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Don Camillo und Peppone (1952)
Le petit Monde de Don Camillo
Italienische Komödie aus den 50er Jahren über einen streitlustigen Priester und einen kommunistischen Bürgermeister.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 1 Besucher eine Bewertung abgegeben.
Frühling 1946, Brescello in der Poebene: Die Kommunisten haben gerade die
Bürgermeisterwahl gewonnen, und der neue Bürgermeister Peppone (Gino Cervi)
feiert doppelt, denn seine Frau hat einen Sohn bekommen, der unter anderem auf
den Namen Lenin getauft werden soll. Pfarrer Don Camillo (Fernandel) verweigert
sich, bis ihm Jesus vom Kruzifix über dem Hauptaltar aus ins Gewissen redet.
Von da an ist der Rhythmus des Films gesetzt: Streit, Prügelei, Einsicht,
Zusammenarbeit – und wieder von vorn. Die beiden ringen um ein "Haus des
Volkes“ und den Bau eines Kindergartens, um die Prozession zum Po mit oder ohne
rote Fahnen, um die Liebe zweier junger Leute aus verfeindeten Familien. Und
sie finden zueinander, wenn es wirklich zählt: beim Streik, als die Kühe
ungemolken bleiben, oder am Sterbebett der alten Lehrerin Cristina.
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Filmkritik
"Don Camillo und Peppone“: Zwei Sturköpfe gegen den Rest der Welt
Zur Ehrlichkeit gehört ein Geständnis: Ich bin mit "Don Camillo und Peppone“ aufgewachsen. Als es im Fernsehen nur drei Programme gab, liefen die Don-Camillo-Filme mitschöner Regelmäßigkeit, und Fernandel und Gino Cervi waren für mich schlicht Don Camillo und Peppone – da kam später auch Terence Hill nicht heran.
Objektivität ist also nicht ganz zu erwarten. Aber vielleicht hilft das sogar,
denn dieser Film lebt von genau jener Zuneigung, die er selbst zwischen seinen
beiden Streithähnen inszeniert.
Dass ausgerechnet Julien Duvivier diesen Stoff verfilmte,
ist ohnehin ein kleiner Treppenwitz der Filmgeschichte. Der Mann, der mit "Pépé
le Moko“ und "La Belle Équipe“ zu den großen Melancholikern des französischen
poetischen Realismus zählt, ein Regisseur des Fatalismus und der dunklen Milieus
– und dann das: eine warmherzige Dorfposse nach Giovannino Guareschis "Mondo
piccolo“-Geschichten. Aber für diese Auftragsarbeit hat Duvivier seinen
Pessimismus zurückgenommen. Doch genau darin liegt der Reiz: Denn unter der
Komödie schimmert immer noch der Blick eines Regisseurs durch, den
Gruppendynamik, Macht und moralische Ambivalenz sein Leben lang interessiert
haben.
Guareschis Vorlage entstand im unmittelbaren Nachkriegsitalien, als sich
katholisches Milieu und Kommunismus neu formierten und der Kalte Krieg längst
die Poebene erreicht hatte. Der erklärte antikommunistische Guareschi hätte
daraus leicht Propaganda machen können. Stattdessen – und das übernimmt der
Film – bekommen beide Lager einen gemeinsamen Resonanzboden: eine bäuerliche,
dörfliche Welt, in der Nachbarschaft am Ende schwerer wiegt als das Parteibuch.
Bezeichnend dafür ist die Produktionsgeschichte selbst: Als 1951 in Brescello
gedreht wurde, sträubte sich die örtliche Parteiorganisation zunächst dagegen,
dass Kommunisten als Komparsen mitwirkten – der Film, der die politische
Spaltung Italiens in Folklore verwandelt, geriet selbst mitten hinein in eben
diese Spaltung. Ein hübsches Detail für aufmerksame Zuschauer obendrein: Die
Kirche ist von außen echt, ihr Inneres jedoch ein Studiobau in Cinecittà, weil
der zuständige Bischof Dreharbeiten im Sakralraum untersagte.
Formal ist der Film weniger eine Einheit als eine Kette von Episoden. Das
kann zunächst skizzenhaft wirken, fast wie eine Folge von Sketchen. Ich
verstehe den Einwand, teile ihn aber nicht ganz: Gerade das Lose, Anekdotische
macht die Wucht der "kleinen Welt“ aus, den der Titel der literarischen Vorlage
verspricht, und ein wiederkehrendes, fast musikalisches Muster – Provokation,
Eskalation, Einsicht, Zusammenarbeit – gibt den Episoden mehr Zusammenhalt, als
man ihnen zunächst zutrauen könnte.
Wichtig ist ohnehin das Darsteller-Duo: Fernandel, nervös,
wendig, mit einem Gesicht, das binnen einer Sekunde vom Kinderlächeln zur Furie
kippen kann, gegen Gino Cervi, der seine Komik aus Schwere, Stimme und Sturheit
bezieht. Das funktioniert bis heute blendend, auch weil beide sich nie zu
bloßen Ideologieträgern verkürzen lassen. Peppone ist Vater und Kriegsveteran,
Don Camillo eitel und jähzornig. Keiner der beiden bekommt die moralische
Lizenz zum Rechthaben. Die schönste Volte dafür ist der sprechende Jesus, mit
dem Don Camillo ständig verhandelt – und der ihn keineswegs automatisch
bestätigt, sondern zur moralischen Korrekturinstanz wird.
Ganz unschuldig ist der Film dabei nicht, das sollte man
nicht schönreden: Seine christlich-humanistische Haltung kann dem katholischen
Publikum durchaus eine bequeme moralische Selbstbestätigung bieten. Stimmt –
und trotzdem trägt die eigentliche Botschaft weiter: Ideologien trennen,
konkrete Verantwortung verbindet. Nach 74 Jahren, mitten in einer Gegenwart,
die auch nicht gerade arm an Lagerbildung ist, trifft dieser Gedanke erstaunlich
unverstellt.
Fazit: Ein Volksstück, das sich seiner eigenen Klugheit nicht bewusst zu sein scheint – und gerade deshalb bis heute funktioniert. Wer glaubt, alte Komödien seien harmlos, sollte sich von Fernandels Grimassen und Gino Cervis Sturschädel eines Besseren belehren lassen. Große Empfehlung, auch 74 Jahre später.
Zur Ehrlichkeit gehört ein Geständnis: Ich bin mit "Don Camillo und Peppone“ aufgewachsen. Als es im Fernsehen nur drei Programme gab, liefen die Don-Camillo-Filme mitschöner Regelmäßigkeit, und Fernandel und Gino Cervi waren für mich schlicht Don Camillo und Peppone – da kam später auch Terence Hill nicht heran.
Objektivität ist also nicht ganz zu erwarten. Aber vielleicht hilft das sogar,
denn dieser Film lebt von genau jener Zuneigung, die er selbst zwischen seinen
beiden Streithähnen inszeniert.
Dass ausgerechnet Julien Duvivier diesen Stoff verfilmte,
ist ohnehin ein kleiner Treppenwitz der Filmgeschichte. Der Mann, der mit "Pépé
le Moko“ und "La Belle Équipe“ zu den großen Melancholikern des französischen
poetischen Realismus zählt, ein Regisseur des Fatalismus und der dunklen Milieus
– und dann das: eine warmherzige Dorfposse nach Giovannino Guareschis "Mondo
piccolo“-Geschichten. Aber für diese Auftragsarbeit hat Duvivier seinen
Pessimismus zurückgenommen. Doch genau darin liegt der Reiz: Denn unter der
Komödie schimmert immer noch der Blick eines Regisseurs durch, den
Gruppendynamik, Macht und moralische Ambivalenz sein Leben lang interessiert
haben.
Guareschis Vorlage entstand im unmittelbaren Nachkriegsitalien, als sich
katholisches Milieu und Kommunismus neu formierten und der Kalte Krieg längst
die Poebene erreicht hatte. Der erklärte antikommunistische Guareschi hätte
daraus leicht Propaganda machen können. Stattdessen – und das übernimmt der
Film – bekommen beide Lager einen gemeinsamen Resonanzboden: eine bäuerliche,
dörfliche Welt, in der Nachbarschaft am Ende schwerer wiegt als das Parteibuch.
Bezeichnend dafür ist die Produktionsgeschichte selbst: Als 1951 in Brescello
gedreht wurde, sträubte sich die örtliche Parteiorganisation zunächst dagegen,
dass Kommunisten als Komparsen mitwirkten – der Film, der die politische
Spaltung Italiens in Folklore verwandelt, geriet selbst mitten hinein in eben
diese Spaltung. Ein hübsches Detail für aufmerksame Zuschauer obendrein: Die
Kirche ist von außen echt, ihr Inneres jedoch ein Studiobau in Cinecittà, weil
der zuständige Bischof Dreharbeiten im Sakralraum untersagte.
Formal ist der Film weniger eine Einheit als eine Kette von Episoden. Das
kann zunächst skizzenhaft wirken, fast wie eine Folge von Sketchen. Ich
verstehe den Einwand, teile ihn aber nicht ganz: Gerade das Lose, Anekdotische
macht die Wucht der "kleinen Welt“ aus, den der Titel der literarischen Vorlage
verspricht, und ein wiederkehrendes, fast musikalisches Muster – Provokation,
Eskalation, Einsicht, Zusammenarbeit – gibt den Episoden mehr Zusammenhalt, als
man ihnen zunächst zutrauen könnte.
Wichtig ist ohnehin das Darsteller-Duo: Fernandel, nervös,
wendig, mit einem Gesicht, das binnen einer Sekunde vom Kinderlächeln zur Furie
kippen kann, gegen Gino Cervi, der seine Komik aus Schwere, Stimme und Sturheit
bezieht. Das funktioniert bis heute blendend, auch weil beide sich nie zu
bloßen Ideologieträgern verkürzen lassen. Peppone ist Vater und Kriegsveteran,
Don Camillo eitel und jähzornig. Keiner der beiden bekommt die moralische
Lizenz zum Rechthaben. Die schönste Volte dafür ist der sprechende Jesus, mit
dem Don Camillo ständig verhandelt – und der ihn keineswegs automatisch
bestätigt, sondern zur moralischen Korrekturinstanz wird.
Ganz unschuldig ist der Film dabei nicht, das sollte man
nicht schönreden: Seine christlich-humanistische Haltung kann dem katholischen
Publikum durchaus eine bequeme moralische Selbstbestätigung bieten. Stimmt –
und trotzdem trägt die eigentliche Botschaft weiter: Ideologien trennen,
konkrete Verantwortung verbindet. Nach 74 Jahren, mitten in einer Gegenwart,
die auch nicht gerade arm an Lagerbildung ist, trifft dieser Gedanke erstaunlich
unverstellt.
Fazit: Ein Volksstück, das sich seiner eigenen Klugheit nicht bewusst zu sein scheint – und gerade deshalb bis heute funktioniert. Wer glaubt, alte Komödien seien harmlos, sollte sich von Fernandels Grimassen und Gino Cervis Sturschädel eines Besseren belehren lassen. Große Empfehlung, auch 74 Jahre später.
Markus Solty
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Besetzung & Crew von "Don Camillo und Peppone"
Land: Italien, FrankreichJahr: 1952
Genre: Komödie
Originaltitel: Le petit Monde de Don Camillo
Länge: 102 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 24.09.2026
Regie: Julien Duvivier
Darsteller: Fernandel, Gino Cervi, Vera Talchi, Franco Interlenghi, Charles Vissière
Kamera: Nicolas Hayer
Verleih: Croco Film


