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Kritik: 7 Psychos (2012)


Von Anfang an wird deutlich, dass Regisseur und Drehbuchautor Martin McDonagh ("Brügge sehen und sterben") diesen Film als groteske Komödie angelegt hat. In der Anfangssequenz stehen zwei Killer auf einer Brücke und unterhalten sich über das Töten durch einen Schuss ins Auge. Während sie auf ihr nächstes Opfer warten, kommt von hinten ein maskierter Mann, erschießt die Gangster und hinterlässt an den Tatorten einen Karo-Buben. Eine Einblendung klärt darüber auf, dass er der erste Psychopath ist – und er wird nicht der letzte bleiben, schließlich soll es ja dem Titel nach sieben davon geben.

In der Folge entspinnt sich auf verschiedenen Ebenen eine unterhaltsame Abfolge von episodenhaften Erlebnissen mit verschiedenen Psychopathen. Anfangs lassen sich die verschiedenen Schichten der Story durch den Bildstil unterscheiden: Die Szenen aus Martys Drehbuch sind überzogen splatterhaft inszeniert und entlarven sich selbst in ihrer Künstlichkeit, die vermeintliche Handlungsgegenwart ist hingegen realistischer im Stil. Hier begegnen Marty und Billy durch die Zeitungsannonce dem tierlieben Psychopathen Zachariah (grandios: Tom Waits), dessen Erinnerungen ebenfalls in Martys Drehbuch einfließen werden. Außerdem werden sie in eine Auseinandersetzung mit dem psychopathischen Gangsterboss Charlie hineingezogen, der für seinen Hund über Leichen geht. Als dann Billy und sein Chef Hans Marty bei dem Abfassen des Drehbuchs helfen wollen, setzt "7 Psychos" zunehmend auf das Spiel mit der Meta-Ebene: Es gibt absurd-entlarvende Dialoge über die Frauenfiguren in Martys Filmen oder die Darstellung von Afroamerikanern, und Billy entwirft einen finalen Showdown für Martys Film, der das tatsächliche Ende von "7 Psychos" bei weitem übertrifft.

Diese Einfälle sind durchaus unterhaltsam, aber letztlich können auch die guten Schauspieler nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in "7 Psychos" zu viele lose Enden gibt und die einzelnen Episoden oftmals aneinandergereiht sind. Hier wäre – das zeigt der Film insbesondere am Anfang und mit dem Ausflug in die Wüste – mehr möglich gewesen. Doch im Vergleich zu "Brügge sehen und sterben" gelingt es Martin McDonagh in "7 Psychos" nicht, eine Geschichte zu erzählen, die über das selbstreflexive Spiel mit grotesken Dialogen, Zitaten und Anspielungen hinausgeht. Und so bleibt von diesem Film vor allem eines in Erinnerung: der großartige Christopher Walken, der Hans mit feiner Melancholie spielt und endlich mal wieder Herz zeigen darf. Er ist das eigentliche Zentrum von "7 Psychos".

Fazit: Auch die guten Schauspieler können nicht darüber hinwegtäuschen, dass "7 Psychos" eine über die Selbstreflexivität hinausgehende Handlung fehlt. Daher ist er ein Genrefilm, der zwar nicht langweilt, aber auch nicht überzeugt.





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