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Der blaue Tiger (2012)

Modrý tygr

Tschechisches Fantasy (Märchen)-Drama: Johanna lebt im botanischen Garten einer lauten Stadt. Als der Bürgermeister plant, den botanischen Garten abreißen zu lassen, um ein Entertainmentcenter zu bauen, taucht im Garten plötzlich ein blauer Tiger auf...Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
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Im alten botanischen Garten einer Stadt wohnt die neunjährige Johanna (Linda Votrubová) mit ihrer Mutter (Barbora Hrzánová), die dort arbeitet. Der Garten hat seine besten Zeiten schon lange hinter sich: Es kommen kaum noch Besucher, aber Gärtner Blume (Jan Hartl) kümmert sich unermüdlich um die Pflanzen in den Gewächshäusern. Sein Sohn Mathias (Jakub Wunsch) ist Johannas Freund. Das Mädchen hat eine lebhafte Fantasie und kann gut zeichnen. Vor ihren Augen fängt dann der blaue Tiger, den sie gemalt hat, zu fauchen an. Johanna ist wütend auf den ehrgeizigen Bürgermeister Nörgel (Daniel Drewes), denn er will das Viertel mitsamt dem botanischen Garten abreißen lassen. Sie stellt sich vor, dass der Tiger durch die Stadt streift und tatsächlich sichten Menschen auf der Straße bald einen blauen Tiger. Johanna findet ihn eines Morgens im Gewächshaus: Er ist eine kleine, echte Raubkatze mit glitzernden Streifen und einem verletzten Fuß. Und er scheint magische Kräfte zu haben.

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Der blaue Tiger - Hauptdarstellerin Johanna (Linda...bová)Der blaue Tiger - Johanna (Linda Votrubová) und...nsch)Der blaue Tiger - Johanna (Linda Votrubová) in der SchuleDer blaue Tiger - Mathias Johanna und Johannas Mutter...nová)Der blaue Tiger - Mathias Vater (Jan Hartl)Der blaue Tiger


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Der tschechische Kinderfilm „Der blaue Tiger“ ist ein Plädoyer für die Macht der Fantasie. Außerdem verteilt er kritische Seitenhiebe auf Phänomene der modernen Gesellschaft, wie der sterilen Stadterneuerung und dem Streben nach dem schönen Schein. Im Mittelpunkt steht ein eigensinniges, unangepasstes Mädchen, das mit seiner Mutter, seinem kleinen Freund und dessen Vater in ein Abenteuer zwischen Fantasie und Wirklichkeit gerät. Der versponnene, kontemplative Film hebt sich deutlich von der Mainstream-Unterhaltung für die junge Zielgruppe ab. Das Regiedebüt von Petr Oukropec basiert auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Tereza Horváthová.

Johanna fühlt sich am wohlsten, wenn sie in den Gewächshäusern des botanischen Gartens nach den Goldfischen schaut oder den Kakteen etwas vortanzt. In der Schule fällt sie unangenehm auf, zum Beispiel weil sie die Bank vollzeichnet. Selbst die Plakate des Bürgermeisters verschont sie nicht. Um diese eigenwillige, realistisch und sympathisch wirkende Hauptfigur gruppieren sich weitere deutlich konturierte Typen wie die liebevoll-unordentliche Mutter oder der eigenbrötlerische Gärtner Blume. Obwohl die Dialoge der Figuren durchaus kernig und manchmal unkorrekt sind, liegt eine possenhafte Stimmung in der Luft, die den dramatischen Themen den Ernst gleich wieder abspenstig macht.

Das stilistische Hauptmerkmal ist die Verknüpfung von Animation, die Johannas Fantasie entsprungen ist, mit der Realfilmebene und der äußeren Wirklichkeit. Daraus entwickelt sich eine schöpferische Dynamik, die für konstante Neugier sorgt. Die urigen Kulissen im botanischen Garten und in Johannas unaufgeräumter Wohnung werden dem Begriff „kreatives Chaos“ auf das Schönste gerecht. Die Fenster der Gewächshäuser sind trübe, überall liegen alte Gegenstände herum, mit denen man noch etwas anfangen könnte. Diese inspirierende Oase wird mit den Plänen des Bürgermeisters kontrastiert, ein Viertel zu schaffen, indem „alles, was nicht hierher gehört, sofort entdeckt“ wird.

Johannas Abenteuer behält bis zum Schluss etwas Rätselhaftes und verlangt vom Zuschauer viel eigene Interpretation. Dabei werden aber etliche Themen, etwa die Beziehung von Johannas Mutter und Mathias' Vater, so problematisch eingeführt, dass sie dann auch besser erklärt werden müssten. Der künstlerisch anmutende Stil des Films dürfte folglich diejenigen Zuschauer, die sich eine handfestere, eindeutigere Geschichte gewünscht hätten, nur bedingt entschädigen.

Fazit: Der versponnene tschechische Familienfilm „Der blaue Tiger“ bietet mit seiner eigenwilligen Mischung aus Wirklichkeit und Fantasie Kontemplation für Kinder. Den Genuss seiner visuellen und atmosphärischen Reize aber schmälert der rätselhafte inhaltliche Verlauf.




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Land: Tschechien
Jahr: 2012
Länge: 90 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 31.10.2013
Regie: Petr Oukropec, Bohdan Sláma
Darsteller: Barbora Hrzánová, Jan Hartl, Daniel Drewes
Verleih: farbfilm verleih

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