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Kritik: Godzilla (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der britische Regisseur Gareth Edwards bewies schon 2010 mit seinem Indie-Debütfilm "Monsters", das er ein Händchen für packende Monstergeschichten mit Emotion und Tiefgang hat. Offenbarte er mit diesem Film auch sein Gespür für zwischenmenschliche Töne und das soziale Miteinander im Angesicht einer gewaltigen Katastrophe, stehen in "Godzilla" ganz klar die Computereffekte und der Action-Bombast im Zentrum. Dieser Film ist nach Emmerichs durchwachsenem Film von 1998 Hollywoods zweiter Versuch, sich dem legendären japanischen Monster filmisch anzunähern. Das Reboot kommt als äußerst realistische Adaption des japanischen Originals aus dem Jahre 1954 daher und vereint den Charme der ersten Godzilla-Filme mit herausragendem CGI. Da die Figuren aber weitestgehend blass bleiben, werden Aspekte wie Mitgefühl oder Sympathien für die Protagonisten deutlich in den Hintergrund gedrängt.

Stand das japanische Original aus den mittleren 50ern, dem der Regisseur hier deutlich Tribut zollt, noch ganz im Zeichen der verheerenden Auswirkungen der Atombomben-Katastrophen von 1945, wird im Reboot eher die friedliche Nutzung der Atomkraft kritisch unter die Lupe genommen. Aber wie schon im Original vor 60 Jahren sehen sich die Menschen auch hier einer gewaltigen Bedrohung ausgesetzt, die einer Naturgewalt gleich kommt: dem gigantischen Monster Muto, das als Metapher für die Rache der Natur an ihrer Zerstörung durch die Atomenergie verstanden werden soll. Es mutet freilich sehr bizarr und regelrecht größenwahnsinnig an, dass ein anderes, zerstörerisches Riesen-Monster - Godzilla nämlich - von den Menschen als Lösung des Problems herangezogen und bemüht wird und alle Hoffnung auf Überleben vereint.

Aber wie schon bei den Transformers-Filmen, wenn die Menschheit mitten hinein in den Kampf der Decepticons gegen die Autobots gerät, ist auch hier die Zerstörung umso gewaltiger und nachhaltiger, wenn zwei brachiale Ungetüme aufeinandertreffen. Dementsprechend bombastisch ist dann auch die technische Umsetzung des Films gelungen. Die Schauwerte der epischen Schlachten und monströsen Zerstörungsorgien gehören sicher zum spektakulärsten, was es in diesem Jahr an Effekte-Spektakeln auf der Leinwand zu sehen gibt. Großartig auch der von Edwards eingesetzte Schachzug, die Monster mit schnellen Schnitten und wenigen Augenblicken an Screen-Time im ersten Drittel des Films immer nur anzukündigen - um so die Spannung nachhaltig zu steigern. Ein Highlight des Films ist das finale Aufeinandertreffen der beiden Monster. Stück um Stück, Minute um Minute baut Edwards den finalen Akt auf und bereitet ihn für den Zuschauer behutsam vor. Was man dem Film einzig ankreiden kann ist jedoch ein großer Mangel, der ihn am Ende eben nicht zu einem filmischen Meisterstück werden lässt: es treten deutlich zu viele Charaktere auf, zu viele Protagonisten betreten die Bühne - aber lassen den Zuschauer allesamt weitestgehend kalt. Die Figuren sind nicht viel mehr als leicht zu ersetzendes Beiwerk, das die meiste Zeit über erschreckend blass und austauschbar bleibt. Das muss man bei einer erstklassigen Besetzung und großen Namen wie David Strarhairn, Bryan Cranston und Juliette Binoche erst einmal schaffen.

Fazit: Blasse Charaktere und langweilige, austauschbare Protagonisten stehen atemberaubenden Effekten und einem behutsamen Spannungsaufbau gegenüber. Für einen unterhaltsamen Film-Abend reicht es allemal.





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