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Der Schaum der Tage - Plakat
Der Schaum der Tage - Plakat
© Studiocanal

Kritik: Der Schaum der Tage (2013)


Der Titel "Der Schaum der Tage" (L'Écume des jours) scheint anfangs nicht sonderlich aussagekräftig. Sieht man jedoch diesen Film, erschließt sich das Bild: Es ist ein Film wie ein Traum, von dem man getragen wird. Der gleichnamige Roman Boris Vians floppte zwar bei seiner Veröffentlichung 1947, ist aber seit den 60er Jahren bis heute ein generationsübergreifendes Kultbuch in Frankreich.

Paris, in einer Zeit, die sich nicht definieren lässt: Eine surreale Welt voller fantastischer Dinge. Man reist auf einer Wolke durch die Lüfte, die Autos fahren rückwärts und Pianos mixen Cocktails, je nachdem welche Töne man anschlägt. In dieser Welt lebt der wohlhabende Fantast und Tagträumer Colin (Romain Duris). Das einzige, was ihm fehlt, ist die wahre Liebe. Doch auch die ist schnell gefunden, als er auf der Geburtstagsfeier des Pudels einer Freundin auf die wunderschöne Chloé (Audrey Tautou) trifft. Ohne Probleme finden beide zueinander und feiern eine schillernd-schräge Hochzeit. Jedoch bereits auf der Hochzeitsreise erkrankt Chloé - eine Seerose wächst in ihrer Lunge und droht sie zu töten.
Eine weitere Figur ist der Koch Nicolas (Omar Sy), der im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Speisen zubereitet, die ihr Eigenleben führen. Er ist allgegenwärtig und steht mit allen in Verbindung – letztlich so intensiv, dass er die Dinge begreift, ohne dass man ihm explizit davon erzählt.
Chick (Gad Elmaleh) ist Colins bester Freund, ebenfalls Träumer und Poet. Er hat eine obsessive Begeisterung für den Philosophen Jean-Sol Partre (Philippe Torreton), dem er zunehmend wie einer Droge verfällt.
Und so wendet sich der Film mit der zunehmenden Verschlechterung Chloés Zustands. Aus dem hellen fröhlichen Märchen wird zunehmend eine düstere Geschichte, die im filmischen Ausdruck an Tim Burton erinnert. Die Farben verschwinden, die Räume werden enger, die Heiterkeit weicht einer Bedrücktheit. Um die todbringende Seerose zu bekämpfen, muss Chloé ständig mit Blumen bedeckt werden, die schnell anfangen zu welken.

Kultregisseur Michel Gondry ("Vergiss Mein Nicht", "Anleitung zum Träumen") beweist einmal mehr sein Talent, schwer fassbare oder aberwitzig schräge Handlungen auf die Leinwand zu bringen. Während er sich mitunter stark an die Vorlage hält, nimmt er sich an anderer Stelle individuelle Freiheiten. So unter anderem sein Entschluss, die Darsteller in dieser romantisch-traurigen Liebesgeschichte etwas älter als im Roman beschrieben zu wählen, was dazu beiträgt, die Unbekümmertheit zu nehmen und der Geschichte Besonnenheit und Reife zu geben.
Die Anfangsszene hingegen, in der die Fabrik zu sehen ist, in der die Geschichte geschrieben wird, hält sich an die Vorlage. Der große Raum voller Angestellter, die jeweils immer nur einen Satz schreiben, hat beinah etwas fröhlich Kafkaeskes.

Insgesamt gelingt es Gondry, das Gefühlvolle und Fantastische gekonnt in eindrucksvollen Bildern darzustellen. Mit viel Spaß am Detail entführt er den Zuschauer in die Traumwelt des Romans und wird dabei der Vorlage weitgehend gerecht. Mit geschicktem Händchen besetzte er die Rollen mit den derzeitigen Stars des französischen Kinos und so brillieren neben einer gewohnt fabelhaften Audrey Tautou ("Die fabelhafte Welt der Amélie", "Wahnsinnig verliebt") der charmante Romain Duris ("L’auberge espagnole", "Der Auftragslover") und ganz stark Omar Sy ("Ziemlich beste Freunde", "Micmacs – Uns gehört Paris").

Fazit: Kultregisseur Michel Gondry entführt in diesem Film in eine fantastische Welt mit einer elegisch-tragischen Liebesgeschichte. Mit einer Superbesetzung ist das französisches Kino vom Feinsten.





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