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Kritik: Leg ihn um - Ein Familienfest (2010)


"Leg ihn um" ist – nach "Swinger Club" (2006) und "Die Glücklichen" (2007) - der dritte Spielfilm des Filmemachers Jan Georg Schütte, dem hier eine solide, gut unterhaltende und bitterböse Farce über den letzen (äußerst infamen) Willen eines alten Patriarchen gelungen ist. "Leg ihn um" war nach nur einer Woche Drehzeit im Kasten und am Ende kamen fast 90 Stunden an Filmmaterial zusammen. Das allermeiste fiel freilich der Schere zum Opfer, eine hohe Anzahl an gelungenen und durchaus komischen Momenten und Szenen versammeln sich am Ende dennoch in den 100 Minuten Laufzeit. Auch wenn der Film nicht gänzlich ohne Story-Schwächen und die ein oder andere Vorhersehbarkeit auskommt.

Die Prämisse des Films – ein verbitterter, schwerkranker Geschäftsmann lässt seinen Nachwuchs durch den Mord an ihm um das Familien-Erbe kämpfen – ist eine ebenso spannende wie abgedrehte Idee und bietet allerlei filmisches Potential und Möglichkeiten. Diese nutzt Regisseur Schütte auch zu weiten Teilen aus: Bereits kurz nachdem bekannt wurde, was sich der alte Mann ausgedacht hat, beginnen die Kinder, ihre höchst kreativen Mordpläne zu schmieden. Da ist z. B. der schwule Sohn Karl, der sich mit seinem Lebensgefährten eine ziemlich umständliche und komplizierte Falle im Wald ausdenkt, um dort seinen Vater zur Strecke zur bringen. Oder die psychisch labile Tochter Sylvia, die sich dazu entschließt, ihren Vater mit gekochtem Gift umzubringen. All diese Vorhaben und letztlich das (oft zum Fremdschämen einladende, peinliche) Scheitern sorgen beim Zuschauer für gute Unterhaltung und einige echte Lacher. Gelungen ist auch die Darstellung des herrlich grimmigen, verbitterten August Manzl, der seine Kinder einfach nur aus purer Lust am väterlichen Sadismus in dieses Spiel hineinzieht und damit seine Boshaftigkeit am Ende des Lebens nochmals nachhaltig unter Beweis stellt. Hans-Michael Rehberg macht seine Sache als Familien-Oberhaupt überzeugend.

Die durchaus ansehnliche, heitere Abfolge dieser Mord-Pläne sorgt dann aber auch oft dafür, dass der Film nicht so recht vorankommt und auf der Stelle tritt. Diese ledigliche Aneinanderreihung der Mord-Versuche hat zu Folge, dass der kontinuierliche Spannungsaufbau des Films darunter leidet und sich eine gewisse Vorhersehbarkeit der Ereignisse einstellt. Auch ist es ärgerlich, dass der Film immer wieder eine Reihe an Klischees bedient, so z.B. in Form des schnöseligen Sohns Hugo, der – koksend und mit Sonnenbrille ausgestattet – als der typische, altbekannte Versager-Sohn daherkommt. Dem gut eingespielten Cast gelingt es jedoch, diese Schwächen größtenteils aufzuheben und "Leg ihn um" alles in allem zu einer soliden, schwarzen Dramödie zu machen.

Fazit: "Leg ihn um" ist eine bitterböse, schwarze Farce über den letzten Wunsch eines sterbenskranken Familien-Oberhauptes. Trotz einiger Klischees und Vorhersehbarkeiten in der Story überzeugt der Film durch seinen starken Hauptdarstellern und die vielen komischen Momente.





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