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Fraktus - Hauptplakat
Fraktus - Hauptplakat
© Pandora Film

Kritik: Fraktus (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Bemerkenswerteste an den Film ist wohl, wie es den Machern gelang, das Bild einer Band entstehen zu lassen, die in Wirklichkeit nie existierte und reine Fiktion ist. Bereits nach wenigen Minuten fragt man sich, wieso man von dieser Band – die im Film als Mit-Erfinder der elektronischen Popmusik gefeiert werden – noch nie etwas gehört hat, bis einem nach und nach dämmert, dass es sich bei Fraktus ja um eine reine Erfindung handelt. Wie die angeblichen Errungenschaften und musikalischen Großtaten der Band hier mit der tatsächlichen Musikgeschichte verwoben wurden, ist stimmig, authentisch und schlichtweg beeindruckend: Vom Auftritt in der legendären Musiksendung "Formel Eins" über die Gestaltung der Konzert-Flyer und Plattencover bis hin zu den verwackelten Filmaufnahmen vom letzten Konzert der Band in originalgetreuer Achtziger-Jahre-Optik: Es entsteht nach und nach der Eindruck, dass es diese Formation tatsächlich gegeben hat.

Hinzu kommen die unzähligen Statements und Kommentare von "echten" Größen des Musik-Business, die den Mythos untermauern und (eigentlich) keinen Zweifel an der Glaubwürdigkeit aufkommen lassen: Jan Delay, Stephan Remmler von Trio, Marusha, Westbam oder Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten – sie bestätigen in Interviews die immense Bedeutung und den gewaltigen Einfluss von Fraktus für ihre eigene Arbeit und die Entwicklung der Techno-Szene. Und über allem schwebt der typische, unnachahmlich trockene Witz des Studio Braun. Voll schwarzem Humor und geschliffenem Wortwitz entwerfen die drei Mitglieder der Komiker-Truppe die Geschichte dieser Band. Heinz Strunk, Rocko Schamoni und Jacques Palminger passen dabei zu ihren Rollen wie die Faust aufs Auge. Rocko Schamoni glänzt als tollpatschiger, leicht zurückgebliebener Sänger Dirk Eberhard "Dickie" Schubert, der mittlerweile ein heruntergekommenes Internet-Café führt. Jacques Palminger liefert als verschlossener, hochemotionaler Soundtüftler und Keyboarder Bernd Wand eine ebenso hinreißende Performance und komische Vorstellung wie Heinz Strunk als Arschgeweih-tragender Tattoo-Proll Torsten Bage, der in den vergangene Jahren ein Vermögen als erfolgreicher Ballermann-Techno-Produzent auf Ibiza verdiente. Die Harmonie zwischen den drei Mitgliedern stimmt eigentlich zu keiner Zeit ihres Aufeinandertreffens, was dem geplanten Comeback-Auftritt, der unaufhaltsam immer näher rückt, zusätzlich Zündstoff verleiht.

Fazit: Der typisch trockene Humor und geschliffene Wortwitz von Heinz Strunk, Rocko Schamoni und Jacques Palminger (Studio Braun) vereinen sich mit einer beeindruckend glaubwürdigen Optik und Detailfülle zu einer der stärksten deutschen Komödien der letzten Zeit.





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