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Entre les Bras - 3 Sterne. 2 Generationen. 1 Küche. -...oster
Entre les Bras - 3 Sterne. 2 Generationen. 1 Küche. - Poster
© Real Fiction © mindjazz pictures

Kritik: Entre les Bras - 3 Sterne. 2 Generationen. 1 Küche. (2011)


Der französische Drei-Sterne-Koch Michel Bras zählt weltweit zu den bekanntesten und bedeutendsten Köchen, der es wie kaum ein Zweiter versteht, Gerichte und Speisen aus regionalen Zutaten und heimischen Produkten zu kreieren. Der 1946 in der Region Aubrac im Süden Frankreichs geborene Bras ist Autoditakt, brachte sich das Kochen zu großen Teilen selbst bei und schuf sich im Laufe der Jahre seine eigene kulinarische Welt. 1992 eröffnete er sein eigenes Restaurant, das seit 1999 drei Michelin-Sterne trägt und vor wenigen Jahren von einem britischen Fachmagazin zum siebtbesten Restaurant der Welt gewählt wurde. Das berühmte Restaurant "Michel Bras" liegt idyllisch auf einem Hochplateau in Aubrac, das während der Hochsaison im Sommer 60 Mitarbeiter beschäftigt, darunter Michel Bras’ Ehefrau und sein Sohn. Hier verzaubern die "Künstler" am Herd ihre Gäste mit Gerichten, die in ihrer sorgfältigen Komposition und Optik wahren Kunstwerken gleichen.

Der Sohn von Michel Bras, Sébastien, spielt auch eine entscheidende Rolle in der ersten Langspiel-Dokumentation des Regisseurs Paul Lacoste, die unter dem Namen "Entre les Bras" nun auch in den deutschen Kinos startet. Das Jahr 2009 markierte einen entscheidenden Wendepunkt im Leben von Vater und Sohn Bras. In diesem Jahr übergab der Gründer und Besitzer des Restaurants, Michel Bras, seinem Sohn das Familiengeschäft. Auf sensible und intensive Weise schildert der Film "Entre les Bras" den Prozess der Übernahme des Restaurants durch den Sohn. Der Film, der die Beiden ein Jahr lang hautnah begleitete, beleuchtet aber nicht nur diesen entscheidenden Einschnitt im Leben der beiden Meisterköche sondern wirft auch einen spannenden Blick hinter die Kulissen eines weltberühmten Restaurants. Und nicht zuletzt versteht sich "Entre les Bras" auch als Hommage an die traumhafte Atmosphäre und Idylle der Region Aubrac.

Regisseur Paul Lacoste gelingt mit seiner Dokumentation "Entre les Bras" ein filmischer Genuss für das Auge. Mit seiner Kamera ist er stets ganz dicht bei Michel Bras und Sohn Sébastien und beobachtet die Beiden bei ihren kulinarischen Künsten und Experimenten. Das Restaurant "Michel Bras" ist berühmt für die Verwendung vor allem regionaler Zutaten und Lebensmittel, die von Vater und Sohn kunstvoll zu stilvollen und harmonischen Speisen verarbeitet werden. Das Ergebnis sind nicht einfach nur Gerichte, sondern wahre Kunstwerke, und dem Zuschauer läuft bei deren Anblick das Wasser im Mund zusammen. Man sieht verschiedene, bunte Soßen, die über das frischeste Gemüse und das reifste Obst gegossen werden. Garniert mit unterschiedlichen, seltenen Kräutern wird das Gericht am Ende mit einem ästhetisch zurechtgeschnittenen Rosenblatt formvollendet. Dem Zuschauer wird der Wahrheitshegalt der Floskel "Das Auge isst mit" spätestens jetzt klar. "Entre les bras" zeigt in diesen Momenten eindrucksvoll, dass Vater und Sohn Kochen als wahre Kunst und ihre Speisen als Kunstwerke ansehen. Michel und Sébastien Bras verschmelzen mit ihrer Arbeit und als Zuschauer bekommt man eindrucksvoll vor Augen geführt, mit welcher Leidenschaft und Hingabe sie ihr Werk verrichten.
"Entre les bras" skizziert aber auch den Werdegang der beiden "Hauptdarsteller". Mit Fleiß und Ausdauer brachte es der junge Michel Bras schnell bis ganz nach oben, als Autodidakt eignete er sich einen Großteil seiner kulinarischen Fertig- und Fähigkeiten selbst an. Der Film erzählt davon, wie er sich seine Künste aneignete, wie seine Frau, die er jung geheiratet hat, den Service im eigenen Restaurant übernahm und dass Sohn Sébastien schon früh eine ähnliche Lust auf Kochen und Küche entwickelte wie der Vater. Wie Michel wuchs auch Sébastien mit der Landwirtschaft des Großvaters und dem Gasthof der Familie auf. Sein Weg war schon früh vorgezeichnet. Regisseur Lacoste lässt in seiner Dokumentation fast die komplette Familie zu Wort kommen, um einen Einblick in Entwicklung und Geschichte der beiden Spitzenköche und des Restaurants zu gewähren. Diese subjektiven An- und Einsichten der Familie sind dabei stets unterhaltsam, frisch und hochinteressant geraten. "Entre les bras" lässt Sébastiens Großeltern über die frühe Leidenschaft des Enkels für die Gastronomie reflektieren und holt auch von seiner Mutter und Ehefrau Informationen und Kommentare über die Familienwerte und den Werdegang der Köche ein.

Neben den aufschlussreichen, informativen Einblicken in die Kochkunst von Vater und Sohn sowie in Familienalbum und –chronik, sind es auch die großartigen Eindrücke der entzückenden Bergidylle der Aubrac, die von der Kamera in schwelgerischen, fast elegischen Bildern eingefangen wird. Und so begleitet der Kinobesucher die langen Kamerafahrten durch die endlose Landschaft mit den weichen Hügeln und verharrt auf den saftig grünen Wiesen, Weiden und Bächen.

Fazit: "Entre les Bras" ist eine ebenso unterhaltsame wie informative Dokumentation über zwei Spitzenköche und ihre Geschichte mit wahrhaft sinnlichen, berauschenden Eindrücken und Einblicken in die Kunst des Kochens.





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