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Der Mondmann
Der Mondmann
© Falcom Media Group

Kritik: Der Mondmann (2011)


"Der Mondmann" beruht auf dem gleichnamigen, illustrierten Kinderbuch-Klassiker des bekannten französischen Schriftstellers und Grafikers Tomi Ungerer. Zum ersten Mal erschien die Geschichte um die Abenteuer des Mondmanns auf der Erde Mitte der 60er-Jahre und findet jetzt unter der Regie von Stefan Schesch seinen Weg auf die große Leinwand. Schesch produzierte bereits den Zeichentrickfilm "Die drei Räuber" (2007), der ebenfalls auf einer Vorlage Ungerers beruhte. Mit "Der Mondmann" gelingt Schesch und seinem Team ein visuell starker Zeichentrickfilm in melancholischer und psychedelisch anmutender Optik, der jedoch unter seinen wirren Parallelhandlungen leidet und deshalb nicht vollends überzeugen kann.

"Der Mondmann" ist visuell sehr weit entfernt von perfekt animierten Hochglanz-Produktionen diverser "Pixar"- oder "Dreamworks"-Produktionen mit ihren glänzenden, hell leuchtenden Farben und spektakulären Effekten. Der Film ist im guten, alten handgezeichneten Stil gehalten und überzeugt durch seine liebevoll, fast poetisch gestalteten Welten und Figuren. Fast die gesamte Handlung spielt sich im Dunkeln ab, was für ein hohes Maß an Atmosphäre sorgt. Immer wieder entfalten sich dennoch farbenfrohe und prächtige optische Spielereinen, die äußerst psychedelisch und fast berauschend anmuten. Besonders gelungen ist das farbenfreudige Bad des Mondmanns in einem Teich voller bunter Blätter und Pflanzen. Dabei kommt der Zeichenstil des Films insgesamt recht einfach und kindlich daher. An dieser Stelle wird deutlich, dass der Film bereits für Kinder ab sechs Jahren konzipiert ist. Auf dieser, rein visuellen Ebene, punktet der Film und spielt seine Stärken aus.

Dies lässt sich von der Erzählweise und der Dramaturgie leider weniger behaupten. Das Problem des Films ist, dass er sich nicht ausschließlich und konsequent auf den Haupterzählstrang (die Reise des Mondmanns zur Erde) fokussiert, sondern noch zwei Nebenhandlungen – Vater und Tochter fahren in ihrem Cabrio durch die Nacht und ein diktatorischer Präsident sucht sich nach der Eroberung der Welt neue Herausforderungen – einbaut, die eher stören als dass sie sich für den Film im Allgemeinen und den Spannungsbogen im Besonderen als hilfreich erweisen. Zwar führt Regisseur Schesch am Ende alle Stränge zusammen, dennoch hätte man sich durch den Verzicht auf die Nebenschauplätze viel Leerlauf sparen können. Was zudem störend hinzukommt, sind die belehrenden Floskeln und Lebensweisheiten ("allein ist man schneller, aber zu zweit kommt man weiter", "Das Herz ist da, wo du mich als Freund spürst"), die einem alle paar Minuten begegnen und schnell einfach nur nerven und den Erzählfluss erheblich stören. Reine Geschmackssache ist hingegen die doch arg gewöhnungsbedürftige, zumindest alles andere als gängige Stimme des Mondmanns, die der Schauspielerin Katharina Thalbach gehört.

Fazit: Optisch dank der psychedelischen Farbgebung berauschender Zeichentrickfilm der alten Schule, der am Ende an seinen konfusen Nebenhandlungen und den nervig-belehrenden Lebensweisheiten und Floskeln scheitert.




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