oder

Brillante Mendoza's KINATAY (2010)

The Execution of P

Philippinisches Drama: Polizeistudent Peping treibt ohne zu murren Schutzgelder für seine korrupten Vorgesetzten ein. Doch die Teilnahme an der Entführung einer Prostituierten treibt ihn schließlich an seine GrenzenUser-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2.5 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 2 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Ein neuer Tag in Manila: Der junge, in bescheidenen Verhältnissen lebende Polizeistudent Peping heiratet am Morgen seine Verlobte Cecille, mit der er bereits ein Kind hat. Nach der kleinen Feier in einem Restaurant und dem Unterricht in der Polizeischule treibt er am Abend Schutzgeld für seine korrupten Vorgesetzten ein, um seinen Unterhalt etwas aufzubessern. Doch heute wird er dazu aufgefordert, bei einer besonderen Aktion dabei zu sein. Arglos willigt er ein. Doch als die Gruppe die junge Prostituierte Madonna kidnappt, muss Peping schnell erkennen, dass dies eine Erfahrung sein wird, die ihn an den Rand seiner moralischen Integrität bringen wird. Wird er seine Unschuld bewahren können oder zum Mittäter werden?

Bildergalerie zum Film

KinatayBrillante Mendoza's KINATAYBrillante Mendoza's KINATAYBrillante Mendoza's KINATAYBrillante Mendoza's KINATAYBrillante Mendoza's KINATAY


Filmkritik

Filme aus Landen, fernab zivilisierter und rechtstaatlicher Gesellschaften, erfüllen mitunter den Zweck, Einblicke in Lebewelten zu ermöglichen, die unseren in vielen Aspekten nicht gleichen. Kurzgesagt: es geht um eine (ethnische) Grenzerfahrung. Für die Macher selbst, die in diesen Ländern leben, mag das Geschilderte nicht mehr beinhalten, als die tägliche Banalität des Grauens, die dort leider überhaupt nichts Außergewöhnliches darstellt.

"Kinatay", das Unterweltdrama aus den Philippinen von Regisseur Brillante Mendozas, nimmt den Zuschauer mit auf eine Talfahrt, die in unendlich tiefe und bizarre Abgründe führt. Mehr noch aber, als die explizite Gewaltdarstellung an sich, die in einigen Szenen regelrecht den Atem raubt, ist es die Gleichgültigkeit, mit der vorgegangen wird, welche das Geschehene, gleich einem Unhold, nach der Seele des Zuschauers greifen lässt.

Der Höllentrip schildert eine Nacht, in der ein junger Mann, ein Polizeischüler, bei einem bestialischen Mord zugegen ist. Peping (Coco Martin) hat gerade geheiratet. Mit Frau und Kind, aber wenig Geld, ist das Leben alles andere als einfach. Um sich etwas dazuzuverdienen, übernimmt er kleine illegale Jobs für einen Drogenring. Eines Nachts wird er Zeuge, wie eine junge Prostituierte von einigen Bossen und Helfershelfern des Kartells erst stundenlang gefoltert und vergewaltigt und sie anschließend grauenvoll umgebracht wird.

Bei den internationalen Filmfestspielen von Cannes 2009 erregte kein anderer Film, außer vielleicht Lars von Triers "Antichrist", derart viel Aufruhr wie "Kinatay". In seiner abgründigen Geschichte entwickelt Mendoza ganz beiläufig eine Aussage über den Zustand von Recht und Ordnung in seinem Heimatland, ebenso wie er im Vorbeigehen Stadtportrait-Elemente aus der Metropole Manila einfängt. Mit der Vorstellung eins klar definierten Gut und Böse ist bei "Kinatay" allerdings kein Blumentopf zu gewinnen; vielmehr mischt sich alles zu einem verworrenen Morast, doch anders als bei vielen anderen Filmen, bei denen solch ein Sumpf erst mühsam konstruiert werden muss, erscheint es bei "Kinatay" schockierender Weise als das Normalste der Welt.

Seine immense Qualität spielt der Film aber vor allem in seiner hypnotischen Bildsprache kombiniert mit seinem feinen und suggestiven Score aus. Wie magnetisiert haftet man an der Handlung, nicht fähig, obschon die Gewaltmomente am Nervenkostüm zerren, auszusteigen. Wie der junge Polizist, der ungewollt auf diesem Trip landet und alles um sich herum fortan wie in einem surrealen Traum erlebt, folgt man als Zuschauer, unfähig eine Distanz zum Horror aufzubauen.

Fazit: Kein Film für zarte Gemüter und auch keiner für jene, die sich gegen das Grauen, dass Abseits der westlichen Staaten existiert, immunisieren. Ein Film aber für all jene, die bereit sind dem Dämon ins Gesicht zu schauen und verstehen wollen, warum manche Menschen, nicht anders können, als ihre Seele zu verkaufen.




TrailerAlle anzeigen

Zum Video: Kinatay

Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Philippinen
Jahr: 2010
Genre: Thriller
Länge: 105 Minuten
FSK: 18
Kinostart: 15.07.2010
Regie: Brillante Mendoza
Darsteller: Julio Diaz, Mercedes Cabral, Jhong Hilario
Verleih: Rapid Eye Movies

Zusatzinformation

KINATAY wurde 2009 in Cannes mit dem Preis für Beste Regie ausgezeichnet.

Verknüpfungen zum FilmAlle anzeigen





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.