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Mavericks - Lebe Deinen Traum
Mavericks - Lebe Deinen Traum
© Senator Film

Kritik: Mavericks - Lebe Deinen Traum (2012)


Es gibt Filme, die sind wie eine Schale Kneipen-Erdnüsse. Sie stehen da, lächeln dich freundlich an, du nimmst davon, es tut keinem weh, du nimmst mehr davon, es interessiert niemanden und schließlich stopfst und mampfst du sie in dich hinein, bis man am Ende merkt: Eigentlich hat man diesen Zuschuss an Fett echt nicht gebraucht. So befriedigend ist das ganze nicht. Aber schließlich ist es leicht zu konsumieren, sagt das Gewissen. Ein zufriedenes Glucksen. Barkeeper, füll mal nach. Vorführer, leg noch einen Streifen ein! Curtis Hansons und Michael Apteds neues Sportdrama "Mavericks" zählt zu einer Unterkategorie dieser Erdnussfilme. Denn ihr Werk ist mit einer speziellen Glasur ummantelt, versüßt werden soll das Angebot. Sie sehen verlockend gut aus und riechen auch so.
Doch ganz tief unter der schmackhaften Schale verbirgt sich ein bitterer Nachgeschmack, der vergessen lässt, dass man von Erdnussfilmen eben auch mal ein paar mehr konsumieren kann. Lieber würde man schnell aufs Klo rennen, den Mund ausspülen und verflucht noch mal nicht mehr daran denken.

Im Falle von Hansons und Apteds neustem Surfer-Film ist die auf einer wahren Begebenheit beruhenden Geschichte um einen jungen Wellenreiter die Erdnuss, bei der man gerne zugreift. Wahre Begebenheit, klingelt es im Ohr. Ein so schönes Wort. Gerade für den Film. Als Glasurbeauftragter geht Gerald Butler auf Werbetour, der damit "Mavericks" zu einem Erdnusserlebnis der ganz besonderen Sorte macht. "Mavericks" will ganz leicht verdaulich sein, etwas über Freundschaft und ihre Nährwerte aussagen, verfängt sich aber in einer miesepetrigen Kleinkleinarbeit, die extrem schwer im Magen liegt. Grund dafür: Das Herstellungsland.

Wenn ein Film auf wahren Begebenheiten beruht, kann man ihm nicht vorwerfen, dass er realitätsfern ist. So jedenfalls eine einfache These, die auch gleich den Charme eines solchen Films unterstreichen soll. Denn dann ist es keine Flucht mehr vor der Realität, sondern das Abbild dieser. Was aber nicht bedeuten soll, dass niemand dramaturgische Schrauben anzieht oder dass das Gesetz bestehe, dass ein guter Film daraus resultieren muss. Für "Maverick" trifft dies alles zu, denn der Film verzichtet bewusst darauf, amerikanisches Pathos-Kino um Freundschaft, Vaterschaft und Durchhaltewille von einer bewegenden Sportkarriere, die viel zu früh endete, zu trennen.

Den eigentlichen Hauptteil der Biographie, der tragische und viel zu frühe Tod des Sportlers Jay Moriarity, der sich mit jungen Jahren schon zu einer Surfikone mauserte, wird mit einem Fingerwisch, einem belanglosen Dialogfetzen abgetan. Butlers uninspirierter Monolog endet mit dem Satz. "Wer seine Grenzen erreicht, überschreitet sie auch manchmal." Ein Schnitt, ein traurig dreinblickender Leonidas-Darsteller. Aus. Hauptdarsteller: tot.
Damit wird man weder einer Biographie gerecht noch den Ansprüchen an einen ordentlichen Kinofilm. Das ist dramaturgisch ein totaler Reinfall und der Beweis, dass es den Produzenten im Hintergrund nicht um die authentische Darstellung eines Lebens, sondern nur um die der leckersten Früchte einer Karriere geht. "Mavericks" entbehrt jeden Anspruch an eine allgemeine Biografie. Er pickt sich heraus, was berührt, nämlich all dass, was den Zuschauer davon überzeugen kann, dass sich Mühe und Ehrgeiz noch lohnen und das man sein Ziel erreichen kann, egal wie hoch die Wellen schlagen. Doch ein Abbild der Realität ist das nicht, es ist lediglich feiges Ausnutzen großer Sternstunden für einen rührseligen, handwerklich grauenhaften und hölzernen Sportfilm. Diese Erdnuss ist ekelhaft.

Schwer nachvollziehbar bleibt die belanglose, dilettantische Charakterzeichnung aller Figuren. Gerald Butler alias Rick "Frosty" Hesson, der als introvertierter, in sich gekehrter Familienmensch vor lauter in sich hineingefressene Trauer um den frühen Tod seiner Eltern seine eigenen Kinder auf Distanz hält, lässt seinen Lehrling Jay in Sachen stumpfsinniger, mit einem Schlagbohrer gemeißelter Charakterzeichnung verblassen. Jay knabbert lediglich an seiner Vater-Psychose, wie er seine Rabenmutter zum Arbeiten bewegen muss, während er sich in einem Pizza-Lokal abrackernd zusehen darf, dass seine große Liebe ihn nur als guten Freund haben will. In der Öffentlichkeit aber nicht. Na klar.

Was den Film aber nicht zwangsläufig scheitern ließe. Dies geschieht erst durch die mangelnde Fähigkeit eine Geschichte in einer sinnigen Abfolge schlüssiger Szenen zu erzählen. Ganze Handlungsstränge werden zur Seite verfrachtet, während spektakuläre Wendungen jegliche Zugänglichkeit zu diesem Film unmöglich machen. Nebenfiguren, wie zum Beispiel Mama Moriarity, erscheinen aus dem Nichts als Super-Mama, während Jays bester Freund für kurze Zeit die Seiten wechselt, um dann wie ein geschlagener Hund an die Seite des Surfers zurückzukehren. Wieso das Ganze?

Fazit: Als Surffilm kann "Mavericks" standhalten, weil er genau das bietet, was ein Surffilm bieten muss - grandiose Bilder, große Wellen und viele Neoprenanzüge. Doch innerhalb dieses Anzuges befindet sich nur Luft - als Biopic disqualifiziert sich "Mavericks" trotz einer gewaltigen Kulisse, trotz guter Darsteller mit der Spiellaufzeit zunehmend.





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