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Conjuring - Die Heimsuchung - Poster
Conjuring - Die Heimsuchung - Poster
© Warner Bros.

Kritik: Conjuring - Die Heimsuchung (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit dem günstig produzierten Schocker "Saw" (2004) prägte der Australier James Wan das Gesicht des modernen Horrorkinos nachhaltig. Der Film begründete nicht nur ein sehr erfolgreiches Franchise, dem der junge Regisseur als ausführender Produzent zur Seite stand, er inspirierte zugleich Heerscharen von Filmemachern, ähnlich gelagerte Werke zu drehen. Auch der Großteil von Wans anschließenden Arbeiten zeugt von seinem besonderen Interesse am Horrorgenre. Nach der altmodischen Schauermär "Dead Silence" (2007) und dem hintersinnigen Spuk "Insidious" (2010) legt der australische Regisseur mit "Conjuring – Die Heimsuchung" den nächsten Gruselstreifen vor. Wie bei Geisterhausgeschichten fast schon üblich beruht auch dieser Film auf vermeintlich wahren Begebenheiten, die das real existierende Ehepaar Warren in umfangreichen Fallakten festgehalten hat.

Ganz im Stil klassischer Vorbilder wie "Amityville Horror" (1979) umgibt Wan die in den 70er Jahren spielende Geschichte mit einer durchgehend bedrohlich aufgeladenen Stimmung. Schon der Einzug der Familie in das neu erworbene Farmhaus wird begleitet von unheilvollen Anzeichen: Der Hund der Perrons scheint die Anwesenheit des Dämons zu spüren und weigert sich, über die Türschwelle zu treten. Zudem entdecken die zu diesem Zeitpunkt noch unbeschwerten Kinder zufällig einen versteckten Kellerzugang. Auch im Folgenden bleiben der Regisseur und seine Drehbuchautoren, die Horrorfilm-erfahrenen Zwillingsbrüder Chad und Carey Hayes, dem klassischen, wenig blutigen Spannungsaufbau verhaftet. Alt bekannte Genre-Motive wie plötzlich stehenbleibende Uhren, ein unheimliches Wispern und unerwartet auf- oder zuschlagende Türen werden mehrfach aufgerufen und, begleitet von einem suggestiven Klangteppich, langsam zugespitzt.

Was den Film, zumindest ansatzweise, von einigen Genre-Vorbildern unterscheidet, ist seine zweite Handlungsebene, die vom Ehepaar Warren dominiert wird. Die beiden Wissenschaftler treten nicht als untergeordnete Nebenfiguren in Erscheinung, sondern erhalten ausreichend Raum für ihre eigene Geschichte. Während sich das Grauen rund um Familie Perron allmählich aufbaut, gibt der Regisseur wiederholt kurze Einblicke in das Leben der Dämonologen, auf dem, wie sich zeigt, der Schatten eines früheren, für Lorraine traumatisch verlaufenen Auftrags lastet. Eben diese fragile Ausgangssituation lädt die baldige Anfrage der Perrons emotional auf. Denn es stellt sich durchaus die Frage, ob die nach wie vor gezeichnete Lorraine der neuen Herausforderung gewachsen sein wird.

Mit dem Einzug der beiden Geisterjäger in das Anwesen der verängstigten Familie nimmt das zunächst bedächtig aufgebaute Spannungsszenario merklich Fahrt auf. Die Frequenz der zumeist effektvoll gesetzten Schockmomente steigert sich, und die dämonische Präsenz wird, wenngleich immer noch erfreulich dezent, sichtbarer. Zusätzlichen Nervenkitzel liefert der Übergriff der unheilvollen Macht auf die Tochter der paranormalen Experten, der ähnlich wie in Wans vorangegangenem Horrorstreifen "Insidious" verdeutlicht, dass das Böse nicht ausschließlich auf das unheimliche Anwesen begrenzt ist. Das eindringliche Finale, das ebenso wie der Rest des Films fast gänzlich ohne computergestützte Spezialeffekte auskommt, hält vor allem für Lili Taylor einen Tour-de-Force-Ritt bereit, den die Darstellerin überzeugend zu absolvieren weiß.

James Wans neue Regiearbeit erzeugt genau jene latent unheilvolle Atmosphäre, die man von einem spannenden Geisterhausfilm erwarten darf. Bisweilen verlässt sich der Spuk allerdings etwas zu deutlich auf die geschickte Variation hergebrachter Stilmittel und Standardsituationen. Originelle formale oder inhaltliche Akzente bleiben so Seltenheit.

Fazit: Wohltuend unblutig gehalten, bietet "Conjuring – Die Heimsuchung" klassische, größtenteils wirkungsvoll aufgebaute Gruselunterhaltung, der ein Schuss mehr Eigenständigkeit jedoch nicht abträglich gewesen wäre.





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