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Der deutsche Freund - Poster
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© Neue Visionen

Kritik: Der deutsche Freund (2010)


Ebenso wie die weibliche Hauptfigur im Film, wuchs auch Regisseurin und Drehbuchautorin Jeanine Meerapfel (Jahrgang 1943) als Tochter deutsch-jüdischer Einwanderer in Argentinien auf. Nachdem sie in Buenos Aires die Journalistenschule besuchte, kam sie Mitte der 60er-Jahre nach Deutschland, um dort – als eine der ersten Frauen überhaupt – am Institut für Filmgestaltung der Hochschule für Gestaltung in Ulm zu studieren. Mit den Themen Heimat und Herkunft beschäftigte sich Meerapfel in ihren filmischen Werken immer wieder, so z.B. im Dokumentarfilm "Im Land meiner Eltern" (1985) oder in dem Film "Die Verliebten" (1987), indem sie eine Geschichte von Heimatsuche der jungen Gastarbeitergeneration erzählt, die hin- und hergerissen ist zwischen dem Land ihrer Eltern und dem Ort der eigenen Kindheit. Von 1986 bis 1989 arbeitete sie an dem Dokumentarfilm "Desembarcos – Es gibt kein Vergessen", indem sich Meerapfel mit der argentinischen Militärdiktatur auseinandersetzte. Dieses Thema greift Meerapfel in "Der deutsche Freund" nun u.a. erneut auf, einem gefühlvollen Liebes-Drama, das die ungewöhnliche Geschichte zweier junger Menschen unterschiedlicher Herkunft erzählt.

In melancholischen Bildern erzählt Regisseurin Meerapfel die Geschichte einer großen Liebe in Zeiten politischer Unruhen und Krisen. Ihre Liebesgeschichte zwischen Sulamit, Tochter jüdischer Einwanderer, und dem deutschen Nazi-Sohn Friedrich, beginnt in Argentinien, wo sich Opfer- und Täterkind in den 50er Jahren und nur kurz Zeit nach den schrecklichen Ereignissen des Zweiten Weltkriegs kennenlernen. Die Beiden werden schon bald beste Freunde, irgendwann wird aus Freundschaft dann Liebe. In ruhigen und langen Einstellungen und poetischen, ausgewogenen Bildern vor allem von der beeindruckenden Landschaft schildert Meerapfel diese erste Phase in der Beziehung der beiden Hauptfiguren. Ein Bruch erleben Film und Hauptfiguren in dem Augenblick, in dem Friedrich die wahre Identität seines Vaters herausfindet. Friedrich begibt sich auf die Reise nach Deutschland und schließt sich den 68ern und der Studentenbewegung an.

Ab diesem Zeitpunkt wird das Liebes-Drama zunehmend politischer und ernster und die Ereignisse überschlagen sich. "Der deutsche Freund" bietet aber zunächst einmal alles auf, was ein packendes Liebes-Drama benötigt: tolle Kulissen und Drehorte, eine intensive Liebesgeschichte die sich vor historischem Hintergrund abspielt, eine stimmungsvolle Bildsprache und zwei tadellose Hauptdarsteller. Das einzige Problem, das "Der deutsche Freund" hat, sind die vielen verschiedenen Handlungsebenen und Zeitsprünge. Sicherlich, der Film schildert auf plausible und emotional ergreifende Weise die Beziehung der beiden Protagonisten und deren Entwicklung im Laufe der Jahre. Die unterschiedlichen Zeitabschnitte in denen der Film spielt, verursachen mit zunehmender Filmdauer aber auch Verwirrung und verlangen dem Zuschauer einiges ab. Von der Kindheit, dem Beginn der Liebe in Argentinien und der gemeinsamen Zeit als Liebespaar über die Studentenzeit in Deutschland einige Zeit später und Friedrichs’ Phase als Protestler bis hin zum Wiedersehen der Beiden in Patagonien gegen Ende des Film: der Zuschauer muss stets konzentriert bei der Sache sein, um den dramaturgischen roten Faden und damit den Anschluss an die Handlung nicht zu verlieren. Abgesehen von dieser Vielfalt an Handlungsebenen und Zeitsprüngen, die ab dem letzten Drittel leider auch in Langatmigkeit mündet, ist Regisseurin Meerapfel aber ein durchweg anständiges, solides Drama mit viel Gefühl gelungen.

Fazit: Trotz der verschiedenen Handlungsebenen und der vielen Zeitsprünge ist "Der deutscher Freund" ein durchweg sehenswertes, da gefühlvolles und mit einer überzeugenden Darsteller-Riege ausgestattetes Liebes-Drama vor historischem Hintergrund.




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