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Pain & Gain
Pain & Gain
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Pain & Gain (2013)


Muskeln machen Männer. Zumindest was das angeht, entsprechen das ehemalige Unterwäschemodel, Mark Wahlberg und der Noch-Wrestler Dwayne "The Rock" Johnson, geradezu archetypischen Vorbildern. Mit ihren muskelbepackten Bodies waren sie dann folglich auch die Idealbesetzung der Low-Budget-Produktion "Pain & Gain", die von ein paar Bodybuildern handelt, die auf die Idee verfallen, mit einer höchst kriminellen Tour an das ganz große Geld zu gelangen.

Wahlberg gibt in "Pain & Gain" den Fitnesstrainer Daniel Lugo, der unter großen persönlichen Einsatz ein marodes Gym in Miami wieder zu mehr Mitgliedern verhilft. Obwohl Lugo während der Arbeit zu den Schönen, Reichen und Berühmten viel Kontakt hat, fristet er außerhalb des Fitness-Centers ein bescheidenes Dasein. In seinen kühnen Träumen würde er aber gerne zu den Privilegierten gehören; und dazu ist ihm beinah jedes Mittel recht. Selbst die Entführung eines Millionärs.

"Pain & Gain" basiert auf einem realen Fall, der seinen Anfang Mitte der 1990er-Jahre in Miami nahm. Der Film, der den Anschein eines typischen Independent-Streifens erweckt, wurde von keinem anderen als den Blockbuster-Macher Michael Bay ("Armageddon", "Pearl Harbor") in Szene gesetzt. Vielleicht wollte sich der Krawall-Künstler zwischendurch einfach mal eine Auszeit nehmen, bevor er zum Reboot der Blechkameraden-Saga "Transformers" schreitet, indem mindestens Wahlberg ebenfalls mit von der Partie sein wird.

Neben ihm und Johnson, der seinerseits in Zukunf als griechischer Halbgott "Hercules" die Lichtspielhäuser unsicher machen wird, sind noch Anthony Mackie ("Der Plan", "Gangster Squad") als dritter Mann des Entführerteams zu sehen sowie der hauptsächlich aus der TV-Krimi-Serie "Monk" bekannte Tony Shalhoub. Dieser gibt das millionenschwere Opfer. An den Schauspielern, die sich allesamt ins Zeug legen, liegt es auch weniger, dass "Pain & Gain" nicht über einen netten Versuch abseits der üblichen Bay'schen Gefilde hinauskommt. Besonders Johnson, als geistig leicht minderbemittelter Ex-Knacki und wiedergeborener Christ, beweist ausgesprochen viel Sinn für Ironie. Und zuletzt tritt selbst solch ein Charakterdarsteller wie Ed Harris, in der Rolle eines Ex-Cops jetzt Privatschnüffler, auf, was dem Film zusätzlich etwas Klasse verleiht.

Die offenherzigen Einblicke in die Bodybuilderszene, in der unverdrossen Steroide eingeworfen und sich hemmungslos in der Umkleide Spritzen gesetzt werden, verströmen zudem eine satte Portion Zynismus; selbst die Handlung an sich vermag zumindest phasenweise zu unterhalten und wartet mit der einen oder anderen schrägen wie unerwarteten Wendung auf. Und dennoch wirkt der Film insgesamt enorm zerfahren. Die Geschichte springt zwischen Zeiten und Örtlichkeiten, und die zusätzlich eingestreuten Flashbacks machen es nicht unbedingt leichter, dem Geschehen zu folgen. Bay nimmt hierfür stilistische Anleihen bei manch einem anderen Kultstreifen, bekommt das aber handwerklich nicht gut in den Griff. Manche arg auf den grotesken Effekt getrimmte Szene, wirkt dann final auch nur noch, als wäre sie bei Guy Ritchie und Co. abgekupfert. Als größte Sünde erweist sich allerdings, dass "Pain & Gain" selbst in der Erzählperspektive zwischen den einzelnen Figuren munter hin und her wechselt, bis dem Zuschauer komplett die Lust vergeht.

Fazit: Nett angedacht ist der Versuch von Michael Bay auf dem Terrain anderer Regisseure ein wenig herum zu wildern, jedoch auch nicht mehr. Die Geschichte, welche grundsätzlich Potenzial in sich barg, zerfällt zu oft zur zerstückelten Groteske, die zudem nicht selten die Handschrift anderer Regisseure trägt.





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