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FBW-Bewertung: A Star Is Born (2018)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Als sie aufeinandertreffen, ist sein Stern schon am Sinken und ihrer noch nicht dabei, aufzugehen: Jackson Maine (Bradley Cooper) ist ein Singer-Songwriter, der den Zenit seiner Karriere bereitsüberschritten hat. Und das liegt vor allem an den selbstzerstörerischen Kräften, den Drogen, Tabletten und dem Alkohol, ohne deren Hilfe er seinen anstrengenden Alltag nicht mehr bewältigen kann. Nach einem Auftritt lässt er sich durch die Stadt fahren, strandet in einer Drag-Bar und trifft dort auf die Kellnerin und Sängerin Ally (brillant und im doppelten Sinne gänzlich ungeschminkt verkörpert von Lady Gaga), die dort inmitten einer fröhlich gröhlenden Menge ?La vie en rose? derart gekonnt performt, dass Jackson sofort hingerissen ist von ihr. Dies ist der Beginn von A STAR ISBORN und was dann folgt, könnte beinahe ein Märchen sein. Doch so einfach ist es dann doch nicht. Denn Allys Aufstieg zum Star ist unweigerlich gekoppelt mit Jacksons Absturz ins Nichts - und dass die beiden nicht nur ein Paar auf der Bühne, sondern auch im Privatleben werden, macht aus dem Märchen eine Tragödie.

Kaum zu glauben, dass Bradley Coopers Film das Regiedebüt des erfolgreichen Schauspielers darstellt. Und ebenso unglaublich ist es, dass der Film das bereits dritte (bzw. vierte) Remake eines Stoffes ist, dessen Ursprünge in den 1930er Jahren liegen. Aber vielleicht liegt ja hierin das Geheimnis von A STAR IS BORN - dass er eine Geschichte erzählt, die vom jeweiligen Jahrzehnt unabhängig immer funktioniert.

Dennoch ist die Neufassung von A STAR IS BORN kein Selbstläufer, sondern wurde von Bradley Cooper derart gekonnt inszeniert, dass es eine wahre Freude ist. Stilistisch pendelt der Film zwischen dreckigen, rauen Konzertszenen zu Beginn und dann wieder langsameren und zärtlicheren Einstellungen, liebevollen Beobachtungen von Beziehungen und Abhängigkeiten. Und dann auch immer wieder Szenen, die fast dokumentarisch die Licht und Schattenseiten des Musikbusiness beleuchten. Dass Lady Gaga innerhalb des realen Musikbusiness als extrem eigenständige Vertreterin immer wieder ihre Stimme gegen Missstände erhebt, gibt dem Film eine weitere zusätzlicheEbene, eine Doppelbödigkeit, die den Reiz der Story aber niemals unterläuft. Neben ihr, der schauspielerischen Newcomerin, deren bisherige Rollen sich auf kurze Rollen und Serien beschränken (AMERICAN HORROR STORY - HOTEL, MACHETE KILLs), sind es aber auch Cooper selbst, der hier an seine Rolle in SILVER LININGS heranreicht sowie ein durchweg großartig besetztes Ensemble, die den ganz besonderen Reiz des Filmes ausmachen. Und natürlich das unverkennbare Talent des Regisseurs, der die große Geste ebenso beherrscht wie die kleinen, feinen Nuancen und Zwischentöne.

Mit A STAR IS BORN gelingt Bradley Cooper das Kunststück, ein Märchen mit einer großer Tragödie, einen Musik- mit einem Beziehungsdrama, einen ungeschönt realistischen Blick mit der ganzen Kraft einer fiktionalen Geschichte zusammen zu bringen und daraus einen Film zu formen, der mitreißt und begeistert, der emotional berührt und dennoch zum Nachdenken anregt.




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