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FBW-Bewertung: Die sagenhaften Vier (2018)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Dieser Film zeigt, dass das Märchen ?Die Bremer Stadtmusikanten? der Gebrüder Grimm so etwas wie ein Urmodell der in populären Genres so beliebten Geschichte von den ?Misfits? ist, also von einer Gruppe Außenseiter, die alleine scheitern, aber gemeinsam erfolgreich sind. Übernommen wurde von der Vorlage nur die Grundstruktur und der berühmte Kernsatz: ?Etwas Besseres als den Tod findest du überall?. Ansonsten ist dies eine konsequent modernisierte Version der alten Geschichte: Die Katze wird von einer alleinstehenden Frau fast zu Tode behütet: als Kindersatz leidet sie an Überbehütung und neben ihrenausgestopften Vorgängerinnen steht auf dem Schrank schon ihr Platz bereit. Der Hund hat Angst vor Menschen und ist so als Wachhund ungeeignet. Der Hahn hat alle irdischen Triebe hinter sich gelassen und meditiert auf dem Misthaufen statt dafür zu sorgen, dass die Hühner Küken bekommen. Der Eselist schließlich ein Zirkustier, das sich für ein Zebra hält. Die vier finden sich in einer Kriminalgeschichte wieder, denn die Katze Marnie hält sich für eine Detektivin, weil sie zu viel Fernsehen geschaut hat. Und als in der Umgebung eine Reihe von seltsamen Einbrüchen begangen werden, fürdie man die Tiere verantwortlich machen will, machen sich die vier ungewöhnlichen Freunde gemeinsam auf die Suche nach dem Täter, den sie dann auch spektakulär zur Strecke bringen. Die größte Stärke des Films ist das Drehbuch, das von originellen und witzigen Ideen überquillt und mit dem sowohl das Zielpublikum der Kinder wie auch erwachsene Zuschauer intelligent unterhalten werden. Für die einen gibt es niedliche Tiere, die klüger als die erwachsenen Menschen sind, sowie Fürze in Luftblasen. Für die erwachsenen Zuschauer gibt es dagegen eine Fülle von Zitaten und Bezügen zur modernen Popkultur. So gibt es eine kleine Parodie auf Hitchcocks DER UNSICHTBARE DRITTE, die Heldin in Marnies Lieblings-TV-Serie heißt Uhura wie die afroamerikanische Funkerin in ?Raumschiff Enterprise? und es wird auf den Flügeln eines Doppeldeckers balanciert wie in dem Film THE GREAT WALDO PEPPER. Dabei wird dann auch noch ein kleines Selbstzitat zu dem Kurzfilm ?Balance? in den Film geschmuggelt. Es gibt witzige Dialogsätze wie ?Man baut keine emotionale Verbindung mit dem Essen auf? und kleine Nebengeschichten wie jene von dem Postboten, der einen kleinen Sohn hat und sich in die nervöse Katzenhalterin verliebt. Und die Gebrüder Christoph und Wolfgang Lauenstein wissen als Filmemacher auch, wie wichtig ein guter Schurke ist. Dieser täuscht alle Menschen und nur die Tiere durchschauen ihn - und sein Rollstuhl kann fliegen wie in einem James Bond Film. Es wird auch geschickt mit den Erwartungen gespielt: Lange sind nur drei Tiere die Hauptfiguren und wenn der Esel dann schließlich auftaucht, ist er ein Zebra. Die Computer-Animation erreicht den Standard, der durch US-amerikanische Studioproduktionen gesetzt wird und die Figuren, besonders die vier Helden, sindinspiriert entworfen: sympathisch, komisch und sowohl als Tiere wie auch als Charaktere mit sehr menschlichen Eigenschaften und Eigenartigkeiten überzeugend. Es gibt einige rasant animierte Actionszenen, aber auch ruhige Passagen, sodass der Erzählrhythmus immer kindgerecht bleibt. DIE SAGENHAFTENVIER ist erzählerisch und in der Gestaltung aus einem Guss und auf allen Ebenen außerordentlich gut gelungen. Deshalb wird er mit dem Prädikat ?besonders wertvoll? ausgezeichnet.



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