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Black Brown White
Black Brown White
© Allegrofilm

Kritik: Black Brown White (2011)


Der Fernfahrer Peter, den alle nur Don Pedro (Fritz Karl) nennen, betreibt mit seinem querschnittsgelähmten Geschäftspartner Jimmy (Karl Markovics) ein erfolgreiches Geschäftsmodell: Don Pedro fährt ukrainischen Knoblauch nach Marokko, der dort veredelt und als „Made in Spain“ etikettiert wird, und er nimmt dort für 10.000 Dollar pro Person afrikanische Flüchtlinge auf, die sich hinter dem Gemüse in einer kleinen Kabine verstecken und nach Europa geschmuggelt werden. Das Geschäft läuft gut. Aber eines Tages weigert sich die Ghanaerin Jackie (Clare-Hope Ashitey), mit ihrem Sohn Theo (Theo Chaleb Chapman) in den Hohlraum des LKWs zu kriechen. Stattdessen nimmt sie in der Fahrerkabine Platz. Obwohl er weiß, wie riskant es ist, sie mitzunehmen, lässt Don Pedro sie gewähren. Und damit beginnt für ihn eine Odyssee von Afrika nach Europa, in deren Verlauf ein Arzt (Wotan Wolke Möhring), der spanischer Kommissar Guiterrez (Francesc Garrido) sowie Don Pedros ukrainischer Trucker-Kollege (Jurij Diez) für allerhand Schwierigkeiten sorgen.

Mit seinem Spielfilmdebüt "Black Brown White" gelingt dem Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer ein gesellschaftskritisches Roadmovie, das gleich eine Vielzahl von Problemen thematisiert, darunter Menschenhandel, Profitgier, Ausbeutung illegaler Einwanderer und Immobilienspekulationen. Dabei überzeugt der Film insbesondere mit seinen Bildern: Wenn Don Pedro den Knoblauch abliefert, der von Kindern zu den bekannten Zöpfen gebunden wird, zeigt die Einstellung bereits die Kinderarbeit. Die Spekulationen mit Immobilien werden durch eine leere Ferienhaussiedlung deutlich, in dessen Einsamkeit sich der LKW fast gespenstisch ausnimmt. Und die Torturen, die die illegalen Einwanderer auf sich nehmen, werden durch einen Blick in die kleine Kabine ersichtlich. Dabei bleiben die Menschen für den Zuschauer wie Don Pedro gesichtslos. Aber als er bei einer Zwischenstation seinen LKW in der Sonne abstellt, kehrt die Kamera zu dem Fahrzeug zurück und erinnert daran, dass dort bei brütender Hitze im Innenraum Menschen zusammengepfercht in einer kleinen Kabine sitzen. Sie nehmen diese Qualen in Kauf, um in Europa eine bessere Zukunft zu finden. Aber der Kontinent zeigt sich in "Black Brown White" schnell von seiner hässlichen Seite: Wellblechsiedlungen von afrikanischen Einwandern in Spanien, illegale Arbeiter auf einer Tomatenfarm – und die ständige Angst, von der Polizei ausgewiesen zu werden, werden in kurzen Einstellungen fast beiläufig sichtbar. Auf diese Stärke der Bilder von Kameramann Martin Gschlacht hätte Erwin Wagenhofer noch mehr vertrauen sollen. Denn manche Dialoge sind allzu formelhaft geworden.

In der Hauptrolle überzeugt Fritz Karl als melancholischer LKW-Fahrer, der zunehmend an der Ungerechtigkeit der Welt leidet. Untermalt mit der traurig-schönen Filmmusik des spanischen Flamenco-Gitarristen Niño Josele und inmitten der staubigen Welt von "Black Brown White" ist Don Pedros Zuhause sein Truck. Dabei fasst Erwin Wagenhofer seine Einsamkeit in eine sehr schöne Sequenz, in der er mit Jackie, die inzwischen in der Kabine ist, mittels eines Walkie Talkies spricht.

Ohnehin ist Don Pedros Wagen das Hauptmotiv des Films. Er verbindet Europa mit Afrika, zwei Welten, die vor allem durch Profitinteressen aneinander gebunden scheinen. Dabei konterkariert der LKW-Schriftzug "Just in Time" das Schicksal von Don Pedros Firmenpartner, der nicht rechtzeitig ins Krankenhaus kam und seither querschnittsgelähmt ist. Diese Anspielung ist ein Beispiel für den lakonischen Humor, mit dem "Black Brown White" besticht. Zudem spielt der Schriftzug auf die Pünktlichkeit an, die in diesem Geschäft alles ist, und auch Don Pedros Helfer und Gegenspieler kommen meist gerade rechtzeitig. Aber der LKW ist nicht nur Transportmittel, sondern auch das Gefängnis für die illegalen Einwanderer – und wenn sich der Wagen durch Nordafrika und Südeuropa quält, über staubige Straßen, enge Bergpässe und Tunnel, dann wird dadurch zugleich auch der Weg seines Fahrers deutlich.

Fazit: "Black Brown White" ist ein lakonisches und gesellschaftskritisches Road Movie, dessen guter Hauptdarsteller, eindrucksvolle Bilder und tolle Musik über die mitunter formelhaften Dialoge hinwegsehen lassen.





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