VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Das kalte Herz
Das kalte Herz
© Weltkino Filmverleih

Kritik: Das kalte Herz (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Das kalte Herz" beruht auf der gleichnamigen Sage des Romantik-Schriftstellers Wilhelm Hauff und erschien 1827 im Rahmen seines Märchenbandes "Das Wirtshaus im Spessart". Schon oft wurde der Stoff für die große Leinwand verfilmt, u.a. 1950 vom DDR-Filmproduktions-Studio DEFA. Dieser Film begründete damals die Phase der erfolgreichen Kinderfilm-Produktionen in der DDR in den 50er- und 60er-Jahren. Gedreht wurde die neueste Verfilmung u.a. im Elbsandsteingebirge nahe Tschechien und im Schwarzwald. Bei dem prominent besetzten Film führte Johannes Naber Regie, der vor zwei Jahren mit der Kapitalismus-kritischen Tragikomödie "Zeit der Kannibalen" seinen Durchbruch feierte.

"Das kalte Herz" lebt von seiner dunklen Atmosphäre und der unheimlich-bedrohlichen Stimmung, die aber zu keinem Zeitpunkt so schauerlich-düster ausfällt, dass sich jüngere Jugendliche im Alter von zwölf, dreizehn Jahren – für die der Film auch gemacht ist – zu sehr ängstigen werden. Die gelungene Stimmung und Atmosphäre werden vor allem durch das detailreiche Setting mit ihren wahrhaftigen Kulissen und die anmutige Optik erzeugt. Dies gelingt hier so eindrucksvoll, da die meisten der Szenen, die im Freien angesiedelt sind, tatsächlich auch dort gedreht wurden: in der Natur und nicht in künstlichen Studiokulissen.

Regisseur Johannes Naber unterfüttert den Film mit entsprechendem Gegenwartsbezug, indem er die Natur als schützenswertes Gut darstellt, das vergänglich ist und durch den Menschen bedroht wird. In erster Linie die Figur des Glasmännchens (hinter Buschmenschen-Bemalung versteckt und mit verzerrter, gnom-artiger Stimme kaum wiederzuerkennen: Milan Peschel) äußert diesen Gedanken des Öfteren bzw. verweist darauf. Dabei handelt es sich um eine Art Waldgeist, der jedem, der an einem Sonntag geboren ist und einen bestimmten Vers aufsagt, drei Wünsche erfüllt.

Des weiteren will "Das kalte Herz" natürlich auch auf die negativen Folgen von Gier, Habsucht und Triebhaftigkeit aufmerksam machen, wobei die Kritik daran nicht gerade subversiv und überraschend geäußert wird. Im Gegenteil: es ist – wenn sich Peter allmählich in einen rücksichts- und skrupellosen Mann verwandelt – der wichtigste Teil der Geschichte und Handlung. Im Laufe der Zeit erkennt er, dass er mit einem Herz aus Stein nicht leben kann und will. Doch es muss erst zu einem schlimmen Ereignis kommen, ehe er sich dessen vollends bewusst wird. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist Moritz Bleibtreu in der Rolle des fiesen Holländer-Michel, vor dem man sich einfach nicht so recht fürchten mag, da kann sich Bleibtreu noch so sehr bemühen und anstrengen. Da schaffen leider auch die verschmierte Indianer-Bemalung und die bei ihm in der Höhle hängenden, noch pochenden Menschen-Herzen keine Abhilfe.

Fazit: Obwohl nicht alle Rollen passend besetzt sind und die Hauptbotschaft nicht sehr subversiv vermittelt wird, ist "Das kalte Herz" ein gelungener da optisch betörender deutscher Genre-Beitrag mit detailreichen Kulissen und einer sehenswerten Ausstattung.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.