VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Argo - Hauptplakat
Argo - Hauptplakat
© Warner Bros.

Kritik: Argo (2013)


Eine Rückholaktion sei wie eine Abtreibung, meint CIA-Spezialist Tony Mendez (Ben Affleck). Niemand mag sie, aber wenn man eine braucht, lässt man sie von einem Experten erledigen. Daher verwirft er die Vorschläge des Außenministeriums, die sechs Amerikaner mithilfe von Fahrrädern außer Landes zu bringen. Vielmehr entwickelt er einen aberwitzigen Plan, der – nach seiner Einschätzung – der beste der schlechten Pläne ist: Als Filmteam auf Drehort-Suche für den Science-Fiction-Film "Argo" will er mit den Geiseln das streng bewachte Land verlassen. Diese wahre Geschichte, die erst Ende der 1990er Jahre bekannt wurde, verfilmt Ben Affleck als unterhaltsamen Politthriller, der abermals unter Beweis stellt, dass der Regisseur Affleck den Schauspieler Affleck bei weitem übertrifft.

Von Anfang an stimmt bei "Argo" fast alles: Bereits der Vorspann zeigt das alte Logo von Warner Bros. und lässt eine noch nicht lange vergangene Zeit wiederauferstehen. Mit einem Zusammenschnitt aus dokumentarischen und gezeichneten Bildern wird kurz die Geschichte des Irans zusammengefasst, danach wird der Zuschauer dank stimmiger Bilder (Kamera: Rodrigo Prieto) und einem hervorragenden Produktionsdesign (Sharon Seymour) unmittelbar in das Jahr 1979 hineinversetzt. Dabei steuert Ben Affleck das Erzähltempo sehr gut, so dass dank Parallelmontagen und guten Schnitts (Schnitt: William Goldenberg) sogar das Vernichten von Akten in der US-Botschaft zu einem spannenden Moment wird.

Mühelos gelingt es Ben Affleck, dass sich die damalige Anspannung auf den heutigen Zuschauer überträgt. Dadurch wird der Film sehr lebendig – und gespannt verfolgt man die Durchführung eines Plans, der aus heutiger Sicht leicht zu durchschauen ist. Daneben ist "Argo" überraschend witzig und hat einige hervorragende Dialoge. Insbesondere John Goodmann und Alan Arkin sind als Hollywood-Duo, das Mendez‘ Plan erst möglich macht, famos – und sie sorgen mit zahlreichen Seitenhieben auf die Filmindustrie für viele Lacher.

Ohnehin ist in "Argo" die Darsteller-Riege überzeugend: Bryan Cranston agiert souverän als Mendez‘ Boss, der ihm den Rücken freihält, und auch Ben Affleck selbst passt erstaunlich gut in die Rolle des CIA-Agenten mit den scheinbar stahlharten Nerven. Dagegen bekommt die iranische Seite nur wenige individuelle Gesichter: das Hausmädchen im Haus des kanadischen Botschafters, der zuständige Mitarbeiter im iranischen Kulturministerium und ein Sicherheitsbeamter am Flughafen bleiben hier die Ausnahme. Dennoch hält sich Ben Affleck mit einer pauschalen Verurteilung der Iraner zurück, obschon er an kritischer Aufarbeitung nicht interessiert ist. "Argo" will in erster Linie unterhalten – und nicht aufklären. Und dieses Ziel erreicht der sehr gute Politthriller im Stile von "Drei Tage des Condor" mit einem eindrucksvollen Produktionsdesign, einer hervorragenden Kameraarbeit, gutem Drehbuch und überzeugender Regie mühelos.

Fazit: Es verwundert wenig, dass "Argo" als Kandidat für die kommende Preisverleihungssaison in den USA gilt. Dieser Film vereint alles: eine sehr gute Crew vor und hinter der Kamera, eine dichte Handlung und beste Unterhaltung. Unbedingt ansehen!





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.