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Step Up 4 - Miami Heat - Hauptplakat
Step Up 4 - Miami Heat - Hauptplakat
© Constantin Film

Kritik: Step Up 4 - Miami Heat 3D (2012)


Er wirkt irgendwie deplatziert, wie ein Fremdkörper, dieser graue, alte Mann in dem schicken Anzug, der wahrscheinlich mehr gekostet hat, als das Jahresgehalt eines der vielen Menschen die um ihn herum tanzen. Doch er hampelt ausgelassen, freut sich mit den jungen Männern und Frauen und lässt sich komplett gehen.
Was nicht nur rein optisch sehr merkwürdig wirkt, ist auch sonst nahe an einem klassischen Face Palm. Denn am Ende hat die Tanzrevolution in märchenhafter Miami-Kulisse den kapitalistischen Großanleger nicht nur besiegt, sondern ihn sogar mit rhythmischer Musik und ausgearbeiteten Tanzchoreographien infiziert und den Klassenkampf überwunden.

Tja, so wunderschön kann die Welt im Kino aussehen, wenn man sich im bereits vierten Auftritt von "Step Up" befindet, der diesen August noch schnell in die Kinos geschoben wird, nachdem schon "Streetdance 2" als direkter Konkurrent ins Rennen geschickt wurde. Das Regiedebüt von Scott Speer, der bis dahin nur einzelne Musik-Videos inszenierte, gewinnt in der Tat den Vergleich mit dem europäischen Sommerfilm "Streetdance 2" – auch wenn man daraus nicht schließen muss, dass der belanglose Teenie-Tanz-Film neue Maßstäbe setzen würde. Doch mit dem Plot kann der Zuschauer mehr anfangen, die Tänze gestalten sich abwechslungsreicher und insgesamt ornet sich "Step Up Revolution" eindeutig dem Zeitgeist unter. Die Youtube-Generation trifft auf die Occupy-Bewegung – und das tanzend.

"Was die können, schaffen wir schon lange", werden sich die Produzenten rund um den neusten Tanzfilmableger "Step Up" gedacht haben. Denn nachdem schon der erste "Streetdance"-Film in der dritten Dimension in die Kinos kam und auch der zweite Teil im obligatorischer 3D-Look folgte und durch eine gute Arbeit seitens der Techniker und Choreographen überzeugen konnte, zeigt sich nun auch "Step Up" wieder im Avatar-Look, was bei der Betrachtung des Quintessenz – Tänze – deutlich auf der Hand liegt. Doch "Miami Heat" erweist sich, bezogen auf die neue Trendtechnik, als Griff ins Klo, weil einerseits die Choreographien auch ohne die nervigen Effekte funktionieren würden, andererseits die wenigen Momente, in der die 3D-Brille von Nutzen sind, so lieblos umgesetzt wurden, dass der berühmte Kopfschmerzalarm schon anklopft, bevor die Augen die 3D-Vergewaltigungsorgie verarbeitet haben. Zwar gelingt es "Step Up 4" sich von der Konkurrenz abzuheben - nicht aber auf Grund der eingesetzten 3D-Technik. Man kann sich also die dritte Dimension getrost schenken – und die spektakulären Tanzchoreographien im schlichten aber ebenso effektiven 2D-Kinoflair genießen.

Statt auf Tanzbattles zu setzen, fokussieren die Drehbuchautoren hinter "Step Up" diesmal die jugendliche Tanzgruppe "The Mob", die mit Youtube-Videos einen Sponsorenvertrag ergattern will. Diese Handlungsidee entspringt dem modernen digitalen Leben und wirkt damit gleich viel spritziger, als der ausgekaute Verlauf von "Streetdance 2". Ob das fetzige Intro,der Flashmob im Herzen der Kapitalismuszentrale oder das Stürmen einer Kunstgalerie: Die Tänze ordnen sich verschiedenen Themen unter, haben unterschiedliche musikalische Untermalungen und überschlagen sich in ihren Effekten und Choreographien, die nie dem vorherigen Auftritt gleichen und dadurch immer eigene, jeweils beeindruckende Akzente setzen können. So überzeugt "Step Up" da, wo er gefordert wird und kann somit der Zielgruppe wärmstens empfohlen werden.

Ebenso kann der Zuschauer an der Geschichte von "Step Up", die selbstverständlich nicht um die vorprogrammierten Auf- und Abs, Intrigen, Streitigkeiten und Abstürze ins Bodenlose auskommen, Gefallen finden. Alleine durch den (oberflächlich) kritischen Ansatz weht hier ein anderer Wind, auch wenn die obligatorische Lovestory als Highlight für das meist weibliche Zielpublikum natürlich nicht fehlt. Für das restliche Publikum gestalten sich die Bezüge zur Occupy-Bewegung interessant, wenn sich die Gruppe von einfachen Künstlern zum Sprachrohr vieler Bürger entwickelt. Hier sollte man zwar nicht zu viel hinein interpretieren, aber es ist doch ein Schritt nach vorne, wenn die gute alte Story vom amerikanischen Traum nicht mehr im stupiden und schleimigen Kostüm verkauft wird. Natürlich: Botschaften, wie Du musst die Regeln brechen und etwas riskieren, um deinen Traum zu verwirklichen fehlen in "Step Up 4" an keiner Ecke und durchtränken die harmlosen Dialögchen des Films durchgängig. Aber im Endeffekt ist der Film eben doch ein Stück weit besser als sein Konkurrent "Streetdance 2". Scott Speers Regiedebüt spielt die alte Nummer zwar nicht neu ab, fügt aber einige kleine Kanten hinzu, die erst wenn der liebe Anzugsträger in den Schlussminuten begeistert von der Tanzchoreo seine Pläne aufgibt, einem glücklichen und schnulzigen Happy-End weichen müssen.

Fazit: Bessere Tänze, bessere Choreographien und eine deutlich interessantere Handlung. "Step Up: Miami Heat" sticht den Konkurrenten "Streetdance" eindeutig aus, auch wenn auf die 3D-Version getrost verzichtet werden kann. Trotz - oder gerade wegen - einer Überdosis Herzschmerz kann man den neuen Tanzfilm zumindest der Zielgruppe wärmstens empfehlen.





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