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Kritik: Taxi zum Klo (1980)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dieser Film war eine Sensation. So explizit hatte Ottonormalzuschauer in der biederen Bonner Republik zwei Männern selbst bei RWF oder Rosa von Praunheim noch nicht beim Sex zusehen können. Dementsprechend groß war die Neugier, als der mit geringem Budget und ohne Fördermittel gedrehte Streifen im November 1980 bei den Hofer Filmtagen seine Premiere feierte.

Auch andernorts kam das autobiografisch gefärbte Regiedebüt des damals noch als Hauptschullehrer tätigen Frank Ripploh gut an. In Saarbrücken erhielt "Taxi zum Klo" im Januar 1981 den Max-Ophüls-Preis, in Boston 1982 die Auszeichnung als bester fremdsprachiger Film. Die US-Kritikerpäpste Gene Siskel und Roger Ebert lobten Ripplohs Debüt in ihrer Fernsehsendung "Sneak Previews". Und allein in New York City spielte der Film mehr als eine Million Dollar ein.

Aus heutiger Sicht lässt sich die Begeisterung nur im historischen Kontext begreifen. Denn das geringe Budget ist "Taxi zum Klo" an allen Ecken und Enden anzusehen. Ripploh und Co. sind keine Profis, dementsprechend spröde gerät ihr Spiel. Und die Geschichte des so unterschiedlich tickenden Paars dient lediglich als klappriges Handlungsgerüst, an dem Multitalent Ripploh (Regie, Hauptrolle, Drehbuch, Produktion) seine szenischen Abenteuer ziemlich lose, sprunghaft und ungelenk aufhängt. Immerhin nimmt er die Sache nicht allzu ernst. Aus dem Off vorgetragene Gedanken und Schnipsel aus alten Pornofilmen und aus einem Aufklärungsfilm verleihen dem episodischen Beziehungsdrama einen ironischen Anstrich.

Was damals ungeheuerlich war, ist heute zwar noch nicht die Regel, aber auch nicht mehr die Ausnahme. Homosexuelle Figuren und Beziehungen finden in der Medienlandschaft immer häufiger einen Platz. Was einen hingegen bis heute umwirft, ist die Offenherzigkeit dieses Films. Ripploh erzählt schonungslos und direkt von einem freiheitsliebenden und seine Freiheit lebenden, im Kern aber zutiefst traurigen Mann. Dass dieser Männer liebt, fällt dabei überhaupt nicht ins Gewicht. Mit dieser Selbstverständlichkeit war Ripploh seiner Zeit um Jahrzehnte voraus. Allein deswegen lohnt sich ein Wiedersehen.

Fazit: Angesichts seiner historischen Bedeutung für das (queere) Kino ist "Taxi zum Klo" der Platz in den Filmgeschichtsbüchern sicher. Angesichts heutiger Sehgewohnheiten wirkt vieles daran jedoch amateurhaft und ungelenk. Was die Offenherzigkeit der Liebesgeschichte und der Sexszenen anbelangt, könnten sich viele gegenwärtige Filme allerdings eine dicke Scheibe abschneiden.




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