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Die Nacht der Giraffe - Plakat
Die Nacht der Giraffe - Plakat
© Neue Visionen

Kritik: Die Nacht der Giraffe (2011)


Lana (jung gespielt von Klarysa Aurelia) wird als junges Mädchen von ihrem Vater im Zoo ausgesetzt. Die Tierpfleger nehmen das Mädchen im Zoo auf und ziehen es groß. So wächst Lana – stets von den unterschiedlichsten Tieren aller Art umgeben und eng mit der Natur verbunden – zu einer jungen Frau heran (nun verkörpert von Ladya Cheryl). Giraffe, Nilpferd und Nashorn sind hier dabei vertrauter als die vielen Besucher, die tagtäglich in den Zoo kommen. Eines Tages taucht ein junger, charismatischer, als Cowboy verkleideter Mann (Nicholas Saputra) im Zoo auf, der sein Geld als Zauberer verdient. Für Lana ist es Liebe auf den ersten Blick. Der Cowboy kann Lana dazu bewegen, den Zoo mit ihm zu verlassen. Zum ersten Mal verlässt Lana ihre gewohnte Umgebung und wagt sich in die Unsicherheit der großen Stadt. Die Beiden verbringen eine glückliche Zeit miteinander, bis der geheimnisvolle Magier bei einem seiner Zaubertricks plötzlich in einer Rauchwolke verschwindet. Lana ist verzweifelt und sehnt sich nach ihrem alten Zuhause und den Tieren. Dennoch tritt sie einen Job in einem Erotik-Massagestudio in der Stadt an. Doch dann werden Heimweh und Sehnsucht so unerträglich, dass sie sich auf den Weg zurück macht – zurück auf die Suche nach ihrem Zuhause.

„Die Nacht der Giraffe“ ist der zweite Spielfilm des indonesischen Filmemachers Edwin. Wie schon bei seinem von der Kritik gefeierten Debüt „The blind Pig who wants to fly“ verschmelzen auch bei „Die Nacht der Giraffe“ die Grenzen zwischen Traum und Realität. Lässt man sich auf die ergreifende Geschichte der im Zoo aufgewachsenen Lana ein, erlebt man ein märchenhaftes, buntes und manchmal sogar surreal anmutendes Drama, das sich vor allem Cineasten und Freunde kleiner aber feiner Kino-Kost nicht entgehen lassen sollten. Die beiden Hauptdarsteller Ladya Cheryl und Nicholas Saputra standen vor einigen Jahren bereits gemeinsam in „What’s With Love“ vor der Kamera, der bis heute in Indonesien als einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten gilt.

Die Grundvoraussetzung, die man erfüllen muss, um diesen magischen Film genießen zu können, ist, dass man sich als Zuschauer ganz auf die märchenhafte Story einlässt und darauf verzichtet, nach Sinn und Logik zu fragen. Denn dies gibt es in dem ein wenig verwirrenden aber faszinierenden Film von Edwin praktisch nicht. Im Zentrum steht die kleine Lana, die – nachdem sie von ihrem Vater ausgesetzt wurde – in einem indonesischen Zoo inmitten von wilden und exotischen Tieren aufgewachsen ist. Ebenso wie die Tiere hat auch Lana keine Ahnung von der großen, weiten Welt außerhalb der Zoomauern, die Lana bis heute nicht verlassen hat. So sehr die Mauern sie von der realen Welt mit all den anderen Menschen und einem gewöhnlichen Leben fernhalten, so sicher fühlt sich Lana in ihrem Zoo, der ihr Schutz und Sicherheit bietet. Inmitten all der ungewöhnlichen, bunten Lebewesen, lebt sie in einer surreal anmutenden Umgebung, die für sie – ebenso wie für den Zuschauer – zu einem Sehnsuchtsort wird. In dieser kleinen Welt ist alles möglich, die Grenzen zwischen Realität und Traum scheinen zu verschwimmen.

Ein (keinesfalls negativer) Bruch im Film ergibt sich, als der mysteriöse Cowboy auftaucht und Lana die Möglichkeit gibt, zum ersten Mal der gewohnten Umgebung und der sicheren Vertrautheit des Zoos zu entfliehen. Zauberhaft gestaltet sich hier vor allem die erste Begegnung zwischen den Beiden, für die Regisseur Edwin traumwandlerische, magische Bilder findet. Durch diese Begegnung wird Lana aber auch bald deutlich, dass sie mit ihren animalischen Gefährten vor allem eines gemeinsam hat: das Leben im Zoo kommt ihr zunehmend als Gefängnis vor und sie will die unbekannte Welt draußen kennenlernen. Auffällig bei „Die Nacht der Giraffe“ ist auch, dass es nur wenige und sorgsam eingesetzte Dialoge braucht, um die zauberhafte Geschichte zur Entfaltung zu bringen. Hierfür steht die dialogarme, berauschende Szene der ersten Begegnung zwischen Lana und dem Cowboy stellvertretend für den ganzen Film. Die Frage nach der Logik und Sinnhaftigkeit stellt „Die Nacht der Giraffe“ dabei zu keinem Zeitpunkt. Weder fragt Regisseur Edwin nach der Herkunft des Cowboys noch nach dem Grund für seine Zauberfähigkeiten. Es ist gut, dass der Film all diese Punkte und die Frage nach der logischen Erklärung für all die kuriosen und wunderlichen Geschehnisse nicht näher beleuchtet, handelt es sich bei „Die Nacht der Giraffe“ doch in erster Linie um ein Märchen. Und Märchen müssen nicht logisch sein.

Fazit: „Die Nacht der Giraffe“ ist ein märchenhaftes, buntes Kino-Juwel mit einer ebenso außergewöhnlichen wie faszinierenden Geschichte. Jedoch bedarf es der uneingeschränkten Bereitschaft des Zuschauers, sich voll und ganz auf den Film und seine ungewöhnliche Story einzulassen.




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