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The Loneliest Planet - Plakat
The Loneliest Planet - Plakat
© Flying Moon

Kritik: The Loneliest Planet (2011)


Arthouse-Kino ist kompliziert, sagt man.
Ist es auch meist - für den Zuschauer jedenfalls. Der pfiffige Filmemacher dagegen hat es einfach: Verschleppt er das Tempo durch das Setzen weniger Schnitte zwischen endlos langen Aufnahmen, so gilt die Kameraarbeit als feinfühlig und herausragend.
Lässt er seine Figuren endlos schweigen oder bildet in einer Art Dauerschleife stundenlang nichtssagende Gesichtsausdrücke ab, so sind die Charaktere tiefgründig und voller Seele.
Sobald der anspruchsvolle Kinogänger keine konventionellen Emotionen serviert bekommt, sondern vordergründige Aussagelosigkeit, schließt er daraus, dass sich die Intention, die Aussage und das Gefühl des Regisseurs unter der Oberfläche abspielen. Quintessenz: Hier entsteht Kunst. Wichtig dabei: Hauptsache weit weg vom Mainstreamkino, weit weg von Verallgemeinerungen. Nackte Haut, viel Sex und wenig Dialoge. Das ist besonders, das ist Kunst!

So abgedroschen, provokant und dennoch mit einem Hauch Wahrheit versehen, könnte man diese Aussagen auch auf Julia Loktevs Film „The Loneliest Planet“ übertragen. Die Odyssee zweier Trekker auf einer Tour durch Georgien erfüllt jegliches Klischee an einen Arthouse-Film. Überschwängliche Symbolik, ganz und gar abstrakte Emotionen, ewig lange Kameraaufnahmen, verstörende Musik, unheimlich intime Momente zweier Liebende - und viele Fragezeichen auf der Stirn des Zuschauers.
Der Unterschied zwischen gutem und schlechtem Kunstkino liegt darin, in wie weit sich die Fragezeichen im Zuschauer irgendwann lösen. Die entscheidende Frage ist: Kann eine Erkenntnis aus dem drögen Geschehen gezogen werden?
Aus „The Loneliest Planet“ ist schwerlich etwas herauszuquetschen, so vage sind die Ansätze einer Geschichte, die lediglich drei Menschen bei einer Trekking-Tour abbildet.

Dato, der Reiseführer des verliebten Pärchens, sitzt am Lagerfeuer, spricht über sein Leben. Langsam taut der unheimliche Mann auf, ein Unterhalter, der bisher lediglich Zaubertricks vorgeführt hat, um sein Publikum zu unterhalten. Seine Brocken Englisch sind kaum zu verstehen, doch ein Fazit setzt er unter seine Geschichte, die anschließend mit Alkohol gefeiert wird. „Life is good - good life is better.“
Ähnliches gilt für Filme. Filme sind gut - gute Filme sind besser. Eine einfache Weisheit, auch auf auf Julia Loktevs Film anwendbar, der, wie Reiseführer Dato, seinen Zuschauern nur unverständliche Brocken serviert, aus denen sie sich etwas basteln dürfen. Vielleicht ist „The Loneliest Planet“ ja ein Liebesfilm? Es geht um steigendes Misstrauen, um die Erkenntnis den Partner doch nicht genau zu kennen und um die Angst, die daraus resultiert. Loktev setzt dabei auf Bildsprache, auf das lange Schweigen der Figuren, nicht auf deren Dialoge. Diese sind spärlich gesät.

Impressionistisch verkommt die bebilderte Odyssee inmitten georgischer Landschaft. Fragmentarisch wirken die Szenen, so lose wie sie miteinander verbunden sind, die irgendwo einen roten Faden aufweisen und irgendwo eben nicht. Sprunghaft ist das Gebilde aus rudimentären Szenen, die sich mit Hilfe einer kantigen Inszenierung bedeutungsschwanger auf den Zuschauer ergießen.
Da wird in einer Art Endlosschleife der Mikrokosmos Liebe in den Kontrast zum Makrokosmos Natur gestellt. Immer und immer wieder sieht der Zuschauer die drei Figuren aus der Entfernung, wie sie das endlose Land durchstreifen. Man kann sich gar eine Pause können, der Film verläuft auf über 113 Minuten auf einer eindimensionalen Aussagelosigkeit, die kaum auszuhalten ist.
Natürlich: Wer darin einen tieferen Sinn sehen will, wer die schleichenden Veränderungen innerhalb des Liebespärchen wahrnehmen kann, darf sich einbilden, den Film verstanden zu haben. Doch trotz dieser möglichen Erkenntnis hinterlässt der Film nichts als Leere.

Fazit: In „The Loniest Planet“ bleibe die abstrakten Emotionen unter Verschluss, verstricken sich im Vagen - und wenn es mal zur Sache geht, passiert in Wirklichkeit auch nichts. Das ist nicht schön, das ist auch nicht erkenntnisreich, das ist schon gar nicht unterhaltsam und mit Sicherheit auch nicht künstlerisch anspruchsvoll. Das ist lediglich die Zurschaustellung selbstüberzeugten Dilettantismus. Und dieser dreht sich immer und immer wieder um die eigene Achse.





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