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Voll abgezockt
Voll abgezockt
© Universal Pictures Germany

Kritik: Voll abgezockt (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der englische Originaltitel "Identity Thief" unterstreicht die zentrale Ausgangsidee des Films überdeutlich. Motor der Handlung ist der von Diana betriebene Identitätsdiebstahl, unter dessen Folgen der grundsympathische Normalbürger Sandy Patterson zu leiden hat. Gerade im digitalen Zeitalter der unbegrenzten Möglichkeiten, in dem immer mehr Menschen persönliche Daten ganz offenherzig preisgeben, erscheint ein solches Thema hochgradig aktuell. Regisseur Seth Gordon und sein Autor Craig Mazin gewinnen dem thematischen Unterbau ihrer Geschichte zwar einige komische Szenen ab, schaffen es darüber hinaus aber nicht, spürbar zu machen, was es wirklich heißt, seiner eigenen Identität beraubt zu werden. Dafür ist "Voll abgezockt" zu sehr als Komödie und Buddy-Movie konzipiert, das seinen Fokus in erster Linie auf eine Aneinanderreihung von Gags und die Unterschiedlichkeit der aus Sandy und Diana bestehenden Reisegemeinschaft wider Willen legt.

Dass die seit Kurzem als komödiantische Allzweckwaffe eingesetzte Melissa McCarthy in der Rolle der hemmungslosen Kreditkartenbetrügerin zu sehen ist, macht einen Großteil der Komik aus. Nicht nur ihr Charakter unterscheidet sich augenscheinlich von Sandys Persönlichkeit, auch ihr äußeres Erscheinungsbild setzt einen gewollten Kontrapunkt. Viele Witze entstehen erst durch die überdeutliche Betonung von McCarthys nicht unbeträchtlicher Körperfülle. Beispielsweise wenn sie bei ihrem ersten Treffen mit Sandy zu Fuß fliehen will, von ihm aber sofort eingeholt wird, da sie einfach zu langsam ist. Obwohl es eine ganze Reihe von Szenen gibt, die mit einem solch platten Humor operieren, ist die ungewöhnliche Reise der beiden ständig streitenden Hauptfiguren zumindest stellenweise unterhaltsam.

Dass der Film insgesamt jedoch einen enttäuschenden Eindruck hinterlässt, liegt vor allem am wenig inspirierten Drehbuch. Auch wenn Sandy durch den Identitätsklau sicherlich in Schwierigkeiten gebracht wird, erscheint der für seine ansonsten so angepasste Figur sehr überraschende Entschluss, das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, nur unzureichend motiviert. Die Argumentation der Behörden, warum man ihm in seiner misslichen Lage nur schwer helfen könne, ist alles andere als glaubwürdig. Umso ungeschickter ist es dann, diesen dramaturgischen Schwachpunkt breit ausgetreten zu diskutieren. Im letzten Drittel des Films erlaubt sich Drehbuchautor Mazin eine, wie es scheint, unvermeidliche platte und sentimentale Erklärung für Dianas bisher so rücksichtsloses Verhalten. Auch ihre anschließende Läuterung erscheint eher brachial herbeikonstruiert, als wirklich aus der Figur heraus entwickelt. Glücklicherweise darf Diana gewisse Eigenschaften ihres Charakters aber trotzdem beibehalten. So läuft zumindest nicht alles auf ein vollkommen strahlendes Happy End hinaus.

Fazit: "Voll abgezockt" präsentiert sich als dramaturgisch unausgereifte, nur stellenweise amüsante Buddy-Komödie, die keine tiefergehenden Erkenntnisse zur hoch aktuellen Thematik des Identitätsdiebstahls liefert.




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