Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Die schwarzen Brüder
Die schwarzen Brüder
© Studiocanal

Kritik: Die schwarzen Brüder (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Kinderfilm des Schweizer Regisseurs Xavier Koller basiert auf dem gleichnamigen, 1941 erschienenen Jugendroman von Lisa Tetzner und Klaus Held. Darin wird von der Ausbeutung notleidender Tessiner Bauernkinder im 19. Jahrhundert erzählt. Ein windiger Geschäftemacher hat sich darauf spezialisiert, halbwüchsige Jungen wie den Hauptcharakter Giorgio als billige Arbeitskräfte nach Mailand zu vermitteln. Dort lassen Kaminkehrer die Kinder zum Fegen in verrußte Schlote hineinsteigen. Wie die Buchvorlage, verbindet auch der Film sein historisches, sozialkritisches Thema mit den spannenden Abenteuern dieser Jungen, die in schwerer Zeit zusammenhalten.

Am Anfang und am Ende der Geschichte sieht man Giorgio inmitten der Tessiner Bergwelt: In diesem Naturparadies könnte auch Heidi zuhause sein, so idyllisch wirken die Almen mit ihren Blumen und Zicklein. Doch die Armut der Menschen ist so groß, dass schon ein gebrochenes Bein den Ruin einer Familie bedeuten kann. Der böse Luini lungert also in dieser Gegend herum, bis das Schicksal zuschlägt: Dann geht er zum Bauern und bietet ihm Geld für eines seiner Kinder. Der Film bringt Giorgios Armut und Not optisch prägnant auf den Punkt: Bei seiner Ankunft in Mailand läuft er barfuß durch die Straßen, er schläft auf einem Lager aus Stroh und die Kamera folgt ihm ins Innere der Schlote. Dort hangelt er sich in Qualm und Hitze die vielen Metallstufen hoch zur endlos weit entfernt scheinenden, hellen Öffnung auf dem Dach.

Wie gesundheitsschädlich diese Kinderarbeit ist, wird jedoch nur im Buch richtig erklärt. Auch bei den Themen Hunger, Entbehrung und Misshandlung, die im Roman den Alltag der Jungen in der Stadt bestimmen, glättet und verkürzt der Film zu viel. Einzig der Tod von Giorgios bestem Freund, dem lungenkranken Alfredo, weist darauf hin, dass viele Jungen diese Monate nicht überstehen oder mit schwerer Krankheit bezahlen. Im Mittelpunkt der filmischen Handlung stehen die Abenteuer der schwarzen Brüder. Es gibt Raufereien mit der verfeindeten Gruppe der "Wölfe", die ihnen das Trinkgeld stehlen. Die Kinder richten sich gemeinsam an Tugenden wie Ehre und Solidarität auf.

Leider gibt der Film aber gerade auch die ruppigen Jungenrituale, von denen das Buch erzählt, nicht mit dem nötigen Ernst wieder. Sehr schnell münden die Szenen in unbeschwerten, versöhnlichen Frohsinn, den man in Filmen schätzt, die einen coolen Eindruck machen wollen. Das verwässert das Zeitkolorit, auf das die Ausstattung der Kulissen wiederum so viel Wert legt. Obwohl der Film insgesamt durchaus engagiert und vor allem visuell aufwändig inszeniert ist, hätte er aus der Vorlage noch mehr herausholen können.

Fazit: Die Verfilmung des gleichnamigen Jugendbuchklassikers über eine Gang von armen Kinderarbeitern im 19. Jahrhundert bietet ein spannendes Abenteuer vor aufwändiger historischer Kulisse. Die sozialen Missstände und die zeittypische Mentalität aber werden zugunsten einer leichteren Konsumierbarkeit allzu sehr geglättet.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.