VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
The Sessions - Hauptplakat
The Sessions - Hauptplakat
© 20th Century Fox

Kritik: The Sessions - Wenn Worte berühren (2013)


"The Sessions – Wenn Worte berühren" erzählt die wahre Geschichte des Journalisten und Schriftstellers Mark O’Brien, der im Alter von 38 Jahren jegliche Hoffnung auf eine enge Beziehung zu einer Frau so gut wie aufgegeben hatte. Dann bekam er von einer Zeitung den Auftrag, einen Artikel über Behinderte und ihr Sexleben zu schreiben. Er recherchierte – und hatte die Idee, selbst eine Therapeutin aufzusuchen. Seine Erfahrungen schildert er mit viel Ironie und Witz in dem Artikel "On Seeing a Sex Surrogate", auf dessen Grundlage Regisseur und Drehbuchautor Ben Lewin einen humorvollen und berührenden Film gedreht hat.

Im Mittelpunkt von "The Sessions – Wenn Worte berühren" steht weniger das Leben von Mark O’Brien, sondern seine Beziehungen zu anderen Menschen – zu seinen Assistenten, zu Frauen und zu dem Pastor Vater Brendan (gespielt von William H. Macy). Es war eine gute Entscheidung von Ben Lewin, die verschiedenen spirituellen Ratgeber von Mark in einer Figur zusammenzufassen. Mit Vater Brendan wird zum einen Marks Religiosität deutlich, zum anderen eine weitere Ebene in die Geschichte eingeführt, die einen weiteren Blickwinkel ermöglicht: Vater Brendan ist der Beobachter, der Marks Versuche wohlwollend und humorvoll begleitet. Zusammen mit Marks Assistenten – hier ist vor allem Moon Bloodgood als ruhige Vera zu nennen – lässt er darüber hinaus Marks alltägliches Leben und seine bisherigen Beziehungen erkennen, die nun durch den Kontakt zu Cheryl Cohen-Greene (Helen Hunt) erweitert werden.

John Hawkes spielt den körperlich sehr eingeschränkten Mark authentisch und einfühlsam. Nach eigener Aussage hat er sich als Vorbereitung für diese Rolle einen speziellen Ball anfertigen lassen, der ihn die Verkrümmung von O’Briens Körper nachstellen ließ. Außerdem trainierte er Wochen, um mit einem Bleistift im Mund ein Telefon bedienen zu können. Dadurch verschwindet er fast völlig in dieser Rolle. Doch John Hawkes stellt nicht nur die körperlichen Beeinträchtigungen überzeugend dar, sondern er bringt allein durch seine Mikik und seine Stimme auch Marks Witz und Humor überzeugend auf die Leinwand – und lässt dessen tiefe Sehnsucht nach einer zwischenmenschlichen Beziehung erkennen. Ohne Hilfe seines Körpers als Ausdrucksmittelt macht er bei jedem Wort deutlich, wie schwer Mark das Sprechen fällt (weil ihm schon das Atmen schwer fällt), wie wichtig Worte für ihn aber sind. Und mit jedem Satz, jedem Witz und jedem Gedicht lassen sich die Ängste und die Verführungskraft von Mark O’Brien zu erahnen. Er ist nicht einfach nur eine Mitte 30-Jähriger, der endlich keine Jungfrau mehr sein will. Er ist ein Mitte 30-Jähriger, der erst akzeptieren muss, dass er es verdient hat, geliebt zu werden.

Diese wichtige Lektion vermittelt ihm Cheryl, die es als ihre Aufgabe sieht, Menschen zu einer erfüllten Sexualität zu verhelfen. Sie ist Wissenschaftlerin, Therapeutin und Sex-Ersatzpartnerin in einem. Helen Hunt spielt sie mit viel Selbstverständlichkeit und starken Bewegungen. Cheryl ist stets bemüht, mit ihren Klienten keine private Beziehung einzugehen – schließlich ist sie verheiratet und hat einen Sohn. Aber Marks Charme erreicht auch sie und Helen Hunt drückt diese Zweifel und die Nähe sehr überzeugend aus.

Neben der großartigen Besetzung ist es auch der Verdienst von Ben Lewin, der selbst an Kinderlähmung erkrankte, dass dieser Film sehr gut funktioniert: Er ist in den Sex-Szenen präzise, ohne explizit zu werden. Ohne Scheu vor Nacktheit, zeigt er insgesamt erstaunlich wenig. Die Handlung entwickelt sich vor allem über Dialoge, die überwiegend pointiert und emotional sind. Erst zum Ende hin wird der Film dann etwas langatmig und rührselig. Doch insgesamt ist "The Sessions – Wenn Worte berühren" eine sehr eigene Mischung aus Drama und Komödie fernab von Klischees und ein sehenswerter Film.

Fazit: "The Sessions – Wenn Worte berühren" ist ein glänzend besetzter und im besten Sinn berührender Film fernab von Betroffenheitsdramen und Rührseligkeitsschmonzetten.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.