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Kritik: Am Strand (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der theatererfahrene Brite Dominic Cooke legt mit "Am Strand" sein filmisches Regiedebüt vor – und hat für seinen Leinwand-Einstand ein überaus ambitioniertes Projekt gewählt: Das Werk ist eine Adaption der 2007 veröffentlichten, gleichnamigen Novelle von Ian McEwan, welche für den Booker Prize nominiert war und von der Kritik gefeiert wurde. Die fünf Kapitel umfassende Arbeit von McEwan zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie präzise Worte für die Gedanken und Gefühle zweier Menschen findet, die beide selbst völlig sprachlos angesichts ihrer Lage sind. Der audiovisuellen Umsetzung muss es nun gelingen, dies in Bildern sowie in musikalischer Untermalung und Dialogen zu vermitteln – und darin erweisen sich Cooke und dessen Team als äußerst erfolgreich.

"Am Strand" schildert eine Begebenheit, die sich in den 1960er Jahren in einem Flitterwochenhotel an der englischen Küste ereignet. Hinzu kommen Rückblenden, die den Hintergrund der Hauptfiguren Edward und Florence beleuchten. Die Verquickung der Erzählebenen funktioniert hervorragend; die geschickte Kameraführung sowie die elegante Montage verhindern, dass dem Film etwas Kammerspielhaft-Steifes anhaftet, obwohl sich die Rahmenhandlung zunächst an einem einzigen Ort zuträgt. Ohne unnötige Erklärungen vermag die Inszenierung die Kernproblematik zu treffen; uns wird die Rat- und Hilflosigkeit des zentralen, jungen Paares begreif- und spürbar gemacht. Edward und Florence sind in Bezug auf Sexualität gänzlich unwissend und können mit dem Erwartungsdruck der Hochzeitsnacht nicht umgehen. Einerseits wird dies stimmig mit der Biografie sowie mit der damaligen Mentalität in Verbindung gebracht, andererseits hat die tragische Geschichte auch etwas Zeitloses, da sie von Ängsten und Zuständen einer innerlichen Zerrissenheit erzählt, die uns heute ebenso bekannt sind.

Saoirse Ronan, die bereits in der McEwan-Verfilmung "Abbitte" glänzte und jüngst in der Coming-of-Age-Dramödie "Lady Bird" zu begeistern wusste, bringt die psychische Verfassung von Florence gewohnt nuancenreich zum Ausdruck; überdies ist das Zusammenspiel zwischen ihr und Billy Howle in der Rolle des linkischen Edward wunderbar. Die Zärtlichkeit des Kennenlernens, die Überschwänglichkeit des Verliebt-Seins und die Last des Zweifelns an sich selbst sowie an der gemeinsamen Beziehung – all das interpretieren die beiden mit großem Einfühlungsvermögen.

Fazit: Eine gekonnte Leinwand-Adaption von Ian McEwans literarischer Vorlage mit einem exzellenten Duo in den Hauptrollen.




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