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Good Vibrations (2012)

Irisches Biopic: Während sich in Belfast ehemalige Freunde und Nachbarn gegenseitig umbringen, macht ein Mann im Zentrum des Kampfgebietes einen Plattenladen auf, da er wie früher einfach eine gute Zeit haben will.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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Belfast Ende der 1970er-Jahre: Terri Hooley (Richard Dormer) ist ein absoluter Musikfreak und ein passionierter DJ. Doch irgendwann muss auch der größte Enthusiast feststellen, dass niemand mehr in den Klub kommt, in dem er auflegt. Draußen auf der Straße herrscht der blanke Terror. Es zählt nur noch, ob man Katholik oder Protestant ist. Ständig explodieren Bomben und sterben Menschen. Es herrscht Bürgerkrieg. Wer wagt es da noch an Vergnügen zu denken oder gar bei einem Clubgang sein Leben zu riskieren? Aber Terri ist es völlig egal auf welcher Seite die Leute stehen, solange sie ihn entweder in Ruhe lassen oder noch besser gemeinsam mit ihm Spaß haben. So eröffnet er mitten auf der meist umkämpften Straße - welche den protestantischen, vom katholischen Teil der Stadt trennt - einen Plattenladen, der die Menschen wieder zusammenbringen soll. Anfangs verkauft Terri vorrangig alte Hippiemusik. Doch als er sein erstes Konzert einer kleinen lokalen Punkband besucht, hat er geradezu ein Erweckungserlebnis. Ab sofort will er unbedingt diese unglaublich energetische Musik promoten und wird deshalb auch noch zum Chef eines kleinen Plattenlabels...

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

In einer Schlüsselszene des Films sagt Terri Hooley über den von ihm propagierten nordirischen Punk, dass die Punkmusiker in New York und London zwar die richtigen Klamotten hätten, sie aber den richtigen Grund! Damit bringt der als Godfather of Punk in die Belfaster Geschichte eingegangene Terri die Message des von Lisa Barros D'Sa und Glenn Leyburn gedrehten Biopic "Good Vibrations" auf den Punk(t): Was woanders vielleicht eher eine kurzfristige Jugendmode war, kam in Belfast aus dem tiefsten Herzen und war für viele Menschen geradezu lebensnotwendig. Punk war in Belfast ein Aufschrei und ein Schrei nach Leben inmitten einer Stadt, in der man jeden Augenblick von einer vom eigenen Nachbarn gelegten Bombe zerfetzt werden konnte. Das ist es, was Terri auf seinem ersten Punk-Konzert spürt und dass ist es, was ihn immer weiter machen lässt, obwohl ihn diese Leidenschaft finanziell immer wieder nahe an den Rand des Ruins bringt. Anfangs erhält er dabei noch starke Unterstützung durch seine Freundin und spätere Frau Ruth (Jodie Whittaker), mit der er auch ein Kind haben wird. Aber auf die Dauer kann selbst diese Ehe nicht halten, da für Terri seine Musiker seine wahre Familie sind.

In einer weiteren Schlüsselszene des Films wird gezeigt, wie Terri als Kind ein Auge verliert, weil ein Nachbarkind ohne nachzudenken einen Pfeil auf ihn schießt. Sein lakonischer Kommentar: "Ab da sah ich die Dinge anders, als die anderen." Dies charakterisiert Terri ziemlich gut. "Good Vibrations" zeigt seine durch nichts zu bremsende Leidenschaft, die aber auch eine dunkle Seite großer selbstzerstörerischer Unvernunft hat. Genauso leidenschaftlich und undifferenziert ist auch dieser Film. Hier wird nichts abgewogen oder groß in einen weiteren Kontext gesetzt. Hier heißt es einfach Mitgehen und Spaß haben. Wem das nicht gefällt, der soll einfach draußen bleiben.

Fazit: "Good Vibrations" erzählt die ziemlich unglaubliche wahre Geschichte des Belfaster Godfather of Punk. Der Film ist parteiisch, undifferenziert und richtig gut!




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Land: Großbritannien, Irland
Jahr: 2012
Genre: Drama, Biopic
Länge: 102 Minuten
FSK: 6
Kinostart: 08.05.2014
Regie: Lisa Barros D'Sa, Glenn Leyburn
Darsteller: Liam Cunningham als Davy, Jodie Whittaker als Ruth, Dylan Moran als Pat
Verleih: Rapid Eye Movies

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Der nordirische Punk
Während 1977 die ersten Punks in London bereits den Ausverkauf ihrer maximal abseits der Gesellschaft positionierten Subkultur propagierten, begann sich in Belfast [...mehr] eine ernstzunehmende Punkszene zu bilden, die es satt hatte, als Nordire auf Bomben, Straßenschlachten und Religionszugehörigkeit reduziert zu werden. Krawalle und Schlägereien gehörten in Belfast längst zur Tagesordnung, als die Sex Pistols mit ihrem Hit "Anarchy In The UK" in den Charts für Chaos sorgten.

Der militante Nordirland-Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten hatte nach hunderten von Todesopfern am sogenannten Blutsonntag, dem 30. Januar 1972, bei dem während einer Demonstration für Bürgerrechte 13 unbewaffnete Demontstranten von britischen Soldaten erschossen wurden, seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Eine Besserung der Zustände war immer noch nicht absehbar. Resignation, Desillusionierung und Enttäuschung über die Politik jener Zeit beherrschten seither die Stimmung in der Gesellschaft.

Die erste Punkband, die sich überhaupt in die geteilte Stadt Belfast traute, waren im Oktober 1977 The Clash, deren Konzert in der Ulster Hall dann aber auf Antrag der Stadtverwaltung nicht stattfinden durfte. Sicher war das Verbot des Konzerts für viele der Initialfunken, eigene Bands zu gründen, den Mittelfinger zu erheben, um Staat, Polizei und faschistisch-gewaltbereiten Fanatikern ein inbrünstiges "Fuck off" entgegenzuschreien. Die Presse warnte zu dieser Zeit vor den Gefahren der "Punk Rock Riots". Im Verhältnis zu den täglichen politisch geprägten Ausschreitungen waren die Nordirland-Punks aber nicht ernsthaft gewaltbereit: Sie hatten von bürgerkriegsähnlichen Zuständen ihrer Heimat schlichtweg die Schnauze voll und ließen den Frust ihrer Seelen innerhalb der Musik für sie sprechen.

Mit Rudi, The Outcasts und Stiff Little Fingers gründeten sich erste wegweisende Bands, schroff und simpel in ihrer Musik, selbstbewusst in ihrem Auftreten. Das Rebellische, das Rotzige, das Dilettantische und Dreckige war nun endlich auch auf den Bühnen der Kleinstädte wie Derry, Bangor, Omagh und Ulster angekommen.

"The Godfather of Punk": Terri Hooley
Terri Hooley wurde am 23. Dezember 1948 in Belfast geboren. Obwohl nahezu alle seine Verwandten mütterlicherseits radikale Protestanten des Oranier-Ordens waren, genoss er eine liberale Erziehung. Seine Familie ließ sich nicht auf die Spaltung in Nordirland ein und pflegte weiterhin Freundschaften zu Katholiken. Terri selbst war Hippie, der sich politisch engagierte und als DJ arbeitete. Mit seinem Plattenladen und Label "Good Vibrations" wurde Hooley zum "Godfather of Punk". 1982 ging er mit "Good Vibrations" bankrott und musste den Laden dicht machen. An anderer Stelle in Belfast wurde er vier Mal wiedereröffnet und geschlossen, im Juli 2011 (auf der Winetavern Street) scheinbar endgültig. An der ehemaligen "The Harp Bar", in der Hooley viele Konzerte organisiert und damit dem Belfast- Punk der 70er Jahre eine Bühne geboten hatte, brachte die Stadt eine Plakette zu seinen Ehren an.
Quelle: Presseheft

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