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Messner - Poster
Messner - Poster
© Movienet © 24 Bilder

Kritik: Messner (2011)


"Messner" will die entscheidenden Etappen im Leben des Bergsteigers Reinhold Messner aufzeigen und versucht zu ergründen, woher dessen unerschütterlicher Ehrgeiz stammt, sich immer wieder zu übertreffen und bis an die Grenzen des Möglichen zu gehen. Mit einer Mischung aus Gesprächen mit Messner selbst, epischen Landschaftsaufnahmen und seltenen Archivbildern, gelingt Regisseur Nickel ein umfassendes, stimmiges und alles in allem hochinteressantes Porträt eines Mannes, der wie kein Zweiter neben all seinen großen Erfolge auch immer wieder polarisierte. Ergänzt wird dieser Mix zudem durch inszenierte Szene und nachgestellte Sequenzen, die in erster Linie Messners Kindheit und Jugend in den Südtiroler Alpen nachzeichnen.

Von der Kindheit Messners in Villnöß, einer kleinen Südtiroler Gemeinde, bis zur Gegenwart zeichnet der Film ein aufschlussreiches Bild der Bergsteiger-Legende und berücksichtigt die wichtigsten Stationen in Messners ereignisreichem Leben: von den ersten Klettertourten als kleiner Junge mit dem Vater, der tragischen Nanga Parbat-Expedition von 1970, bei der sein Bruder Günther ums Leben kam, bis hin zu den Besteigungen aller vierzehn Achttausender zwischen 1970 und 1986. Der Zuschauer lernt zu Beginn einen mutigen, aufgeweckten Jungen kennen, der mit seinen Geschwistern in einer kleinen, 2500 Menschen zählenden Gemeinde in einfachsten Verhältnissen aufwuchs. Schon früh stand für den kleinen Reinhold fest, dass er Bergsteiger werden will. Sein unbändiger Freiheitsdrang sorgte dafür, dass er sich zu den weißen Riesen hingezogen fühlte. Der Wunsch, mehr von der Welt hinter seinem Heimatdorf zu sehen prägte sich immer mehr aus, sodass er schließlich mit dem Bergsteigen begann. Messner selbst berichtet emotional und packend von diesen Anfängen und ersten Jahren als Kletterer, in denen er vor allem durch seine Leistungen in den Alpen auf sich aufmerksam machte (Messner führte bis 1964 über 500 Klettertouren, meist in den Dolomiten, durch).

Bald begann er damit, ohne gesicherte Ausrüstung die höchsten Gipfel zu erklimmen. Seine Projekte und Besteigungen wurden immer waghalsiger und gefährlicher. Ab 1970 widmete sich Messner dann mit der Besteigung des Nanga Parbat den Achttausendern. Besonders eindringlich gestalten sich an dieser Stelle die beeindruckenden Archivaufnahmen aus den 70er- und 80er-Jahren, die Messner z.B. bei seiner Nanga Parbat-Expedition 1970 zeigen. Die Originalaufnahmen sind eine große Stärke des Films, sie sorgen für Authentizität und Nostalgie. Die meiste Zeit liegt über den Szenen der Off-Kommentar von Messner selbst, was eine richtige Entscheidung von Regisseur Nickel war, da niemand so ausführlich und breit von den Abenteuern berichten kann wie Messner, ein stets unmittelbar Beteiligter. Die nachgestellten Szenen sind gelungen und bemühen sich hinsichtlich der Ausstattung und Atmosphäre, die Lebensverhältnisse der damalige Zeit detailgenau und exakt wiederzugeben. Zwischen all den Interviews und Gesprächen mit der Hauptfigur, den Spielszenen sowie den Archivaufnahmen, streut Nickel auch immer wieder imposante Bilder der mächtigen Bergwelten ein. Weite Teile dieser Aufnahmen entstanden in einer Höhe von über 8000 Metern und vermitteln ein umfangreiches, visuell beeindruckendes Bild dieser – für die meisten Menschen – fremden Welt. Prächtige Aufnahmen verschneiter Bergwelten sowie die spektakulären Kamerafahrten durch Schluchten und Gletscher setzen die optischen Glanzpunkte in diesem Film.

Bei all der Darstellung und Veranschaulichung der großen Erfolge und der durch Messner aufgestellten Rekorde, spart der Film auch kritische Stimmen nicht aus. So kommt etwa ein Weggefährte von Messner zu Wort, der ihn als "schwierige Persönlichkeit" bezeichnet und nicht gerade sparsam mit seinen Beschimpfungen umgeht. "Maßlose Eitelkeit", "keine Ehrfurcht vor der Natur" und ein fehlender Glaube an den "Herrgott" werden Messner hier vorgeworfen, der mit seinen Abenteuern mindestens ebenso polarisierte wie begeisterte. Positiv ist zudem, dass sich "Messner" auch ausgiebig dem dunkelsten Kapitel im Leben des Bergsteigers widmet: dem Verlust des Bruders am Nanga Parbat.

Fazit: "Messner" zeichnet mit imposanten Landschaftbildern, aufschlussreichen Interviews und seltenen Originalaufnahmen ein umfassendes und spannendes Bild eines der größten Bergsteigers und Abenteurers aller Zeiten.





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