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Das Lied in mir (2010)

Argentinisch-Deutsches Drama: Als Maria mit 31 Jahren während einer Südamerikareise durch reinen Zufall erfährt, dass sie in Argentinien geboren und als Kleinkind adoptiert wurde, wirft sie die Nachricht komplett aus der Bahn. Enttäuscht von ihren Adoptiveltern bleibt sie in Argenintinien und macht sich auf die Suche nach ihrer Ursprungsfamilie - und der eigenen Identität...User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.8 / 5

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Während eines Zwischenstopps auf ihrer Reise nach Chile erkennt die 31-jährige Schwimmerin Maria in Buenos Aires ein ihr fremdes Kinderlied wieder. Maria spricht kein Wort Spanisch, doch ohne zu verstehen, erinnert sie sich an den spanischen Text und die Melodie des Lieds. Verstört und aus der Bahn geworfen, unterbricht sie ihre Reise und bleibt in der fremden Stadt.
Während sie sich auf die Suche nach einer Erklärung macht, taucht plötzlich ihr Vater Anton (Michael Gwisdek) in Argentinien auf. Er beichtet seiner Tochter die Wahrheit um ihre tatsächliche Herkunft. Maria hat Ende der Siebziger Jahre die ersten drei Jahre ihres Lebens in Buenos Aires gelebt. Als ihre leiblichen Eltern 1980 als Opfer der argentinischen Militärdiktatur verschwanden, wurde Maria von Anton und seiner Frau adoptiert und nach Deutschland gebracht. Nach der Beichte droht das vertraute Verhältnis zwischen Vater und Tochter an der jahrelangen Lüge zu zerbrechen, ein gemeinsamer Weg scheint unmöglich. Während Anton möglichst bald zurück nach Deutschland will, um die Vergangenheit ruhen zu lassen, will Maria in Buenos Aires bleiben, um sich auf die Suche nach ihrer argentinischen Familie zu machen. Dabei kämpft der enttrohnte Vater bis zuletzt um die Liebe seines Kindes, die entwurzelte Tochter bis zuletzt um die Wahrheit ihrer eigentlichen Identität.

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Filmkritik

Unsere Identität wird durch unsere Herkunft und unsere Erinnerungen geprägt. Doch was passiert, wenn wir auf einmal bemerken, dass ein Teil unserer Vergangenheit in uns verschüttet liegt? Von dieser Erfahrung erzählt Frank Cossen in seinem Spielfilmdebüt "Das Lied in mir". Im Mittelpunkt steht Maria (Jessica Schwarz), die auf dem Weg zu einem Schwimmwettkampf in Chile ist, als sie in Buenos Aires zwischenlanden muss. Im Warteraum hört sie ein spanisches Kinderlied – und stellt irritiert fest, dass sie den Text kennt. Aber sie hat nie Spanisch gelernt. Dieses Lied löst etwas in ihr aus. Sie bricht zusammen – und beschließt, einige Tage in Buenos Aires zu bleiben. Als ihr Vater Anton (Michael Gwisdek) davon erfährt, reist er sofort zu ihr nach Argentinien. Er will sie dazu bringen, dass sie so schnell wie möglich weiter reist. Maria spürt, dass ihr Vater ihr etwas verschweigt. Und schließlich rückt er damit heraus, dass Maria adoptiert wurde. Ihre leiblichen Eltern wurden 1980 von der argentinischen Militärdiktatur entführt und sind niemals zurückgekommen. Doch diese Antwort genügt Maria nicht, sie will mehr wissen und ihre leibliche Familie finden. Es ist fast, als würde sie ahnen, dass Anton ihr nicht die ganze Wahrheit gesagt hat.

Mit Antons zögerlicher Hilfe kann Maria tatsächlich Verwandte ihrer Mutter aufspüren, aber die Verständigung ist schwierig. Sie spricht kein Spanisch, ihre Verwandten nur wenig Englisch. Ihr Vater will nicht mit zu der Familie kommen, also bittet sie den Polizisten Alejandro (Alejandro Rafael Ferro) um Hilfe. Er rät ihr, nicht weiter nachzuforschen. Denn im Gegensatz zu ihr will er die Vergangenheit ruhen lassen. Daher hat er seinen Vater nie gefragt, was er während der Militärdiktatur getan hat. Er hat Angst, dass er von ihm etwas erfährt, was es ihm unmöglich macht, seinen Vater weiterhin zu lieben. Maria ist hingegen überzeugt, dass sie die ganze Wahrheit kennen muss. Während Alejandro nun mit der Ungewissheit leben muss, erscheint Maria am Ende des Films nicht glücklicher, sondern einsamer als jemals zuvor. Denn mit der Wahrheit hat für sie ein langer Weg angefangen, der sie eines Tages zu sich selbst führen wird. Und so ist es letztendlich dem Zuschauer überlassen, über diese verschiedenen Konzepte des Umgangs mit der Erinnerung und der Vergangenheit nachzudenken.

Im Mittelpunkt von "Das Lied in mir" steht die Identitätssuche von Maria, bei der die illegalen Adoptionen während der argentinischen Militärdiktatur eine wesentliche Rolle spielen. Aber Frank Coosen verzichtet darauf, den historischen Hintergrund auszuarbeiten, sondern konzentriert sich auf den universellen Vater-Tochter-Konflikt. Diese Perspektivierung ist angenehm, zumal Jessica Schwarz äußerst überzeugend spielt. Sie ist eine junge, athletische Frau, anscheinend Profischwimmern. Oft wird sie beim Schwimmen oder Laufen Buenos Aires gezeigt, diese Bewegungen machen den Rhythmus des Films aus – während die Kamera in den besonders intensiven Szenen den Protagonisten eher unauffällig folgt. Außerdem markiert ihre sportliche körperliche Erscheinung einen Gegensatz zu ihrer argentinischen Familie, ihr Onkel ist korpulent, das Gesicht ihrer Tante ist von Sorge, Kummer und Müdigkeit gezeichnet. Die insgesamt überzeugende visuelle Inszenierung wird von den flirrenden Bildern der argentinischen Metropole Buenos Aires untermauert, die zur zweiten Hauptdarstellerin des Filmes wird. Dabei zeigen die Bilder den Charme diese Metropole – und zugleich das bedrohliche Brodeln unter der Oberfläche.
Dank dieser überzeugenden Bildsprache und den hervorragenden Schauspielern ist "Das Lied in mir" ein starkes Filmdebüt – und Frank Coosen ein Name, den man sich merken sollte!

Fazit: "Das Lied in mir" ist ein ruhiger Film, der vor allem mit seinen Schauspielern und seiner Bildgestaltung überzeugt.




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Land: Argentinien, Deutschland
Jahr: 2010
Genre: Drama
Länge: 95 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 10.02.2011
Regie: Florian Cossen
Darsteller: Rafael Ferro, Michael Gwisdek, Jessica Schwarz
Verleih: Schwarz-Weiss Filmverleih

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