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Der Marshall
Der Marshall
© Paramount Pictures

Kritik: Der Marshal (1969)


Es ist eine Szene, die in die Filmgeschichte eingegangen ist: John Wayne reitet mit den Zügeln im Mund auf fünf Gauner zu. Mit diesem waghalsigen Ritt zeigt er seinen ganzen Mut – oder mit dem Titel der Buchvorlage von Charles Portis: "True Grit". Erstmals ist diese Szene im Jahr 1969 zu sehen, als der Film "Der Marshal" in den Kinos lief. Zu einer Zeit, in der Western und seine Helden längst von anderen verdrängt waren, gelang es John Wayne, mit diesem Film einen bemerkenswerten Erfolg zu feiern – und den ersten Oscar seiner Karriere zu erhalten.

John Wayne spielt in "Der Marshal" den versoffenen US-Marshall Rooster Cogburn, dessen beste Zeiten schon hinter ihm liegen. Er lässt von der jungen Mattie Ross (Kim Darby) anheuern, den Mörder ihres Vaters zu suchen. In Begleitung des schnöseligen Texas Rangers La Boeuf (Glen Campbell) durchqueren sie das Indianergebiet (das heutige Oklahama) auf der Suche nach dem Feigling Tom Chaney. Und bei dieser Suche kommt es letztendlich nur auf eines an: wahren Mut.

Henry Hathaways Film ist in erster Linie ein Abgesang auf den Western-Helden, daher ist er von der ersten bis zur letzten Minute auf John Wayne zugeschnitten. Mit deutlichem Bauchansatz spielt der Duke wunderbar selbstironisch den gebeutelten Möchtegernhelden und persifliert zugleich auch das von ihm geschaffene "Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss"-Motto. Darüber hinaus ist der Film aber ein konventioneller Western, der eine genre-typische Bilderwelt zelebriert. Dabei hat er mit seiner literarischen Vorlage nur noch wenig gemein. Im Roman von Charles Portis spielt Mattie eine wesentlich zentralere Rolle, sie ist die Erzählerin und fungiert zugleich als kongenialer Widerpart für Rooster Cogburn. Doch in Henry Hathaways Film ist Mattie eher eine naseweise Göre, die noch dazu von Kim Darby furchtbar gespielt wird. Die deutsche Synchronisation trägt ebenfalls nicht zum Vergnügen bei, deshalb sollte man diesen Film tunlichst im Original sehen.

Insgesamt ist der Film wesentlich leichter als seine literarische Vorlage und auch als die Verfilmung der Coen-Brüder, die im Februar 2011 in den Kinos angelaufen ist. Sein Erfolg zeigt sich jedoch nicht zuletzt daran, dass im Jahr 1975 sogar noch eine Fortsetzung gedreht wurde, in der John Wayne abermals in die Rolle des Rooster Cogburn schlüpfte. An der Seite von Katharine Hepburn spielte er in "Mit Dynamit und frommen Sprüchen". Dennoch war zu dieser Zeit die Blütezeit des Western längst vorbei. Deshalb ist es eine feine Ironie der Filmgeschichte, dass John Wayne in "Der Marshal" in einer Szene den toten Dennis Hopper auf dem Pferd transportiert. Jenen Dennis Hopper, der im selben Jahr mit "Easy Rider" dem New Hollywood zum Durchbruch verhalf. Doch in "Der Marshal" geht das Aufeinandertreffen des alten und neuen Hollywood noch zugunsten ersteren aus.

Fazit: "Der Marshal" ist ein Muss für alle Western- und John-Wayne-Fans!




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