenen Familientwist, der die Handlung eine Zeitlang eher in die Richtung eines Missbrauchsdramas lenkt. Doch das kunstvoll errichtete Gebäude, dass lange mit subtilen Mitteln ganz unterschwellig eine beklemmende Atmosphäre aufbaute und dabei auf plumpe Effekthascherei verzichtete, bringt sich auf der Schlussgeraden selbst zum Einsturz. Dabei war genug Potenzial vorhanden, um nicht wieder auf den ewig gleichen eingefahrenen Pfaden zu landen. Schade, es wäre außerordentlich schön gewesen, mal einen Horrorfilm zu erleben, der nicht genretypisch einknickt und dem es gelingt, final wirklich eine überraschenden Pointe aus dem Hut zu zaubern. Den soundsovielten Exorzistenaufguss braucht wirklich niemand.

Fazit: Interessant gemachter Horror-Streifen mit Kultpotenzial, sofern man sich mit dem Finale anfreunden mag. In die Rahmenhandlung einer Fake-Doku ist eine mehrschichtige Geschichte um Besessenheit aufgebaut, die Geschickt mit Motiven aus Familien- und Missbrauchsdramen verwoben wird. Spannung und Beklemmung werden lange mit äußerst puristischen Mitteln gekonnt aufgebaut, allerdings wirkt das Ende im Vergleich zum übrigen Film, etwas zu simpel und genretypisch gestrickt.





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