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Smashed - Hauptplakat
Smashed - Hauptplakat
© 2012 Sony Pictures Releasing GmbH

Kritik: Smashed (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nach seinem Debüt "Off the Black" aus dem Jahr 2006 erzählt auch der zweite Spielfilm von Regisseur und Drehbuchautor James Ponsoldt von einer alkoholabhängigen Hauptfigur. In "Smashed", der beim letztjährigen Sundance Film Festival mit einem Spezialpreis ausgezeichnet wurde, dreht sich alles um die liebenswerte, aber verantwortungslose Lehrerin Kate Hannah, deren Leben eigentlich so schön sein könnte. Schließlich hat sie einen Ehemann, der sie über alles liebt, ein kleines Eigenheim und einen sicheren Job. Kates Alkoholexzesse mit Charlie zeugen jedoch von einer tief sitzenden Unsicherheit und einer Rebellion gegen das Erwachsensein. Trotz oder gerade wegen des ernsten Themas setzt Ponsoldt auf eine Mischung aus tragischen und komischen Elementen. Schon die Inszenierung der Szene, in der Kate sich vor ihrer Schulklasse übergeben muss, unterstreicht den ambivalenten Ton des Films. Ohne zu unterschlagen, dass die junge Frau hier einen demütigenden Tiefpunkt erreicht hat, bekommt der peinliche Vorfall einen wohltuend auflockernden Anstrich, da die Schulkinder ihre Lehrerin direkt ins Kreuzverhör nehmen. Was Kate zu recht unglaublich peinlich ist, sorgt bei den Kindern für detektivische Neugier. Verstärkt wird die tragisch-komische Stimmung durch die überschwängliche Reaktion der Schulleiterin auf Kates vermeintliche Schwangerschaft.

Die Balance zwischen ernsthaften und komischen Momenten geht auch im weiteren Verlauf der Geschichte nicht verloren, als Kate sich schweren Herzens zum Besuch einer Selbsthilfegruppe entschließt. Zu keinem Zeitpunkt gibt das facettenreiche Drehbuch seine Protagonistin der Lächerlichkeit preis. Vielmehr versucht es, den durchaus schwierigen Kampf gegen die teuflische Sucht differenziert darzustellen. Wie schnell deutlich wird, reicht es nämlich nicht aus, dass Kate einen festen Willen entwickelt. Auch ihr Umfeld muss helfen, die Krankheit zu bekämpfen. Bei Charlie stößt die junge Lehrerin allerdings nur auf bedingte Unterstützung. Auch wenn er die Entscheidung seiner Frau respektiert, sorgt er mit seinem ständigen Alkoholkonsum dafür, dass die Chancen auf einen Rückfall steigen. Eine Haltung, die letztlich ernsthafte Konflikte nach sich ziehen wird.

Der Sog, den der Film entwickelt, ist zu einem Großteil der intensiven Darstellung von Mary Elizabeth Winstead zu verdanken. Sie spielt sowohl Kates Abstürze als auch ihren späteren Kampf gegen die Alkoholsucht derart glaubwürdig und nuanciert, dass es schwer fällt, sich ihrer Figur zu entziehen. Egal, in welche mitunter entwürdigenden Situationen sie auch gebracht wird. Obwohl Winstead ohne Frage die schauspielerischen Höhepunkte setzt, fällt der restliche Cast keineswegs ab. Aaron Paul gibt als Kates antriebsloser, aber liebender Ehemann den perfekten Gegenpart, an dem sich die junge Frau reiben kann, von dem sie aber ebenso wenig loskommt. Auch Nick Offerman und Octavia Spencer wissen in ihren durchaus bedeutenden Nebenrollen zu überzeugen. Mit knapp 80 Minuten Laufzeit ist „Smashed“ leider schneller vorbei, als es dem Zuschauer lieb sein könnte. Ein wenig mehr Einblick in Kates Leben und ihre Entwicklung hin zu mehr Verantwortungsbewusstsein hätte am Ende sicherlich nicht geschadet.

Fazit: Intensiver, zwischen Tragik und Komik balancierender Independent-Film, der mit einer hervorragenden Hauptdarstellerin aufwarten kann und das Thema "Alkoholabhängigkeit" weitaus differenzierter behandelt als so manches tiefgründige Drama.




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