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Kritik: Frisch gepresst (2011)


Kann sich noch jemand erinnern? Die alten grauen Zellen reanimieren und in längst vergessenen Zeiten herum stochern, als der Privatsender "Pro Sieben" noch in regelmäßigen Abständen und unter groß anlaufender Werbemaschinerie die "Made by Pro Sieben"- Spielfilme für die Abendzeit präsentierte und dabei fein ausgewähltes TV-Niveau der unterirdischsten Sorte bot, welches nach miserablen Einschaltquoten direkt in das Sonntagmittags-Programm verabschiedet wurden? Ja, das waren noch Zeiten, als "Vorsicht Schwiegermutter", "Macho im Schleudergang" oder "Sex Up – ich könnt schon wieder" auch den letzten Zuschauer klar machte, dass sich Pro Sieben und Co. schon längst als Niveauzäpfchen mit Gehirnerguss zum Tode verurteilt hatte.
Doch auch Pro Sieben erkannte: "Unsere Zielgruppe kann gar nicht so blöd sein, als das sie solch pubertäre Rohrkrepierer der übelsten Sorte sich wirklich anschauen würden." Und so strich die Firmenleitung nach 2007 alle weiteren Produktionen – seit dem gibt es kein "Made By Pro Sieben" mehr - und das ist auch gut so.
Aber nicht alle haben diese Entwicklung mitbekommen. Zum Beispiel die Produktionsfirma Ziegler Cinema, die weiterhin mit der Bratpfanne auf den Intellekt des Zuschauers einprügelt und mit Formaten wie "Doctor's Diary" für Ohnmachtsanfälle und kurzfristige Beerdigungen sorgt. So hatte Marcel Reich-Ranicki ganz recht, als er den Fernsehpreis nicht annahm, um sich statt dessen endlich mal über den erbärmlichen Zustand des deutschen Fernsehens auszulassen.

Doch wen schert das schon, wenn die Kinokassen Profit bescheren? Dabei stellt sich "Frisch gepresst" als eine donnernde Ohrfeige für all die unabhängig und/oder durch Crowdfunding finanzierten Filmemacher heraus, die sich tagtäglich für wenig Geld aufreiben und dann mit ansehen müssen, wie der "Deutsche Filmförderfond", die "Film- und Medienstiftung NRW", die "Filmförderungsanstalt FFA" und das "Medienboard Berlin-Brandenburg" solchen Schund mit Geld unterstützen. Und was dem allen die Krone aufsetzt: Der Film läuft in den Kinos an und hätte noch nicht mal einen Sendeplatz auf Sat1 um 20:15 Uhr an einem spätsommerlichen Samstag Abend verdient. Verdient hat das Werk von Chritine Hartmann nur den Weg zum Schafott. Und diesen Weg tritt der Film ganz von alleine an.

Wo soll man bei einem solchen Film anfangen, wo soll man wieder aufhören? Diese Fragen stellen sich nach gefühlten drei Stunden der puren Langeweile, wenn "Frisch Gepresst" den entnervten Zuschauer nach eigentlich kurzen 90 Minuten wieder entlässt. Der Film von Christine Hartmann möchte lustig sein. Er möchte eine Komödie sein und er möchte unterhalten. Er ist es aber nicht. Punkt. Diese Formulierung, die in ihrer Struktur so platt ist, dass sie eigentlich unverwendbar für eine Kritik ist, passt exakt auf den kommenden deutschen Kino-Film. Es gibt keine Regung, keinen Lacher – noch nicht mal eine versaute Zote oder ein dreckiges Witzchen am Rande, welcher die Stimmung ein wenig aufheitern könnte. Stattdessen findet sich auf Wunsch der Regisseurin Oliver Pocher in der Besetzungsliste wieder, der als sogenannter "Scheibenwischer-Punk" in kurzen Abständen für Heiterkeit sorgen soll, in dem er vor vorbeifahrenden Autos den Hampelmann spielt. Das hat weder etwas mit dem Verlauf des Films zu tun, noch ist es irgendwie witzig. Über das Niveau von Pochers Witzen kann man so oder so streiten – aber man hätte auch Steve Carrell dort hinstellen können: Diese Sidekick-, Running-Gag Masche steigert sich zum Sinnbild des blutleeren deutschen Streifens, der noch nicht mal ein Schmunzeln auf die Lippen des Zuschauer zaubern kann.

Dieses Scheitern liegt nicht nur an der krassen Fehlleistung der Regisseurin und der Drehbuchautoren, die sich nur mit viel Mühe auf Telenovela-Niveau halten, sondern auch an den mangelnden darstellerischen Fähigkeiten der Schauspieler. Die einzige Ausnahme dabei bildet Sylvester Groth, der in der Rolle des treuseligen Hugo ansatzweise funktioniert oder für das Publikum sympathisch wirkt. Besonders Hauptdarstellerin Diana Amft aber riskiert in ihrer eingeengten Rolle als Klischeefrau mit andauernd nervigem Geplänkel und hysterisch-oberflächlichen Emotionen Todesdrohungen. Und Alexander Beyer, der als machohafter Gregor auftritt, merkt man an, wie er mit voller Verachtung seine stumpfsinnigen Sprüche abfeuert und dabei so steif wirkt, wie die tote Tante Käthe, wenn sie nach drei Wochen immer noch nicht gefunden wurde.

Handlungstechnisch geht dem Film alles ab, was ein Streifen solchen Formats braucht. Wie simpel und unoriginell man sich der immer gleichen beziehungstechnischen Rituale und Muster bedienen kann, zeigen die Drehbuchautoren von "Frisch gepresst", die keinem ausgelutschten und schon unzählige Male ausgespuckten Gag aus dem Weg gehen. Ob verschluckter Ehering, abgelaufene Kondome und peinliche Auftritte in der Öffentlichkeit – jedes noch so bescheuerte Fettnäpfchen wird genutzt um es in die Handlung einzubauen.

Man kann durchaus Fan seichter und anspruchslosen Komödien sein ohne sich selbst nicht mehr im Spiegel anschauen zu können – aber "Frisch gepresst" setzt dieser Entwicklung mit seiner schauderhaften Leistung die Krone auf. Wer sich den Film anschaut, sollte sicher gehen, dass die Kinosessel unbequem sind. Hartmanns Film lädt zum schockstarrähnlichen Dauerschlaf ein. Und dann kann man nur noch hoffen, dass man auch wieder aufwacht.

Fazit: Fans der "Made by Pro Sieben" Filme aufgepasst. Der Totalausfall des Jahres - "Frisch gepresst" kommt ab dem 23. August in die Kinos. Man kann nur hoffen das Marcel Reich-Ranicki sich das nicht anschaut. Er würde tot umfallen.





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