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Kritik: Deine Juliet (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Britische Dramen, zumal solche, die in der Provinz spielen, zeichnen sich oft durch ein humorvolles, sanftes Kolorit aus. Mit Charakteren, die entweder nur sympathisch oder auch exzentrisch sind, wird die Liebe zur Heimat und die Kraft der Gemeinschaft gepriesen. In dieser von Mike Newell ("Vier Hochzeiten und ein Todesfall") inszenierten Verfilmung des gleichnamigen Romans von Mary Ann Shaffer und Annie Barrows sehnt sich eine junge Londonerin, die ihre Eltern im Krieg verlor, nach Zugehörigkeit. Im Nachkriegsjahr 1946 lernt sie auf der Insel Guernsey Menschen kennen, deren Wunden aus der Zeit der deutschen Besatzung noch längst nicht geheilt sind. Sie erfährt, wie eine kleine Gemeinschaft im Krieg innere Widerstandskraft aufbaute. Und sie will herausfinden, wohin es die Buchclubgründerin Elizabeth verschlug, die von den Deutschen verschleppt wurde.

Sich der Geschichte der eigenen Familie und des Umfelds zu besinnen, durch die der Zweite Weltkrieg dicke schwarze Striche zog, ist für die Londonerin Juliet, aber auch für die Buchclub-Mitglieder auf Guernsey eine Form der seelischen Heilung. Sie entspricht dem Wiederaufbau, der in England in vollem Gange ist. Doch der Farmer Dawsey, zu dem sich die frisch mit Mark Verlobte hingezogen fühlt, und die anderen Inselbewohner reagieren zunächst sehr reserviert. Der Prozess der langsamen Annäherung wird reizvoll geschildert, wobei, wie so oft in britischen Filmen, jeder einzelne Charakter sorgsam konturiert und ausgemalt ist. Juliet bietet der Schauspielerin Lily James eine Paraderolle als aufgeweckte, grundsympathische englische Identifikationsfigur. Die Nebenfiguren dürfen eigenwilliger oder spleeniger sein, etwa die seelisch verletzte Amelia (Penelope Wilton), oder Isola (Katherine Parkinson), die Juliets Freundin wird.

Besondere Würze verleiht dieser die Kriegszeit differenziert aufarbeitenden Geschichte das romantische Dreieck um Juliet und ihre beiden Verehrer. Dass Newell ein Profi ist, merkt man allein schon an der spannenden Art, wie er das Aufeinandertreffen des Trios inszeniert. Da wirkt nichts übertrieben oder klischeehaft, obwohl die Charaktere Mühe haben, ihren Aufruhr zu kontrollieren. Die raue Küstenlandschaft, die lieblichen Wiesen und die Enge der alten Siedlungen spiegeln die reiche Atmosphäre des Dramas, das auch sehr ansprechend im Stil der Epoche ausgestattet ist.

Fazit: Unter der Regie von Mike Newell entfaltet diese Romanverfilmung, die zurück in die Zeit des Krieges und Wiederaufbaus in England blickt, ihre Reize sehr ansprechend. Mit der sympathischen Lily James in der Hauptrolle, eigenwilligen Nebenfiguren, Romantik, landestypischem Humor und viel Zeitkolorit ist ein britischer Heimatfilm gelungen, der Charme und Köpfchen besitzt. Die Vergangenheitsbewältigung, die ein Buchclub auf Guernsey und sein Londoner Gast nach dem Krieg gemeinsam in Angriff nehmen, wird auf bewegende, unterhaltsame und glaubwürdige Weise geschildert.




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