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This Ain't California
This Ain't California
© farbfilm verleih

Kritik: This Ain't California (2012)


Der Dokumentarfilm "This ain’t california" porträtiert auf schwungsvolle und höchst unterhaltsame Weise eine Subkultur in der DDR, die für die Jugend zugleich Freiheit, Unabhängigkeit und ein Aufbegehren gegen die Obrigkeit bedeutete: das Skateboarding. Der Film ist eine Zeitreise zurück in eine längst vergangene Zeit mit spannenden Einblicken in diese Untergrund-Bewegung. Gleichzeitig schildert Regisseur Martin Persiel die Entwicklung dreier Freunde, die das Skaten für sich entdecken und in der DDR der 80er-Jahre zu einem Teil dieser Szene werden. Seine Uraufführung erlebte der Film im Rahmen der diesjährigen Berlinale. Dort wurde Persiel, selbst jahrelang aktiver Skater, für seinen Film mit dem Preis "Dialogue en perspective" ausgezeichnet. Später folgten Auszeichnungen auf weiteren Filmfestivals. Und völlig zu Recht: "This ain’t california" ist ein bewegendes Zeitdokument geworden, das mit einer temporeichen, dynamischen Erzählweise und tollem Soundtrack überzeugt.

Erzählt wird die Geschichte dreier Teenager, die auf dem Asphalt der bröckelnden DDR der 1980er Jahre das Skateboard für sich entdecken. Eine Erfindung des kapitalistischen Westens. Das Brett aus Amerika wird für sie nicht nur künftiger spielerischer Mittelpunkt, sondern auch zum Symbol für Selbstbestimmung und Unabhängigkeit in einem totalitären, altersschwachen Regime. Mit einer Mischung aus nachgestellten Filmsequenzen und Archivmaterial porträtiert der Film die ostdeutsche Skater-Szene, die sich zu einer ganzen Jugendbewegung entwickelte. Skateboarding in der DDR – ein unbekanntes Kapitel in der Geschichte der DDR-Jugend.

"This ain’t california" erzählt von den Nachbarsjungen Nico, Dirk und Denis, die sich 1980 kennenlernen und gemeinsam auf selbstgebastelten, provisorischen Brettern die Straßen ihres Wohnviertels unsicher machen. Denis zieht Mitte der 80er-Jahre mit seiner Mutter nach Ost-Berlin und wird dort zu einer tragenden Figur der Skater-Szene. Nach der Wende verlieren sich die Freunde aus den Augen. Die Rahmenhandlung des Films setzt in der Gegenwart ein und spielt sich größtenteils in einem alten Hinterhof ab. Dort kommen Nico, Dirk und ehemalige Mitglieder von Denis’ Skater-Clique zusammen, die sich gemeinsam an die alte Zeit erinnern. Grund der Zusammenkunft ist die Beerdigung von Denis, der als Soldat in Afghanistan ums Leben gekommen ist. In kuscheliger Lagerfeueratmosphäre erinnern sich die Freunde an Denis, ihre ersten Versuche auf dem Skateboard in den frühen 80er-Jahren, die Sprünge vom Pavillon des Fernsehturms und die Teilnahme an der Euroskate ’88, einem internationalen Skater-Wettbewerb in Prag. Dazu bekommt der Zuschauer jede Menge bemerkenswerte Archiv- und Originalaufnahmen von damals präsentiert, vor allem vom Ost-Berlin der 80er-Jahre.

Es sind gerade diese alten, historischen Super-8-Aufnahmen, die den Zeitgeist damaliger Tage und das Lebensgefühl der Jugendlichen aufzeigen und verdeutlichen. Man sieht Denis das Seitendach des Fernsehturm-Pavillons emporklettern und die anderen Skater, wie sie auf dem Alexanderplatz mit ihren Stunts und Tricks die Passanten zum Staunen bringen. Dazu unterlegt Regisseur Persiel seine Bilder mit passender Musik aus jener Zeit. Es erklingen Alphaville, Anne Clarke oder Die Ärzte und auf der Leinwand sieht man Teenager, die begeistert und euphorisch eine Bewegung in Gang setzen, die von der DDR-Führung als westlich, dekadent und disziplinlos bezeichnet wird. Sieht man keine Originalaufnahmen, dann sorgt "This ain’t california" mit einer Mixtur aus nachgestellten Szenen, Archivbildern aus dem DDR-Staatsfernsehen und gelungenen Animationen für erstaunliche Einblicke und blendende Unterhaltung. Und alles wird begleitet von den nostalgischen Gedanken und Erinnerungen der Freunde und ehemaligen Mitglieder der DDR-Skater-Szene. Darüber hinaus entschied sich Persiel für ein recht hohes – dem Thema angepassten – Erzähltempo, das für die nötige Spritzigkeit und Dynamik im Erzählfluss sorgt und somit dem Film sehr gut bekommt. Schnell sind auch die im Stile eines rasanten Actionfilms gehaltenen Schnitte geraten, die das Tempo vorantreiben. Martin Persiel schlägt mit diesem Film auf originelle Weise ein hochinteressantes, längst vergessen geglaubtes Kapitel der DDR-Jugendkultur auf.

Fazit: "This ain’t california" ist eine höchst unterhaltsame, originelle Dokumentation, die dem Zuschauer mit erstaunlichen Originalaufnahmen die DDR-Subkultur der Skater nahe bringt.




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