VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Das Kind (2012)


Der mit Mystery-Elementen gespickte Psychothriller "Das Kind" beruht auf dem gleichnamigen Erfolgs-Roman von Sebastian Fitzek aus dem Jahr 2008. Drei Millionen Bücher hat Fitzek, der als deutscher Shooting-Star am Thriller-Roman-Himmel gilt, bis heute bereits verkauft. Es ist davon auszugehen, dass in den kommenden Jahren weitere Verfilmungen seiner Bücher in die Kinos kommen. Inszeniert wurde "Das Kind" von dem ungarischen Schauspieler Zsolt Bács ("Forsthaus Falkenau", "Der Bergdoktor"), der hier seine zweite Regie-Arbeit präsentiert (nach "Esperanza" von 2006). Es handelt sich hierbei um eine rein deutschte Produktion, die sowohl mit deutschen als auch internationalen Schauspielern besetzt wurde. Dabei konnte Bács eine erstaunlich prominente Riege an Darstellern gewinnen, von Eric Roberts über Ben Becker und Clemens Schick über Peter Greene bis hin zu Dieter Hallervorden. "Das Kind" ist ein größtenteils spannender, optisch zwar äußerst ansprechender Thriller geworden, der letztlich aber an seiner allzu wendungsreichen, verwirrenden Story und der gewöhnungsbedürftigen Besetzung scheitert.

Das Gute vorweg: Visuell hat der zweite Film von Zsolt Bács tatsächlich einiges zu bieten: durch die oft in einer Art Braunton gehaltenen Bilder entstehen eine kühle, düstere Atmosphäre und eine allgegenwärtige schauerliche Stimmung, die sich durch den gesamten Film zieht. Durch diese Farbeffekte versucht Bács zudem bewusst, die verschiedenen Wirklichkeitsebenen voneinander zu unterscheiden und abzuheben. Somit wird für den Zuschauer zumeist schon anhand der Farbgebung verschiedener Szene und Sequenzen deutlich, ob es sich um Realität oder Einbildung bzw. Halluzination handelt. Auf optischer Ebene kann "Das Kind" aufgrund seines geheimnisvollen Noir-Looks durchaus mit Hollywood-Produktionen mithalten. Positiv ist zudem, dass sich der Film selbst nicht immer allzu ernst nimmt und mit deftigen, knallharten Sprüchen (vor allem von Kiez-Schläger Ben Becker) tatsächlich auch für einige echte Lacher sorgt.

Dass der Film aber schlussendlich längst nicht auf der ganzen Linie überzeugen kann, liegt vor allem an zwei Umständen: zum einen verlangen die unzähligen Wendungen und zahlreichen narrativen Haken, die der Film schlägt, sowie die verschachtelte Handlung dem Zuschauer einiges an Konzentration und Ausdauer ab. Der Film handelt nicht nur von dem ominösen Jungen Simon, der mit seiner hanebüchenen Geschichte schon alleine für Ratlosigkeit und Konfusion sorgt – nicht nur bei Anwalt Robert Stern, sondern auch beim Zuschauer. Daneben gibt es einen Drohanrufer, der schnell auf den Plan tritt und Robert einen Kontakt zu seinem verstorbenen Sohn in Aussicht stellt. So weit, so gut. Als dann aber auch noch ein Kinderschänderring und ein wahnsinniger Killer auftauchen, ist die Verwirrung komplett. Dieser Umstand ist sicher nicht nur der Inszenierung von Bács, sondern freilich auch der komplexen Romanvorlage geschuldet. Bács hätte aber gut daran getan, einfach einige Handlungsstränge und Szenarien wegzulassen oder zu kürzen um so für mehr Logik und ein höheres Verständnis zu sorgen. Dies hätte aber vermutlich die zahlreichen Fans der Buchverlage extrem verärgert.

Zuletzt enttäuscht der Film noch durch seine höchstens mittelprächtigen schauspielerischen Leistungen. B-Movie-Star Eric Roberts (der Bruder von Julia) ist aufgrund seiner beschränkten darstellerischen Fähigkeiten einfach kaum in der Lage, Emotion und Mitgefühl beim Betrachter hervorzurufen. Den rücksichtslosen Bösewicht mag er – wie in zahlreichen Filmen, vor allem aufgrund seiner groben, harten Gesichtszüge, bewiesen – überzeugend verkörpern, seiner Darstellung eines mürrischen Staranwalts fehlt es jedoch an Kraft und Überzeugung. Ben Becker macht seine Sache als hitzköpfiger Schläger dagegen richtig gut und sorgt als notorischer Sprücheklopfer für den ein oder anderen Lacher. Der Abschuss aber ist Dieter "Didi" Hallervorden als zwielichtiger, perverser Kinderschänder. Was die Macher geritten hat, die Spaßvogel-Legende in einer solchen Rolle zu besetzen, ist im Nachhinein nur schwer nachzuvollziehen. Der von Hallervorden gespielte Pädophile ist in etwa so beängstigend wie Eric Roberts für die Darstellung einer innerlich zerrissenen, psychisch labilen Person geeignet ist: überhaupt nicht.

Fazit: Auf visueller Ebene durch seinen düsteren, atmosphärischen Noir-Look und die Farbeffekte durchaus gelungen, enttäuscht "Das Kind" vor allem durch die verwirrende, schwer nachvollziehbare Story voller Wendungen und die bizarre Besetzung.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.