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Brillante Mendoza's KINATAY
Brillante Mendoza's KINATAY
© Rapid Eye Movies

Kritik: Brillante Mendoza's KINATAY (2010)


Filme aus Landen, fernab zivilisierter und rechtstaatlicher Gesellschaften, erfüllen mitunter den Zweck, Einblicke in Lebewelten zu ermöglichen, die unseren in vielen Aspekten nicht gleichen. Kurzgesagt: es geht um eine (ethnische) Grenzerfahrung. Für die Macher selbst, die in diesen Ländern leben, mag das Geschilderte nicht mehr beinhalten, als die tägliche Banalität des Grauens, die dort leider überhaupt nichts Außergewöhnliches darstellt.

"Kinatay", das Unterweltdrama aus den Philippinen von Regisseur Brillante Mendozas, nimmt den Zuschauer mit auf eine Talfahrt, die in unendlich tiefe und bizarre Abgründe führt. Mehr noch aber, als die explizite Gewaltdarstellung an sich, die in einigen Szenen regelrecht den Atem raubt, ist es die Gleichgültigkeit, mit der vorgegangen wird, welche das Geschehene, gleich einem Unhold, nach der Seele des Zuschauers greifen lässt.

Der Höllentrip schildert eine Nacht, in der ein junger Mann, ein Polizeischüler, bei einem bestialischen Mord zugegen ist. Peping (Coco Martin) hat gerade geheiratet. Mit Frau und Kind, aber wenig Geld, ist das Leben alles andere als einfach. Um sich etwas dazuzuverdienen, übernimmt er kleine illegale Jobs für einen Drogenring. Eines Nachts wird er Zeuge, wie eine junge Prostituierte von einigen Bossen und Helfershelfern des Kartells erst stundenlang gefoltert und vergewaltigt und sie anschließend grauenvoll umgebracht wird.

Bei den internationalen Filmfestspielen von Cannes 2009 erregte kein anderer Film, außer vielleicht Lars von Triers "Antichrist", derart viel Aufruhr wie "Kinatay". In seiner abgründigen Geschichte entwickelt Mendoza ganz beiläufig eine Aussage über den Zustand von Recht und Ordnung in seinem Heimatland, ebenso wie er im Vorbeigehen Stadtportrait-Elemente aus der Metropole Manila einfängt. Mit der Vorstellung eins klar definierten Gut und Böse ist bei "Kinatay" allerdings kein Blumentopf zu gewinnen; vielmehr mischt sich alles zu einem verworrenen Morast, doch anders als bei vielen anderen Filmen, bei denen solch ein Sumpf erst mühsam konstruiert werden muss, erscheint es bei "Kinatay" schockierender Weise als das Normalste der Welt.

Seine immense Qualität spielt der Film aber vor allem in seiner hypnotischen Bildsprache kombiniert mit seinem feinen und suggestiven Score aus. Wie magnetisiert haftet man an der Handlung, nicht fähig, obschon die Gewaltmomente am Nervenkostüm zerren, auszusteigen. Wie der junge Polizist, der ungewollt auf diesem Trip landet und alles um sich herum fortan wie in einem surrealen Traum erlebt, folgt man als Zuschauer, unfähig eine Distanz zum Horror aufzubauen.

Fazit: Kein Film für zarte Gemüter und auch keiner für jene, die sich gegen das Grauen, dass Abseits der westlichen Staaten existiert, immunisieren. Ein Film aber für all jene, die bereit sind dem Dämon ins Gesicht zu schauen und verstehen wollen, warum manche Menschen, nicht anders können, als ihre Seele zu verkaufen.





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