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Kritik: Kid-Thing (2012)


In der Gegend um Austin lebt die zehnjährige Annie (Sydney Aguirre) allein mit ihrem Vater auf einer Farm. Nachdem ihre Schule wegen eines Gas-Lecks vorübergehend schließen musste, ist sie den ganzen Tag sich selbst überlassen. Ihr Vater (Nathan Zeller) kümmert sich lieber um seine Ziegen oder hypnotisiert Hühner. Daher streunt Annie im Haus umher, zieht blind irgendwelche Bücher aus den Regalen und lässt sie auf den Boden fallen, stiehlt im Einkaufsladen Süßigkeiten, schmeißt Teigklumpen auf Autos und zerstört die Reste eines Baumes. Annie ist ein einsames und rebellisches Kind, das anscheinend keine Freunde hat und keinen Menschen, der sich wirklich für sie interessiert. Eindrucksvoll spielt Sydney Aguirre dieses Mädchen, das immer wieder mutwillig zerstört und dem es leichter fällt, zu stehlen als zu reden. Es wäre einfach gewesen, sie nicht zu mögen. Aber in ihrem Gesicht, in all ihren Taten spiegelt sich ihre eigene Verlorenheit und Einsamkeit wider.

Dann hört Annie eines Tages die Stimme einer Frau (Susan Tyrell), die aus einem tiefen Loch im Wald heraus um Hilfe ruft. Anfangs ist sie verschreckt, sie weiß nicht, ob vielleicht der Teufel in der Höhle steckt, da sie die Frau auch nicht sieht. Dennoch bringt sie ihr etwas zu trinken und zu essen, weigert sich aber, Hilfe zu holen. Annie ist mit der Situation überfordert und – das verdeutlicht ihre Einsamkeit umso mehr – weiß nicht, an wen sie sich wenden kann. Sie hat keine Freundin oder einen Erwachsenen, der ihr ihre Fragen beantwortet. Alles in ihrer Umgebung ist abwesend oder beschädigt: Ihr Vater zerstört Spielzeugautos bei sogenannten Destruction Derbys, liegt betrunken oder schlafend auf der Couch, die Häuser in ihrer Umgebung sind kaputt und selbst Tierkadaver werden achtlos liegen gelassen. Das ist eine Welt, in der sich niemand kümmert – und schon gar nicht um die zehnjährige Annie.

Regisseur und Drehbuchautor David Zellner hat mit "Kid-Thing" einen kargen Film gedreht, in dem nur wenig passiert. Er erfordert viel Aufmerksamkeit von dem Zuschauer und ein ausdauerndes Sehen, da dem Film ein erzählerischer Bogen fehlt. Vielmehr werden Szenen aneinandergereiht, die sicherlich einem gewissen Sinn für Komik entsprechen, in ihrer Zerdehnung aber selbst dem wohlgesinnten Zuschauer sehr viel Ausdauer abfordern. Nur langsam kommt man Annie näher, einzig der Schluss schockiert. Dabei zeigen David und Nathan Zellner (Kamera, Produktion) auch, wie Annie in ihrer Verlorenheit ein eigenes moralisches System entwickelt, das nur für sie Bestand haben muss.

Fazit: "Kid-Thing" ist ein eigensinniger Film, der sehr viel Geduld erfordert.





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