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Der Schnee am Kilimandscharo
Der Schnee am Kilimandscharo
© Diaphana Films

Kritik: Der Schnee am Kilimandscharo (2011)


Mit Ernest Hemingways berühmter gleichnamiger Kurzgeschichte hat „Der Schnee am Kilimandscharo“ nichts zu tun. Vielmehr spielt der Titel des Films von Robert Guédiguian auf einen Chanson von Pascal Danel an, der vor 30 Jahren das Hochzeitslied von Michel (Jean-Pierre Darroussin) und Marie-Claire (Ariane Ascaride) war. Nun wird er anlässlich ihres Ehejubiläums auf ihrer Feier noch einmal gespielt. Es wird für lange Zeit der letzte glückliche und weitgehend unbeschwerte Augenblick für sie bleiben. Nur wenige Tage später werden sie bei einem Spieleabend mit ihren besten Freunden in ihrem Haus ausgeraubt.

Durch Zufall kann Michel einen der Täter identifizieren: Es handelt sich um den jungen Werftarbeiter Christophe (Grégoire Leprince-Ringuet), der vor wenigen Wochen seine Arbeit verloren hat. Michel war sein Gewerkschaftsführer und hatte entschieden, dass ein Los über die 20 Arbeitnehmer entscheiden soll, die entlassen werden müssen. Auch Michels eigener Name wurde gezogen, deshalb war er eigentlich noch damit beschäftigt, sich mit seinem Leben als Vorruheständler anzufreunden. Aber mit dem Raub und seiner Entdeckung des Täters tritt das in den Hintergrund.

In seinem Film erzählt Robert Guédiguian nicht nur die Geschichte der Ausgeraubten, sondern auch des Täters. Christophe ist ein junger Mann, der sich um seine jüngeren Brüder kümmern muss. Mit dem erbeuteten Geld bezahlt er die Miete und lädt sie in ein Schnellrestaurant ein. Er hatte also durchaus verständliche Motive für seine Tat. Aber ist sie deshalb anders zu bewerten?

Um diese Frage kreist die Handlung des Films. Als Michel erfährt, weshalb Christophe ihn ausgeraubt hat, möchte er seine Anzeige zurückziehen. Aber die Mühlen der Justiz mahlen schon und ein Verbrechen liegt unzweifelhaft vor. Deshalb geht es jetzt für Michel – und ebenso für seine Frau – nur noch darum, die Folgen abzumildern. Obwohl Christophe Michel für sein Gutmenschentum verhöhnt, will er ihm helfen. Er glaubt fest an die Werte der Arbeiterbewegung, an Solidarität und Gleichheit. Dazu steht er unerschütterlich und sieht es als seine Verantwortung an, sich wenigstens um Christophes Brüder zu kümmern.

Im Zeitalter der Globalisierung werden Marie-Claire und Michel fast zu anachronistischen Menschen, zumal es im weiteren Verlauf des ruhig erzählten Films immer schwerer vorstellbar wird, dass es solch gute Menschen überhaupt noch gibt. Aber sie fühlen sich schon etwas schuldig, weil sie ein Haus besitzen und abends auf dem Balkon Wein trinken. In ihren Augen werden sie dadurch bourgeois – für einen alten Helden der Arbeiterklasse wie Michel nahezu ein Unding, für die heutigen Zuschauer aber überwiegend ein Teil der Normalität. Deshalb ist es schwierig, Michels Gewissenskonflikte und die Handlungen des Ehepaares nachzuempfinden. Zugleich wird aber auch deutlich, dass Ideale in der heutigen Gesellschaft zunehmend zu einem Luxus werden. Leider macht es sich Robert Guédiguian mit dem allzu märchenhaften Ende dann ein wenig zu leicht. Denn bei allem Gutmenschentum und Verständnis hat Christophe letztlich Unrecht begangen – und die Gesellschaft ist nicht immer alleine schuld.

Fazit: „Der Schnee am Kilimandscharo“ ist ein ruhiger Film, der den Zuschauer mit einer Reihe von Fragen konfrontiert und zum Nachdenken anregt.




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