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Kritik: Die Wand (2010)


Getragen von einer großartigen Martina Gedeck findet Regisseur Julian Roman Pölsler in der Verfilmung von Marlen Haushofers Roman "Die Wand" eindrucksvolle Bilder für das Eingeschlossensein in der Natur. Dabei gelingen ihm mitunter eindringliche Szenen, die sehr deutlich machen, wie sich die Frau immer mehr in ihr neues Leben in der Natur einfügt. Leider aber vertraut Julian Roman Pölsler seinen Bildern nicht vollends, sondern lässt die Frau aus dem Off erzählen. Dadurch erinnert der Film über weite Strecken an einen "Hörfilm". Sicherlich ist diese Entscheidung zum Teil auf die Vorlage zurückzuführen. Marlen Haushofers Roman ist als Bericht der Frau abgefasst und galt aufgrund dieser inneren Perspektive als unverfilmbar. Doch gerade angesichts der vielen Naturaufnahmen ist es schade, dass sich Julian Roman Rösler mit der Erzählstimme aus dem Off einem der unfilmischsten Mittel bedient. Dadurch nimmt er dem Zuschauer den Raum für freie Interpretationen und Assoziationen, der dem Roman schon durch das Fehlen der Bilder gegeben ist.

Auf den ersten Blick befremdlich, bei genauerem Hinsehen aber gut gelungen ist ihm hingegen jene Wand, die die Frau in den Bergen festhält. Sie ist unsichtbar und für die Frau nicht zu überwinden. Seit Erscheinen des Romans wird die Wand unterschiedlich gedeutet: Sie wurde als Metapher für fehlende Selbstverwirklichungsmöglichkeiten der Frau gesehen, die innerhalb der Gesellschaft eingeschlossen ist, als Kritik an einer Zivilisation, die den Bezug zur Natur verloren hat, sie könnte aber auch für eine Depression stehen, die die Frau erleidet. Im Film wird klugerweise eine klare Deutung vermieden, so dass sich jeder Zuschauer seine eigenen Gedanken dazu machen kann.

Fazit: Mit mehr Vertrauen auf die Kraft des Visuellen hätte "Die Wand" ein großartiger Film werden können. Aber so erinnert er allzu oft an ein Hörspiel, in dem die tolle Martina Gedeck den hervorragenden Roman von Marlen Haushofer liest.





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