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Lena Love
Lena Love
© Alpenrepublik GmbH Filmverleih

Kritik: Lena Love (2011)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Regisseur und Drehbuchautor Florian Gaag ("Wholetrain") erzählt ein düster pulsierendes Jugenddrama über Liebe, Eifersucht, Intrigen und Cybermobbing. Die labile Lena wird das Opfer der Intrigen zweier Schulkameradinnen. Die Eltern sind selbst in Affären und Heimlichtuerei verstrickt und den Jugendlichen kein gutes Vorbild. Lenas Reise durch die Dunkelheit wird visuell als fordernder und schnittintensiver Wechsel zwischen Betongrau, Graffiti, bürgerlicher Vorstadt-Ordnung und Social-Media-Chats inszeniert. Dabei nimmt die Handlung immer mehr die Form eines Thrillers an, in dem Lena auch von furchterregenden Halluzinationen heimgesucht wird.

Die Jugendlichen und ihre Eltern haben in diesem Film ziemlich viel gemeinsam: Im Tanzverein, der sich auf einen Wettbewerb vorbereitet, sind die Generationen nicht so strikt voneinander getrennt. Außerdem dreht sich auch das Erleben der Erwachsenen so sehr um Liebe, Eifersucht und verletzte Gefühle, als wären sie noch in der Pubertät. Das Hauptthema aber sind die Gefahren des Internets für die Schüler: Das Spiel mit Web-Identitäten, das Chatten und das Posten von Videos können auch als schlagkräftige Waffen zur Bloßstellung anderer eingesetzt werden. In dem Alter sind Streiche, Rivalitäten und auch Mobbing häufig, aber im endlosen Raum des Internets bekommen sie eine ganz andere Wucht. Wie so oft in Filmen mit dieser Thematik läuft die Sache schnell aus dem Ruder.

Lena scheint sogar den Verstand zu verlieren, aber diese Episode ist vor allem der stilistischen Absicht geschuldet, expressiv und mit dickem Pinselstrich zu erzählen. Die gefühlsbetonte Inszenierung bedeutet jedoch nicht, dass sich die Charaktere über ihre oft plakative Funktion hinaus weiter entfalten dürfen. Dennoch sind Lena und Tim sympathisch gezeichnet – was auch am Spiel von Emilia Schüle und Jannik Schümann liegt.

Der unruhige Wechsel zwischen den Protagonisten und Erzählsträngen, Sprünge auf der Zeitachse, die treibende Musik und die düstere Atmosphäre fügen sich zu einem intensiven Erlebnis. Wie die junge Hauptperson irrt auch der Zuschauer gelegentlich etwas orientierungslos durch die Handlung: Nicht immer gelingt es sofort, die im Bild gezeigten Personen den richtigen Beziehungskrisen zuzuordnen. Mit ihrem Hauptthema aus der Welt der Schüler und ihrem eigenwilligen Stil trifft die Geschichte vermutlich die Interessen Jugendlicher. Aber sie konzentriert sich ja leider auch stark auf das Liebeskarussell der Erwachsenen – etwa die unrühmliche Rolle von Nicoles Mutter - , und ist daher nicht optimal auf die junge Zielgruppe zugeschnitten.

Fazit: Das düstere Cybermobbing-Drama über eine Jugendliche zwischen erster Liebe und Konflikten mit der besten Freundin appelliert an einen sensiblen Umgang mit dem Internet. Der expressive Inszenierungsstil wirkt zwar jung und dynamisch, aber die Charaktere geraten eher plakativ. Das trifft erst recht auf die Erwachsenen zu, die ihren Liebesnöten hilflos ausgeliefert scheinen und die Geschichte überfrachten.





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