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Kritik: Die Meute (2010)


Bei der folgenden Rezension handelt es sich um die Besprechung der zensierten Filmfassung. Über das ungeschnittene Original lässt sich an dieser Stelle [leider] keine Aussage treffen.

" Mit dem Film Die Meute findet sich neben "Tucker und Dale vs Evil" und "Monsters" ein weiterer Film, der 2010 auf dem Fantasy Film Fest lief, diesmal der Eröffnungsfilm. Zu dem Zeitpunkt noch ungeprüft durch etwaige Medienbehörden, erzählt er in der um ca. zwei Minuten kürzeren Fassung von der jungen Charlotte, die aus Angst vor einer Rocker-Gang einen unbekannten Anhalter vom Straßenrand aufgabelt. Als die Beiden in der heruntergekommenen Gaststätte „La Spak“ eine Pause einlegen, zieht sich Tramper Max nach einer Prügelei auf die Toilette zurück, von der er nicht mehr auftaucht. Charlotte wartet vergeblich auf ihren Mitfahrer und wird bei ihren Nachforschungen niedergeschlagen. Kurz darauf findet sie sich in einem Zwinger wieder, wo sie als unfreiwillige Blutspenderin garstige Kreaturen nähren soll.

Anfangs subtil, dann allzu plump und grotesk
Geschmacklose Witze, ein heruntergekommenes Gasthaus, gefühlskalte Biker. Der anfängliche Gewalt-Thriller bietet durchaus Potenzial für einen packenden Ausbau in Richtung Rache-Thriller oder sogar Film-Noir. Hier merkt man, dass sich alle Beteiligten redliche Mühe gegeben haben dem Film das schmerzliche Flair eines heruntergekommenen Landstriches zu verpassen, fernab von beinahe jeglichen gesetzteshüterischen Einflüssen. Dieser Eindruck bleibt zwar bestehen, jedoch verliert der Film durch abartige Szenen, Zombie-Einflüsse und unverständliche Handlungen auf Dauer zu sehr an Glaubwürdigkeit. Wird der Spannungsbogen zu Beginn eine ganze Zeit lang aufrechterhalten, bricht er spätestens mit dem ersten Auftauchen der Kreaturen in sich zusammen. Von diesem Zeitpunkt verkommt er zu einem 08/15 Machwerk ohne Sinn und Verstand. Hoffnungslos scheint der Versuch, dem Zuschauer, der angewidert allen Beteiligten ausschließlich der jungen Frau den Tod wünscht, die Taten der Protagonisten in irgendeiner Weise glaubhaft zu vermitteln. Ganz zum Nachteil des Films entscheidet sich Regisseur Richard gegen Ende hin, zusätzlich auch die junge Frau den Sympathien des Zuschauers zu entreißen. Man hätte dem Anhalter schon zu Beginn ein Schild mit „Stockholm“ umhängen können, wird das Syndrom hier durchgehend offensichtlich dem Zuschauer vorgehalten. Dies lässt das absolut unrealistische und seltsame Ende weitaus weniger Überraschend um die Ecke poltern, welches einen allzu bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Wäre man der anfänglich klaren Linie treu geblieben anstatt mit halbblutigen Szenen die Kinobesucher zu vertreiben und den Splatterfreund zu langweilen, hätte sich stattdessen mehr auf den Ausbau des Psychogramms der kranken Wirtin, ihres Sohnes und die Verzweiflung der wie ein Tier gehaltenen Protagonistin konzentriert, so hätte man eindeutig mehr aus der deprimierenden Grundhandlung herausholen können.

Zombiefilm mit Trash-Potenzial?
Obwohl der Film allein der Protagonisten wegen schon den Titel "Monsters" mehr verdient hätte als der seelenreinigende Roadtrip, hält sich die Szenerie erstaunlich blutleer. Zwar gibt es wie bereits angesprochen durchaus einige Szenen, die dem „normalen“ Kinobesucher Ekel bereiten dürften, diese fallen aber lange nicht so hart aus wie es das blutige Cover mit seinen reißerischen Untertiteln suggeriert ["Gefangen, Gemästet, Geschlachtet"]. Es handelt es sich also nicht um einen Torture- oder Splatterfilm, sondern um ein perfides und langweiliges 08/15-Spiel mit Zombies und dem Tod, das zunehmend an Qualität verliert und zum Schluss gerade noch als Trash durchgehen mag. Besonders auffällig sind die gegen Ende hin harten Schnitte, welche die Freude am finalen Schusswechsel zerstören. Es lässt sich vermuten, dass hier ein Teil der Kameraeinstellungen deutschen Medienbehörden zum Opfer gefallen ist.

Fazit: Was ist die Meute? Weder die Herkunft der Kreaturen, noch der Film selbst lassen sich nach knapp 80 Minuten verständlich erklären. Fest steht, die psychisch angeknackste, größtenteils unzufriedenstellende Handlung kann nur mit der atmosphärischen ersten Hälfte und halbwegs guten Schauspielern einigermaßen punkten, jedoch nicht auf Dauer begeistern. Regisseur Franck Richard hat somit einen konfus geratenen und zuweilen unsinnigen Horror-Thriller geschaffen, der an mangelndem erzählerischem Können scheitert und stetig an Spannung verliert.





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